Löw mit hoher Tor-Vorgabe gegen Liechtenstein

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Deutsche Presse-Agentur

Die Vorgabe ist klar: 9:1, 8:2 und 6:0 lauteten die bisherigen Schützenfeste gegen den Fußball-Zwerg Liechtenstein - und die deutschen Fans wollen in Leipzig die nächste Tor-Gala sehen.

Auch Joachim Löw zeigte sich nach einer intensiven Vorbereitung zuversichtlich: „Wenn die Mannschaft die Eindrücke aus dem Training umsetzt, habe ich ein gutes Gefühl“, sagte der Bundestrainer vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel 2009. Die Last des Toreschießens im DFB-Team liegt ohne den verletzten WM- Torschützenkönig Miroslav Klose in erster Linie auf den Schultern von Lukas Podolski und Mario Gomez, der am Freitag aber nicht über die Höhe des Sieges spekulieren mochte: „Wir sollten nicht über eine Zahl reden“, sagte der Stuttgarter, der persönlich ein Ende seiner einjährigen Torflaute im Nationaltrikot herbeisehnt.

Tore, Tempo, Tricks heißt nach den jüngsten Heimpleiten gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) die klare Ansage von Löw an das Team um Michael Ballack. Der Kapitän versprach „Wiedergutmachung“ im Kampf um Punkte, einen Erfolg mit Hängen und Würgen würden die Zuschauer im ausverkauften Zentralstadion kaum mehr verzeihen. „Wir wollen kein Zitterspiel. Wir müssen dieses Spiel beherrschen und dominieren“, betonte Gomez. Löw leidet mit seinem Torlos-Stürmer, der im Verein am Fließband trifft: „Es tut einem als Trainer weh, wenn ein Stürmer so viele Chancen hat und sich bemüht. Man wünscht ihm Tore.“

Der Bundestrainer hat das Team intensiv auf die Pflichtaufgabe gegen die zweitklassigen Kicker aus dem Fürstentum eingeschworen. Dabei ist das Heimspiel mehr ein „Warm up“ für die anschließende Prüfung in Wales. „Die Spieler wissen um die Wichtigkeit der beiden Spiele“, betonte Löw. Im Duell mit Russland um das einzige Direkt- Ticket zur WM-Endrunde 2010 in Südafrika soll die Tabellenführung in der Gruppe 4 unbedingt verteidigt werden.

Nicht nur Löw geht davon aus, dass die Russen im Heimspiel gegen das von Berti Vogts betreute Aserbaidschan und danach auswärts in Liechtenstein ebenfalls zwei Siege einfahren werden. Man dürfe sich darum keine Blöße geben, wie Ballack mahnte: „Wir müssen siegen, um auf Kurs zu bleiben. Irgendwann kommen dann die Spiele, in denen es um alles geht. Darauf müssen wir hinarbeiten.“

In Abwesenheit der erfahrenen Miroslav Klose, Torsten Frings und Arne Friedrich, die alle verletzt ausfallen, muss Ballack das junge DFB-Team fast alleine führen. „Ich bin hier, um Verantwortung zu übernehmen, um Leistung zu bringen, um voran zu gehen“, bekräftigte der 32-Jährige vor seinem 91. Länderspiel. „Es ist wichtig, dass wir nach den letzten Niederlagen eine Reaktion zeigen. Und die wird auch kommen“, versprach der Kapitän.

Ballack soll aus dem Zentrum heraus das Spiel lenken und seine Nebenleute dirigieren. Angeschlagen ist der Leverkusener Stefan Kießling (Knie-Beschwerden), der aber ohnehin nur Reservist ist. Dafür ist der Bremer Innenverteidiger Per Mertesacker nach einer Prellung am Fuß wieder „voll einsatzbereit“, wie Löws Assistent Andreas Köpke vermeldete. Bis zur zweiten WM-Qualifikations-Partie in Cardiff gegen Wales dürfte auch Mittelfeldspieler Piotr Trochowski seine Knie-Blessur vollständig auskuriert haben: „Bei ihm sieht es sehr gut aus“, sagte Köpke.

In der aufgeregten Diskussion um die künftige Nummer 1 im deutschen Tor musste der Bundestorwarttrainer am Freitag sogar eine Frage zum fast 40-jährigen Jens Lehmann beantworten. Mögliche Comeback-Ambitionen des nach der EM abgetretenen Keepers des VfB Stuttgart schloss Köpke kategorisch aus: „Fakt ist, wir machen uns in dieser Richtung keine Gedanken und werden uns darüber keine Gedanken machen.“ Intensiver mussten sich Löw und Köpke dagegen in einem Gespräch mit Tim Wiese auseinandersetzen. Der Bremer hatte laut Köpke „sehr enttäuscht“ reagiert, weil nach dem verletzungsbedingten Ausfall von René Adler nicht er, sondern der Hannoveraner Robert Enke gegen Liechtenstein und Wales das Tor hüten darf.

Enke will nach halbjähriger Länderspiel-Pause wegen einer Hand- Verletzung seine Chance nutzen: „Wieder zu spielen, ist eine Bestätigung für mich“, sagte er und scherzte: „Ich bin der einzige Torhüter in der DFB-Historie, der zu Null gespielt hat gegen Liechtenstein. Insofern bin ich der richtige Mann für das Spiel.“

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Enke (Hannover 96/31 Jahre/4 Länderspiele) - Hinkel (Celtic Glasgow/27/19), Mertesacker (Werder Bremen/24/53) Tasci (VfB Stuttgart/21/5), Lahm (Bayern München/25/53) - Schweinsteiger (Bayern München/24/63), Ballack (FC Chelsea/32/90), Hitzlsperger (VfB Stuttgart/26/43), Marin (Bor. Mönchengladbach/19/5) - Gomez (VfB Stuttgart/23/21), Podolski (Bayern München/23/60)

Liechtenstein: Jehle (FC Tours/27/70) - Vogt (FC Balzers/23/16), Martin Stocklasa (SV Ried/29/80), Michael Stocklasa (USV Eschen/Mauren/28/54), Oehri (FC St. Gallen/22/11) - Ritzberger (FC Vaduz/22/20), Ronny Büchel (USV Eschen/Mauren/27/60), Gerster (USV Eschen/Mauren/26/36), Rohrer (USV Eschen/Mauren/23/37) - Frick (AC Siena/34/84), Thomas Beck (FC Hard/28/66)

Schiedsrichter: Igor Istschenko (Ukraine)

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