Löw startet „voller Optimismus“ ins neue Jahr

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Deutsche Presse-Agentur

Auch ohne Turnier-Höhepunkt im Sommer geht Joachim Löw mit großen Hoffnungen und Erwartungen ins Jahr 2009. „Absolute Priorität“ genießt für den Bundestrainer neben der weiteren Heranführung von Talenten die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010.

„Die WM ist die nächste Etappe, die wir erreichen müssen“, sagte Löw zum Jahreswechsel im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Erst wenn das WM-Ticket gelöst ist, will der 48-Jährige sich Gedanken über seine persönliche Zukunft machen und mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) über eine mögliche Verlängerung seines im Sommer 2010 auslaufenden Vertrages reden. „Vorher bedarf es keiner Gespräche.“

Die Querelen um Kapitän Michael Ballack und den ebenfalls 32 Jahre alten Routinier Torsten Frings sollen die DFB-Auswahl auf dem noch langen und schwierigen Weg zur Endrunde in Südafrika nicht belasten, sondern sogar antreiben. „Die Lehren sind für alle gezogen. Wir gehen gestärkt und voller Optimismus ins neue Jahr. Wir wissen, welche Dinge wir angehen wollen und werden diese mit aller Kraft und Energie vorantreiben“, erklärte der Bundestrainer. Auch Teammanager Oliver Bierhoff hatte gefordert, in Zukunft wieder als verschworene Einheit aufzutreten. „Wichtig ist, dass man in 2009 auch wieder die volle Konzentration auf den Erfolg bringt.“ In sportlichen Fragen sei Löw dabei der uneingeschränkte Chef, betonte der Manager: „Gewisse Entscheidungen des Trainers haben nicht diskutiert zu werden.“

Nach dem dritten Platz bei der WM 2006 und der EM-Finalteilnahme 2008 fordert Löw im laufenden Zwei-Jahres-Zyklus bis zur WM 2010 Steigerungen in vielen Bereichen. „Wir wollen uns spielerisch weiter verbessern. Im taktischen Bereich, Verfeinerung der Spielkultur, das Thema Geschwindigkeit, das spielt die wichtigste Rolle. Kombinationsformen in hohem Tempo, um den Gegner unorganisiert zu erwischen, bringen international Erfolg“, zählte er auf und mahnte: „Wir sind noch nicht am Optimum. Wir müssen weiter an uns arbeiten.“

Nach 16 Länderspielen in 2008 stehen in diesem Jahr lediglich 12 Partien im Terminkalender. Höhepunkt dürfte die Begegnung am 10. Oktober in Moskau gegen Russland sein. Bierhoff glaubt, dass es „das im Kampf um den Gruppensieg wohl entscheidende Duell sein wird“. Nur der Gruppenerste löst direkt das Ticket nach Südafrika. Löw möchte sich die „Stresssituation“ zweier Relegationsspiele, wie sie die DFB- Auswahl unter Teamchef Rudi Völler gegen die Ukraine vor der WM 2002 erlebt hatte, unbedingt vermeiden.

Eröffnet wird das Länderspiel-Jahr 2009 am 11. Februar mit einem Freundschaftsspiel in Düsseldorf gegen Norwegen. Nach Saisonende der Bundesliga steht eine zehntägige Asienreise (25. Mai bis 3. Juni) mit zwei Spielen in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Programm. „Solche Reisen am Saisonende sind für die Spieler oft schwierig, aber tolle Erfahrungen und für den Zusammenhalt der Mannschaft wichtig“, bemerkte Bierhoff. Löw kündigte für den Fernost- Trip schon jetzt personelle Experimente an, zumal die Akteure fehlen werden, die das DFB-Pokalfinale (30. Mai) in Berlin bestreiten: „Da können sich junge Spieler nochmal in den Vordergrund spielen.“

Löw hat bereits mehrere Kandidaten benannt, die 2009 in der deutschen Elite-Auswahl debütieren oder sich noch mehr etablieren könnten. Neben den schon eingesetzten Marko Marin (Mönchengladbach), Stefan Kießling (Leverkusen) und Marvin Compper (Hoffenheim) sind die Hoffenheimer Tobias Weis, Andreas Beck und Matthias Jaissle, der Bremer Mesut Özil, der Stuttgarter Sami Khedira oder auch der Schalker Benedikt Höwedes besonders ins Blickfeld geraten. Diese Akteure werde man 2009 noch stärker beobachten, sagte Löw.

Dass die Nationalelf durch die EM-Final-Niederlage gegen Spanien (0:1) die Teilnahme am Confederations Cup verpasst hat und damit im Gegensatz zu den Spaniern sowie Weltmeister Italien oder Südamerika- Champion Brasilien beim WM-Testlauf vom 14. bis 28. Juni in Südafrika nicht dabei ist, betrachtet Löw „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Der Confed-Cup biete einerseits die Gelegenheit, „die Gegebenheiten im Land“ kennenzulernen. „Auf der anderen Seite habe ich gespürt, dass einige Spieler nach drei Turnieren seit dem Sommer 2005 wenig Urlaub und wenig Vorbereitung hatten. Sie waren anfälliger für Verletzungen. Es ist mir daher schon recht, dass viele Spieler in diesem Jahr eine lange Vorbereitungszeit vor Saisonbeginn haben. Denn damit können sie eine gute Basis legen.“ Abgerechnet wird schließlich erst 2010, wenn es um den goldenen WM-Pokal geht.

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