Liverpool gegen Real vor dem Aus - Klopp-Ärger über Brych

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp ist nach der 1:3-Niederlage des FC Liverpool gegen Real Madrid sauer auf den deutschen Schiedsrichter. (Foto: Isabel Infantes / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Philip Dethlefs und Emilio Rappold

Die Revanche für das Finale von Kiew ist missglückt, und die letzte Titelchance rückt für den englischen Fußballmeister FC Liverpool in weite Ferne.

Trotz der bitteren 1:3 (0:2)-Niederlage bei Real Madrid - genau wie im Champions-League-Finale 2018 - hat Jürgen Klopp die Hoffnung auf das Erreichen des Halbfinals aber noch nicht aufgegeben. „Ich weiß nicht, ob wir es schaffen können“, sagte der Coach zurückhaltend mit Blick auf das Rückspiel nächste Woche, „aber ich kann versprechen, dass wir alles versuchen werden.“

In der Vergangenheit war die Klopp-Elf für Fußballwunder in Anfield berühmt, darunter das legendäre 4:0 gegen den FC Barcelona 2019 nach einer 0:3-Hinspielpleite. In der derzeitigen Verfassung der Reds scheint so ein Ergebnis jedoch unrealistisch. „Wir müssen viel besser spielen als heute“, sagte Klopp. „Und wir können besser spielen.“

Vor allem in der ersten Halbzeit im Alfredo-Di-Stéfano-Stadion hatte seine Mannschaft im Vergleich zum 3:0-Ligasieg beim FC Arsenal vom Wochenende eine schwache Vorstellung gezeigt. Vinicius Junior (27. Minute) - nach genialer Vorlage von Nationalspieler Toni Kroos - und Marco Asensio (36.) profitierten vom defensiven Chaos. „Wir haben es nicht verdient, heute Abend zu gewinnen“, gab Klopp dann auch zu.

Doch es gab noch etwas, das den Coach ärgerte. Nach dem Abpfiff war er zu Schiedsrichter Felix Brych gelaufen, das Wort „unfair“ war zu hören. „Ich verstehe nicht, was der Schiedsrichter heute Abend gemacht hat“, erklärte Klopp später, Brych habe ein klares Foul an Sadio Mané nicht geahndet. „Für mich war das etwas Persönliches“, unterstellte Klopp, „denn er hat die Situation mit Sadio bewertet, als wäre es eine Schwalbe oder so. Und wann immer Sadio von da an zu Boden gegangen ist, gab es nichts. Und das ist einfach nicht richtig.“

Immerhin gelang den Reds in der zweiten Hälfte eine sichtbare Leistungssteigerung - und ein Auswärtstor durch Mohamed Salah (51.), das noch wichtig werden könnte. Nicht mehr dabei war Naby Keita, den Klopp schon vor der Halbzeitpause vom Platz geholt hatte. „Eine taktische Entscheidung“, sagte Klopp und nahm den früheren Leipziger in Schutz. „Naby war nicht (für die Niederlage) verantwortlich.“

Der Hoffnungsschimmer durch Salahs Treffer währte keine Viertelstunde, dann stellte Vinicius (65.) die Zwei-Tore-Führung für Real wieder her. Damit waren die Königlichen nicht mal zufrieden. „Wenn ich ganz ehrlich bin: Das Ergebnis ist in Ordnung, aber es war mehr möglich für uns“, sagte Real-Profi Kroos im Sky-Interview. Ein richtiges Lächeln kam ihm trotz seiner Galavorstellung nicht über die Lippen.

Neben dem Doppeltorschützen Vinicius wurde der 31-Jährige in den Madrider Fachzeitungen mit Lobeshymnen überschüttet, wie sie auch für einen derart erfolgreichen Profi nicht alltäglich sind. „Marca“ bezeichnete Kroos als „möglicherweise besten Mittelfeldspieler der Welt“. Gegen Liverpool habe der frühere Bayern-Spieler „eine neue Lektion erteilt“. „AS“ sprach von einer „kolossalen Leistung“.

Auch Teamkameraden und Real-Trainer Zinedine Zidane verneigten sich vor Kroos, der die jüngsten WM-Qualifikationsspiele der deutschen Nationalelf verletzt verpasst hatte. Der Brasilianer Vinicius bedankte sich für Kroos' 40-Meter-Traumvorlage zum 1:0 und schwärmte überschwänglich: „Toni ist unglaublich, ein großartiger Fußballer, eine Clublegende. Er zeigt eine Klasse, die sonst niemand hat.“ Auch Zidane meinte: „Das erste Tor war fantastisch.“

Bevor es zum Rückspiel nach Anfield geht, hat der Tabellendritte der spanischen La Liga zuhause einen anderen Kracher auf dem Spielplan. Am Samstag kommt es zum Clásico gegen den Tabellenzweiten FC Barcelona. Liverpool braucht unterdessen in der Premier League gegen Aston Villa dringend einen Sieg. Ansonsten könnte die laufende Saison für die Reds die vorerst letzte mit Champions-League-Fußball werden.

© dpa-infocom, dpa:210407-99-108923/5

Aussagen von Jürgen Klopp

Aussagen von Toni Kroos

Kommentar in der "Marca"

Aussagen von Zinedine Zidane

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Sparschwein auf Werbematerial und Informationsbriefen zur Riester-Rente: Der Bund der Versicherten befürchtet fatale Konsequenze

Riester-Rente steht vor dem Aus: Dramatische Rentenkürzungen drohen

Eine kleine gesetzliche Änderung sorgt für Wirbel. Das Bundesfinanzministerium (BMF) will den Garantiezins bei Lebensversicherungen vom 1. Januar 2022 an absenken. Statt bisher 0,9 Prozent dürfen die Anbieter ihren Kunden nur noch 0,25 Prozent zusagen.

„Die Anpassung leistet einen wichtigen Beitrag, im Interesse der Versicherten die langfristige Stabilität der Lebensversicherung zu unterstützen“, erläutert eine Sprecherin des BMF. Die Verordnung dazu werde in den nächsten Tagen veröffentlicht.

Impftermin-Ampel: Schwäbische.de muss Service leider einstellen

Wochenlang hat die Impftermin-Ampel Menschen bei der Buchung von Impfterminen unterstützt. Die große Beliebtheit bringt das Konzept aber an technische Grenzen - das hat nun Konsequenzen.

Das Problem: In Deutschland wird endlich gegen das Corona-Virus geimpft - und viele Menschen wollen einen Impftermin. Doch der Impfstoff ist knapp, die Buchung eines Termins glich vor allem zu Beginn der Impfkampagne einem Glücksspiel.

Um Menschen auf der Suche nach einem Impftermin zu helfen hat Schwäbische.

Corona-Impfung

Auf diese Lockerungen dürfen sich Geimpfte freuen

Vor gut einer Woche gab das Robert-Koch-Institut (RKI) bekannt, dass vollständig gegen Corona Geimpfte bei der Verbreitung des Virus keine wesentliche Rolle spielen. Die Diskussion darüber, welche Freiheiten Geimpfte künftig bekommen sollen, nahm damit neue Fahrt auf. Die ersten Bundesländer schaffen jetzt Fakten. Unter anderem in Baden-Württemberg sollen Geimpfte künftig etwa nicht mehr in Quarantäne müssen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Regeln gelten künftig für vollständig Geimpfte?

Mehr Themen