Löw setzt knallharten Konkurrenzkampf fort

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Deutsche Presse-Agentur

Geburtstagskind Joachim Löw will keine Geschenke mehr verteilen und hat kurz vor dem Start ins Länderspiel-Jahr eine Fortsetzung des knallharten Konkurrenzkampfes angekündigt. „

Ich brauche Wahlmöglichkeiten, die muss ich mir schaffen“, sagte der Fußball-Bundestrainer wenige Tage vor der Nominierung des Kaders für die Partie gegen Norwegen am 5. Februar in einem Interview mit dem „kicker“. Auch die gezähmten Kritiker Michael Ballack und Torsten Frings müssen sich 2009 in der Nationalmannschaft ständig neu beweisen. „Ich wehre mich zu sagen, wir haben elf Stammspieler, die anderen sind Ergänzungsspieler“, sagte Löw, der am 3. Februar seinen 49. Geburtstag feiert.

Mit Spannung wird die Benennung des Kaders für das Norwegen-Spiel am 11. Februar in Düsseldorf erwartet, bei der auch prominente Namen wie Lukas Podolski fehlen könnten. Vor der für alle Mannschaftsteile richtungsweisenden Entscheidung kritisierte Löw eine nach seiner Meinung hierzulande herrschende Wehleidigkeit. „In Deutschland ist noch immer verankert, dass ein Spieler meint, nur weil er einmal nicht eingesetzt wurde, besitze er nicht mehr das Vertrauen des Trainers“, sagte Löw. „Konkurrenzkampf heißt aber nicht“, dass man in Spieler kein Vertrauen hat“, erklärte er seinen Kurs.

Er brauche ein Minimum von „20 Stammspielern“, sagte Löw, der zudem erneut einräumte, dass der Disput mit Ballack und Frings im Herbst 2008 „einige Kratzer“ hinterlassen habe. „Wir haben einiges erreicht, aber auch einiges falsch gemacht“, räumte der Chefcoach ein. Diese Fehler auf dem Weg zur angestrebten Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika zu vermeiden, ist das erklärte Ziel von Löw - und die harte Hand werden wohl manche Akteure zu spüren bekommen.

Klare Worte fand Löw schon für den vor der EM ausgemusterten Torwart Timo Hildebrand. Dessen Kritik müsse er „zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht bewerten, denn im Moment ist Timo Hildebrand für uns kein Thema“, sagte Löw. Der neue Hoffenheim-Schlussmann müsse sich „erst einmal sportlich beweisen.“ Die Torwart-Frage ist dennoch ein Knackpunkt für das Norwegen-Spiel, denn Löw will nur zwei Keeper berufen. Da René Adler gesetzt scheint, muss für den potenziellen Rückkehrer Robert Enke wohl Bremens Tim Wiese wieder weichen, der im November gegen England (1:2) sein Debüt gefeiert hatte.

Dessen Bremer Teamkollege Mesut Özil - der auch noch mit einer Nationalmannschafts-Karriere für die Türkei liebäugelt - ist für Löw ein talentierte Spieler, kann aber nicht aus „politischen Gründen“ mit einer erstmaligen Nominierung für das Norwegen-Duell rechnen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er seine sportliche Chance in der deutschen Nationalmannschaft suchen wird“, sagte Löw - und legte unmissverständlich fest: „Eines aber werden wir nicht tun: Einen Spieler einladen und auflaufen lassen, nur damit er danach nicht mehr für ein anderes Land spielen kann. Das wäre das falsche Zeichen.“

Der Bundestrainer bewertete die Personalsituation im deutschen Fußball grundsätzlich besser als noch vor der EM 2004 oder der WM 2006 und nannte explizit die Namen von Serdar Tasci, Sami Khedira, Marko Marin und Patrick Helmes als Hoffnungsträger. Der Leverkusener Helmes drängt energisch ins Team und könnte schon gegen Norwegen den Vorzug vor Lukas Podolski erhalten, der bei seinem Noch-Arbeitgeber Bayern München an der Fitness arbeitet.

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