Loch rettet deutsche WM-Bilanz - Sieg mit Staffel

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Deutsche Presse-Agentur

Schwarzes Wochenende für die deutschen Frauen, Glanzlicht durch Überflieger Felix Loch: Mit seinem zweiten WM-Coup hat der 19-Jährige die deutschen Rodler bei den Titelkämpfen in den USA vor der schwächsten WM-Bilanz seit mehr als 30 Jahren bewahrt.

„Das ist einfach geil. Das Gold hier von Lake Placid ist noch ein kleines Stück wertvoller“, sagte der Berchtesgadener nach seiner Titelverteidigung. 2008 war Loch in Oberhof völlig überraschend zum WM-Sieg gefahren. Dagegen mussten die deutschen Frauen nach 99 Siegen in Serie bei Olympia, Weltmeisterschaften und Weltcups beim Sieg von Lokalmatadorin Erin Hamlin eine bittere Niederlage einstecken. Zum WM-Abschluss durften die Deutschen aber erneut jubeln: In der Staffel holten die Schützlinge von Bundestrainer Norbert Loch ihren achten Team-Sieg in Serie und beendeten die WM erneut als beste Nation.

Sensationssiegerin Hamlin feierte bis tief in die Nacht ihren WM-Coup, bei den deutschen Frauen war nur Katzenjammer angesagt. „Das ist für mich die bitterste Niederlage meiner Karriere. Ich bin einfach Grütze gefahren“, gestand die mit Platz sechs brutal entthronte Titelverteidigerin Tatjana Hüfner noch am Tag danach. „Auch ein, zwei Bierchen haben nicht geholfen. Meine Enttäuschung ist immer noch groß.“ Die Seriensiegerin verfehlte in Lake Placid die Erfolgsspur und musste den angestrebten Titel-Hattrick nach 2007 und 2008 begraben. „Ich begehe aber keinen Selbstmord“, sagte die 25-Jährige. „Aus Niederlagen lernt man am meisten.“

Angesichts des jähen Endes des seit 1995 andauernden WM-Siegeszugs der deutschen Frauen ging Rang zwei für Natalie Geisenberger fast unter. „Meine Medaille hat einen faden Beigeschmack. Das ist ein kleiner Schock für uns“, befand die 21-Jährige nach dem verpassten 100. Sieg in Serie in einem interkontinentalen Rennen. „Wir hatten uns erhofft, dass wenigstens eine von uns topp runter kommt.“ Nach der historischen Pleite richteten die Frauen aber trotzig den Blick auf 2010: „Lieber jetzt so eine Niederlage als bei Olympia“, sagte Hüfner. „Da will ich ganz oben stehen.“

Überflieger Loch wurde nach seinem Triumphzug mit Lobeshymnen überschüttet. „Das ist Wahnsinn, wie locker der Hund ist. Sein größtes Plus ist seine mentale Stärke“, schwärmte Loch-Helfer Georg Hackl angesichts des starken Auftritts des deutschen Youngsters. Nach Bahnrekord im ersten Lauf ließ sich Loch auch von einer fast perfekten Aufholjagd von Routinier Armin Zöggeler nicht aus der Ruhe bringen und distanzierte den Ausnahmefahrer aus Italien am Ende um mehr als zwei Zehntelsekunden. „Das hat niemand von uns erwartet. Felix hat gezeigt, was wirklich in ihm steckt“, lobte Sportdirektor Thomas Schwab vom deutschen Bob- und Schlittenverband (BSD).

Mächtiges Understatement („Ich bin nur bei 70 Prozent“) hatte Loch nach seinem doppelten Schulter-Bänderriss betrieben, das Projekt Titelverteidigung in der gefürchteten Eisrinne ging das Talent in Perfektion an. Tagelang beobachtete er im Eiskeller von Lake Placid die Wetterprognosen - und hatte auf das plötzliche Tauwetter die beste Antwort. „Eine halbe Stunde vor dem Rennen habe ich entschieden, andere Laufschienen aufzulegen.“

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