Leverkusen mit Endspiel im Eisschrank Moskau

Lesedauer: 5 Min
Kältekammer
Warm eingepackt: Die Lieverkusen-Profis beim Abschlusstraining in Moskau. (Foto: Rolf Vennenbernd / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Holger Schmidt

Beim Abschlusstraining waren von den meisten Spielern nur die Augen zu sehen. Die Rundschals bis über die Nase hochgezogen, die Mützen tief ins Gesicht geschoben, trainierten die Profis von Bayer Leverkusen auf einem Nebenplatz der RZD Arena.

Die minus sechs Grad am Montagabend dürften jedoch nur ein Vorgeschmack gewesen sein auf das, was Bayer beim 100. Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte erwartet: ein Endspiel im Eisschrank. Denn für Dientagabend, wenn das mindestens für das Überwintern in der Europa League entscheidende Spiel bei Lokomotive Moskau steigt (18.55 Uhr MEZ/DAZN), werden bis zu zweistellige Minusgrade erwartet.

Für Rudi Völler ist die Kälte kein großes Problem. „Es ist ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Deshalb erwarte ich trotz der Minusgrade einen heißen Fight“, sagte der Sportchef: „Ich finde die Kälte gar nicht so schlimm. Auf jeden Fall ist das keine Ausrede.“ Für die Zuschauer sei es „schlimmer als für die Spieler. Auf dem Platz muss man sich bewegen“. Nationalspieler Jonathan Tah dachte sogar eher an seinen Trainer Peter Bosz. „Für ihn ist es schlimmer, wir bewegen uns wenigstens“, sagte er, wollte sich ansonsten mit dem Thema aber „nicht beschäftigen“.

Völler erinnerte sich an ein Spiel im November 2007 bei Spartak Moskau (0:2). „Da haben wir bei minus 15 Grad gespielt“, sagte der Weltmeister von 1990: „So schlimm wird es diesmal nicht. Deshalb: Alles halb so wild.“ Loks deutscher Weltmeister von 2014, Benedikt Höwedes, sieht auch keinen Vorteil für seine Mannschaft. „Es wird beiden schwer fallen, bei diesen eisigen Temperaturen zu spielen“, sagte Höwedes der Deutschen Presse-Agentur. „Das wird uns genauso gehen wie den Leverkusenern. An Kälte kann man sich nicht gewöhnen.“

Sich zu lange mit den äußeren Umständen aufhalten, dürfen sich sowieso beide nicht erlauben. „Wir wissen, worum es geht“, sagte Völler: „Aber durch den den tollen Sieg gegen Atlético haben wir wieder alles in eigener Hand.“ Nach dem 2:1 gegen den zweimaligen Finalisten ist Leverkusen trotz des 1:2 im Hinspiel nun punktgleich mit Lok, liegt im Direktvergleich aber noch hinten. Heißt: Bei einem Sieg mit zwei Toren Unterschied oder einem Tor Differenz bei mindestens drei erzielten, ist Bayer das Überwintern in der Europa League sicher.

Eventuell gibt es dann sogar noch ein Endspiel um das Weiterkommen in der Champions League. Eine Niederlage würde dagegen vor dem letzten Spiel gegen das bereits qualifizierte Juventus Turin das komplette Aus aus dem Europacup bedeuten.

Der Bundesliga-Neunte reiste mit Verletzungssorgen nach Russland. In Kai Havertz und Mitchell Weiser sowie dem gesperrten Nadiem Amiri fehlen drei Stammspieler, in Julian Baumgartlinger ist einer Vierter fraglich. Doch auch darüber will Völler nicht groß nachdenken. „Ein paar Ausfälle im November haben andere auch. Das gehört dazu bei den vielen Englischen Wochen“, sagte er.

Umgekehrt sieht der Ex-Schalker im Fehlen von Havertz nicht zwangsläufig einen großen Nachteil für Bayer. „Kai ist ein Mega-Spieler. Aber offensiv können sie gut nachlegen. Deshalb glaube ich, dass sie ihn gut ersetzen können“, sagte der 31-Jährige: „Moussa Diaby zum Beispiel hat gegen Freiburg ein Riesenspiel gemacht.“

Insgesamt sieht Höwedes die Chancen als ausgeglichen an. „Wir haben Respekt vor Leverkusen, logisch. Aber Angst müssen wir keine haben“, sagte der 31-Jährige, der das Freiburg-Spiel im Fernsehen verfolgte.

UEFA-Pressemappe zum Spiel

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen