„Löwen“ nach Investoren-Stopp vor Zerreißprobe

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Deutsche Presse-Agentur

Nach dem gestoppten Investoren-Deal steht der Fußball-Zweitligist TSV 1860 München vor einer neuen Zerreißprobe - das vollmundig angekündigte Aufstiegs-Programm 2010 ist erst einmal geplatzt.

Nur eine Woche nach dem angekündigten Millionen-Einstieg der Berliner Unternehmensgruppe von Nicolai Schwarzer zog das „Löwen“-Präsidium überraschend abrupt die Reißleine und löste mit seinem Vorgehen Rätselraten über die Beweggründe und die Zukunft des finanziell angeschlagenen Traditionsvereins aus. „Es ist ein Rückschlag“, gestand Vizepräsident Franz Maget - aber trotzig fügte der SPD-Politiker hinzu: „1860 wird nie untergehen.“

Personelle Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen. Am Dienstag wurde die Lage intern sondiert und auch über die Zukunft des neuen Sportdirektors Miroslav Stevic beraten. „Er muss entscheiden, ob er auf dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung diese Aufgabe noch erfüllen kann oder will“, berichtete Maget. Stevic wolle nicht zurücktreten, berichtete die „Abendzeitung“ auf ihrer Online-Seite: „Ich habe einen Vertrag bei 1860, mit dem Investor habe ich nichts zu tun. Ich bin vom Präsidium geholt worden, um sportlichen Erfolg zu haben. Mein Ziel ist, mit 1860 in die Bundesliga aufzusteigen.“

Eine zumindest indirekte Verbindung zwischen dem Immobilien-Unternehmer Schwarzer und dem ehemaligen „Löwen“-Profi, der Stefan Reuter als sportlich verantwortlichen Manager abgelöst hatte, wäre ein Problempunkt bei dem Investoren-Einstieg gewesen - auch wenn Maget dies am Montagabend im Bayerischen Fernsehen bestritt: „Es gibt diese Verquickung nicht direkt.“ Schwarzer sollte in den kommenden vier Transfer-Perioden den „Löwen“ mehrere Millionen Euro für Spieler-Einkäufe zur Verfügung stellen. Im Gegenzug hätte er sich Anteile an der Kommanditgesellschaft auf Aktien sichern können.

Den „Schwarzen Peter“ für den Blitzausstieg des Investors hatte das 1860-Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) zugewiesen. Beim Ligaverband seien die Vereinbarungen auf „erhebliche Bedenken“ gestoßen, darum ziehe man den Genehmigungsantrag zurück. Die DFL wies die Verantwortung zurück. „Es gibt bislang keine Untersagung des angekündigten Investoren-Einstiegs“, erklärte Christian Müller, Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung am Dienstag. Die Pressemitteilung der Sechziger sei mit der DFL „nicht abgestimmt“ gewesen, betonte Müller: „Die DFL hält weiter ein Gespräch mit 1860 für erforderlich, um eine Klärung der Angelegenheit herbeizuführen.“

1860 verwies dagegen auf ein DFL-Schreiben vom Montag, in dem von Verbandsseite „zwei elementare Vertragspunkte“ beanstandet worden seien. Diese sollten bei einem für die zweite Wochenhälfte geplanten Gespräch in Frankfurt/Main erörtert werden. „Wäre es zu dem geplanten Gespräch mit 1860 gekommen, hätten wir die zuständigen Vertreter des Clubs darüber informiert, dass mehrere Passagen des Vertrages nicht mit den Statuten vereinbar sind“, sagte Müller.

Der Einzug von Investoren sei „heikel in der DFL“, meinte Maget. Der Verein habe „eine längere Auseinandersetzung“ gescheut. Es gibt aber auch Stimmen, die behaupten, das „Löwen“-Präsidium habe „kalte Füße“ bekommen. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der dem Aufsichtsrat angehört, äußerte in der „Süddeutschen Zeitung“ „massive Zweifel“ an der Genehmigungsfähigkeit der Verträge. „Es ist in den Verträgen von Einflussnahmen des Investors die Rede, die man als bestimmend ansehen kann“, berichtete Ude.

Er kritisierte auch die Vereinsführung: Es sei „grundsätzlich nicht gut, wenn das Präsidium Verträge aushandelt. Geschäfte sollte die Geschäftsführung wahrnehmen. Die ist dafür da.“ Bestätigt fühlen darf sich auch Uli Hoeneß: Der Bayern-Manager hatte den Schwarzer/ Stevic-Einstieg als „Anfang vom Ende für 1860“ bezeichnet.

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