Laboureur/Ittlinger wollen Aufholjagd starten

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 Die Beachvolleyballerinnen Sandra Ittlinger (li.) und Chantal Laboureur kämpfen um die Qualifikation für die Olympischen Spiele
Die Beachvolleyballerinnen Sandra Ittlinger (li.) und Chantal Laboureur kämpfen um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio. (Foto: dpa)
Jochen Dedeleit

Chantal Laboureur ist noch einmal in die Heimat gekommen, ehe es die Beachvolleyballerin aus Immenstaad mit Partnerin Sandra Ittlinger dieses Jahr noch einmal in die Ferne zieht. Eigentlich wird die Saison mit zwei Turnieren in China und Mexiko fortgesetzt – aber die neue Saison beginnt noch 2019, wie beim Weltverband FIVB zu entnehmen ist. „Sicher machen wir auch mal eine Pause, aber um Weihnachten herum trainieren wir. Und eigentlich geht es so bis Juni 2020 weiter. Denn da wird abgerechnet“, sagt eine kampfeslustige Chantal Laboureur, die sich und ihrer Partnerin keine große Auszeit gönnt: „Zwei Duos haben sich etwas abgesetzt. Darum spielen wir alles, was uns in die Finger kommt. Der Körper lässt es zu.“

Was sichtbar ist: Chantal Laboureur und die gebürtige Münchnerin Sandra Ittlinger (25) machen einen austrainierten Eindruck und hätten zuletzt fast für eine Überraschung gesorgt. Das Duo hatte in Haiyang nach einer Drei-Satz-Niederlage gegen Liliana/Elsa das Olympiaticket nur hauchdünn verpasst. In der entscheidenden Partie unterlagen Ittlinger/Laboureur den spanischen Routiniers mit 21:18, 17:21, 10:15. Nach einer harten Turnierwoche mit acht Spielen war die direkte Qualifikation für die Beachvolleyballerinnen zum Greifen nah. Doch am Ende standen Ittlinger/Laboureur – nach sechs Siegen – mit leeren Händen da.

Starke und schwache Phasen

„Ich muss immer dazusagen, dass es nicht unser Ticket gewesen wäre – wir hätten es für den deutschen Verband gewonnen. Aber wir konnten konstant auf hohem Niveau agieren und es ist super gelaufen. Bis auf das letzte Spiel, das schmerzt natürlich“, meint die 29-jährige Laboureur vom MTV Stuttgart. Sie hofft, dass dem Duo eben diese Konstanz nicht mehr von der Seite weicht. Starken Auftritten wie beim neunten Platz des Vier-Sterne-Events von Espinho und dem fünften Platz bei der EM wechselten sich schwache wie beim 25. Platz bei den Major Series in Wien oder der Heim-WM (17.) ab.

Beim Olympia-Qualifikationsturnier in China nahm die gebürtige Friedrichshafenerin das erste Mal die rechte Position auf dem Feld ein, ein Schachzug des neuen Trainers Tom Kröger, der Ricardo „Vento“ Brunale de Andrade ablöste und das derzeit viertbeste deutsche Team wieder nach oben bringen soll. In der Weltrangliste sind Laboureur/Ittlinger 29., knapp hinter Schneider/Bieneck. Etwas abgesetzt haben sich Laboureurs ehemalige Partnerin Julia Sude mit Karla Borger sowie Laura Ludwig/Margareta Kozuch.

In einer bereinigten Rangliste nehmen Borger/Sude Rang neun (5520 Punkte) und Ludwig/Kozuch Rang zwölf (5440) ein. Schneider/Bieneck (4580) und Laboureur/Ittlinger (4320) lauern dahinter. In dieser Rangliste zählen die besten zwölf Resultate im Zeitraum vom 1. September 2018 bis 14. Juni 2020. 15 Mannschaften qualifizieren sich direkt für Olympia, wobei nur zwei Teams pro Nation starten dürfen.

„Es sind noch rund ein Dutzend Turniere bis zum Ende der Qualifikationsperiode. Ich habe immer gesagt, wir spielen nicht nur für die Olympischen Spiele Beachvolleyball, aber die Deadline rückt natürlich immer näher“, sagt Laboureur. Helfen soll nun vor allem Ex-Nationalspieler und Ex-VfB-Spieler Tom Kröger, der laut Laboureur mit Bedacht agiert und in einer überaus ruhigen Art auf die Spielerinnen eingeht. „Vento war da emotionaler, aber vielleicht musste Tom bisher auch nicht laut werden“, meint die Beachvolleyballerin des Jahres 2018, die mit Ittlinger den Nationalteamstatus bis Ende der Saison innehat. Scouts vom deutschen Verbands helfen in den Olympiastützpunkten Berlin und Stuttgart bei der Videoanalyse, Physiotherapeuten sind normalerweise bei den Turnieren vor Ort.

Zu hohe Kosten

Das Turnier im chinesischen Qinzhou lassen die Deutschen aber aus. „Für ein Turnier, das so weit weg ist, müssen wir mit Kosten in Höhe von etwa 4000 Euro rechnen für unsere eigenen Flüge sowie der unseres Trainers, Unterkünfte für uns alle und sonstige Kosten“, sagt Laboureur. So werden die beiden beim Vier-Sterne-Turnier in Chetumal/Mexiko Mitte November antreten – dann gibt es auch ein Wiedersehen mit den amtierenden deutschen Titelträgerinnen Karla Borger/Julia Sude sowie Victoria Bieneck/Isabel Schneider. „Jedes Team hatte gehofft, dass die Teamfindung schneller geht. Das war 2018 bei den Männern in Brasilien eine sehr ähnliche Situation – so etwas dauert eben seine Zeit“, sagt die Medizinstudentin Laboureur.

Erstmalig spielte Laboureur bei der deutschen Meisterschaft gegen ihre langjährige Partnerin Julia Sude (VfB Friedrichshafen) – und verlor. Was war dort das Überraschende? „Wir kennen uns sehr gut. Die eine weiß, dass die andere in bestimmten Situationen gerne einen bestimmten Ball spielt.“ Kurze Pause. „Aber eben nur zu 80 Prozent.“

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