Löw verspricht nach Norwegen-Notstand Besserung

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Deutsche Presse-Agentur

Der große Frust über den Fußball-Notstand gegen Norwegen stand Joachim Löw noch deutlich ins Gesicht geschrieben, da kündigte der Bundestrainer bereits eine schonungslose Analyse und die rasche Rückkehr zu alter Stärke an.

„Wir können uns nicht beklagen, dass wir verloren haben. Aber wir werden die Lehren daraus ziehen und beim nächsten Mal anders auftreten, das kann ich versprechen“, sagte der DFB-Chefcoach nach dem blamablen 0:1 (0:0) gegen unbekümmerte Skandinavier in Düsseldorf kämpferisch. Ob seine Spieler die Botschaft für die anstehenden Aufgaben in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein (28. März) und in Wales (1. April) vernehmen werden, muss erst bewiesen werden.

Immerhin Michael Ballack sprach offene Worte: „Das ist ein Fingerzeig. Wir müssen wieder hart arbeiten“, forderte der Kapitän. Und auch Co-Routinier Torsten Frings, der bei seiner Rückkehr die Länderspiel-Tauglichkeit auf ganzer Linie schuldig blieb, räumte reumütig eine Kollektivschuld ein. „Gerade als Nationalspieler und hier zu Hause wollen wir jedes Spiel gewinnen. Da können wir nicht so spielen wie heute.“ Die Fans hatten genau diese Einschätzung zuvor mit ihrem Pfeifkonzert kund getan. „Ich kann das verstehen, die Leute wollen Tore sehen und ein gutes Spiel. Aber wir sind keine Maschinen, die immer 100 Prozent Leistung bringen“, sagte Bastian Schweinsteiger.

Auch andere Erklärungen klangen nach Alibis, die die DFB-Akteure zuvor auch sportlich unter dem Düsseldorfer Hallendach gezeigt hatten - und Löw in noch größere Alarmstimmung versetzen dürften. „Das ist in Freundschaftsspielen eben so. Das kann man schwer aus den Köpfen herausbringen, dass man die letzten fünf bis zehn Prozent nicht bringt. Das ist schade, aber das bekommt man aus dem Kopf nicht raus“, lautete die Analyse von Philipp Lahm.

Und Kollege Schweinsteiger offenbarte nach dem sportlichen Offenbarungseid: „Wir wissen alle, dass wir besser spielen müssen. Ich sehe das nicht dramatisch oder als Weltuntergang. Wir haben ein Freundschaftsspiel verloren. Klar hätten wir gern gewonnen, aber warten wir ab, wenn die Punktspiele wieder losgehen. Die sind entscheidend für uns“, sagte der Bayern-Profi. In gut sechs Wochen werden Schweinsteiger & Co. nicht weniger gefordert - gegen Gegner, die genau die simple aber erfolgreiche Taktik der Norweger kopieren werden.

Erstmals unter Trainer Löw und insgesamt zum ersten Mal seit dem Jahreswechsel 2002/2003 gingen für den dreimaligen Weltmeister wieder zwei Spiele am Stück verloren. Die passendste Erklärung lieferte ausgerechnet Norwegen-Coach Egil Olsen: „Wir hatten es einfach, weil der Gegner nur halb motiviert war.“ Ein durch Lustlosigkeit hervorgerufenes Testspiel-Trauma wollte Löw aber nicht erkennen: „Das würde ich nicht sagen. Das Bemühen war vorhanden.“ Bei dem Bemühen blieb es. Siegeswille und Spielfreude sehen anders aus.

Mit höherer Effizienz durch mehr Trainingseinheiten, noch klareren Ansagen und kritischen Einzelgesprächen will Löw sein Team nun wieder auf Kurs bringen. Hoffnung dürfte ihm machen, dass sein Team bislang tatsächlich besser funktionierte, wenn es auf eine starke Leistung wirklich ankam - wie in der WM-Qualifikation gegen Russland (2:1). Bis zum vermuteten Showdown im Oktober in Moskau stehen jedoch noch sieben Spiele gegen Gegner vom Kaliber Norwegens an.

Die Diskrepanz von Düsseldorf zwischen der vorab mit Flip-Chart- Analysen und Datenbank-Details versprochenen Fußball-Moderne und der Einfallslosigkeit auf dem frisch verlegten Rasen war aber offenbar auch für Löw zu augenscheinlich, um einfach so über eine lästige Testspiel-Niederlage hinweggehen zu können. „Heute haben wir als Mannschaft nicht gut gespielt“, lautete Löws Antwort, als er um eine Einschätzung der Leistung von Ex-Kritiker Frings gebeten wurde.

Dem Bremer kam bei der ungenügenden Leistung in seinem 79. Länderspiel zu Gute, dass die Teamkollegen auch nicht viel besser waren. Fast schon Mitleid konnte man mit den zuvor hochgelobten Neulingen Andreas Beck („Natürlich überwiegt die Enttäuschung“), der am Gegentor durch Christian Grindheim (63.) mitschuldig war, und Mesut Özil („Wir sind natürlich sehr enttäuscht“) haben. Wie Schuljungen, die gerade erfahren haben, dass der Klassenausflug gestrichen ist, saßen die Löw-Neulinge Nummer 23 und 24 nach dem Spiel auf dem Presse-Podium. Ausgerechnet von den Debütanten Antworten für die kollektive Fehlleistung zu erwarten, war jedoch vermessen.

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