Laboureur darf die Weltmeisterschaft eröffnen

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 Die Friedrichshafenerin Chantal Laboureur (rechts) will mit Sandra Ittlinger bei der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Hambu
Die Friedrichshafenerin Chantal Laboureur (rechts) will mit Sandra Ittlinger bei der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Hamburg weit kommen. (Foto: privat)
Jochen Dedeleit

Am Freitag um 13 Uhr wird es ernst. Da betreten die gebürtige Friedrichshafenerin Chantal Laboureur (29) und ihre Partnerin Sandra Ittlinger (25) den Center Court des 12 000 Zuschauer fassenden Rothenbaum-Stadions in Hamburg. Es wird das erste Match der 12. Beachvolleyball-Weltmeisterschaft sein. „Das ist eine riesige Ehre“, freut sich Laboureur, wohlwissend, dass sich Druck, Anspannung und Nervosität gegen eben diese Ehre stellen werden.

Laboureur/Ittlinger sind dazu topgesetzt und damit Kopf der Gruppe A, weil sie bei Erscheinen der für die Auslosung maßgeblichen Liste so weit vorne geführt wurden. Für die 96 Frauen- und Männerteams aus 38 Nationen geht es bis 7. Juli um die WM-Titel und insgesamt eine Million US-Dollar Preisgeld. Mit am Start ist auch Laboureurs frühere Partnerin Julia Sude aus Friedrichshafen, die inzwischen mit Karla Borger im Sand antritt.

Es läuft noch schleppend

In der Weltrangliste nehmen Laboureur (MTV Stuttgart) und die gebürtige Münchnerin Ittlinger aktuell den 86. Platz ein. „Wir haben erst vier Turniere zusammen gespielt und sind demzufolge klar hinter Teams, von denen aus bis zu 15 Turnieren die besten acht Resultate gewertet werden“, sagt die ehemalige Partnerin von Julia Sude (VfB Friedrichshafen). Sude hatte sich bekanntlich vergangenen Winter zu einem Partnertausch entschlossen. Die ehemaligen Weltranglistenersten Sude/Laboureur nehmen in der Weltrangliste noch den 25. Platz ein und sind damit hinter Schneider/Bieneck das beste deutsche Duo, das jedoch nur noch auf dem Papier existiert.

Laboureur/Ittlinger haben als bestes Resultat einen neunten Platz aus Itapema (Brasilien) zu Buche stehen. „Da ist natürlich noch gewaltig Luft nach oben und wir hoffen bei jedem Turnier, dass der Knoten noch mehr platzt“, meint Laboureur. Seit einer Woche sind sie am Olympiastützpunkt in Hamburg. „Wir haben in einigen Matches geführt, aber Sätze noch hergegeben. Aber viele haben sich in dieser Saison mehr erhofft“, sagt die Immenstaaderin zu den Ergebnissen der deutschen Teams. Sude/Borger warten noch auf den richtigen Durchbruch. Auch die Olympiasiegerin Laura Ludwig, die Titelverteidigerin, kommt mit ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch in dieser Saison noch nicht richtig in Fahrt.

In der Gruppe A bekommen es Laboureur/Ittlinger mit den Italienerinnen Menegatti/Orsi Toth, den kanadischen Zwillingen McNamara/McNamara und Michelle/Pati aus Paraguay zu tun. „Unsere Auftaktgegnerinnen Michelle/Pati können sehr wohl Beachvolleyball spielen, aber es ist schwer, Videomaterial von den beiden zu bekommen. Gegen McNamara/McNamara haben wir in Brasilien verloren. Und Orsi Toth kommt von einer zweijährigen Dopingsperre zurück“, sagt Laboureur über die Gruppengegnerinnen. Der Aufstieg in die nächste Runde sei das klare Ziel, „ansonsten wollen wir schlichtweg unser Bestes geben“, meint die Friedrichshafenerin.

Druck liegt bei den Deutschen

Zu kurz sei die Vorbereitung für das seit Mitte Februar zusammengefundene Duo gewesen. „Normalerweise würden wir jetzt erst in die Saison einsteigen. Aber das kann man sich nicht aussuchen. Gerade in Stresssituationen merkst du, dass ein paar Spiele und Trainings mehr von großem Vorteil wären“, sagt Laboureur, die Beachvolleyballerin des Jahres 2018 und deutsche Meisterin von 2017. Auch mit neuer Partnerin setzt sie weiter auf Trainer Ricardo Brunale de Andrade und Mentaltrainerin Maria Samioti. Trainer Kay Matysik kommt von Blockspielerin Ittlinger. Vor allem auf Samioti kommt vor dem ersten WM-Match viel Arbeit zu, schließlich ist der Druck im Eröffnungsspiel gegen den vermeintlich leichtesten Kontrahenten voll aufseiten der Deutschen.

„Da wir von unserem Gegner nicht allzu viel wissen, müssen wir umso mehr auf uns achten und unser Ding durchziehen“, sagt Laboureur, die die Olympischen Spiele 2020 in Tokio als großes Ziel nennt. Allerdings meint sie auch: „Mir wird zu sehr nur dieses eine Ziel genannt. Dem Weg nach Tokio sollte eine ebenso große Aufmerksamkeit und Freude geschenkt werden.“ Im Februar hat Laboureur ihr achtes Semester abgeschlossen, ihr Medizinstudium lässt sie aber erst einmal ruhen. Mit Ittlinger hat sie an den Olympiastützpunkten Berlin und Stuttgart „alles, was wir brauchen“.

Übrigens: Ein Duell gegen Ex-Partnerin Julia Sude könnte die WM natürlich bringen. Ob es mehr als ein bisher übliches „Hallo“ wird, scheint aber eher unwahrscheinlich.

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