Löw-Assistent Sorg hält Arbeitspensum auch am Fan-Tag hoch

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Marcus Sorg
Co-Trainer Marcus Sorg ersetzt den erkrankten Joachim Löw. (Foto: Marius Becker / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Klaus Bergmann und Jens Mende

Marcus Sorg fährt das Arbeitspensum seiner Spieler weiter hoch.

Vor dem großen Fan-Event der Fußball-Nationalmannschaft mit 30.000 Zuschauern am Aachener Tivoli trieb der Aushilfschef für den aus gesundheitlichen Gründen fehlenden Bundestrainer Joachim Löw die Vorbereitung auf das EM-Qualifikationsspiel in Weißrussland erst einmal im Trainingscamp im niederländischen Venlo weiter voran.

Im Stadion De Koel schwitzten am Mittwochvormittag einige Akteure individuell im Fitnessraum. Das Leipziger Duo Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg fuhr mit dem Mountainbike vor. Der Münchner Serge Gnabry und Kölns Rückkehrer Jonas Hector ließen sich in Klein-Bussen vom Teamquartier zur nahe gelegenen Trainingsstätte chauffieren.

„Es ist wichtig, dass man die Spieler schnell wieder in die Spur bekommt“, erläuterte Sorg. Bereits am Vortag hatte er mit zwei Einheiten Reize gesetzt. Sorg muss die Spieler in kurzer Zeit noch einmal auf Betriebstemperatur bringen. Für etliche der 22 Akteure im Kader wird das letzte Wettkampfspiel beim Anpfiff am Samstag (20.45 Uhr) in Borissow schon drei Wochen zurückliegen.

„Die Spieler sind nicht in dem Rhythmus wie mitten in der Saison“, weiß Sorg. Darum verlangt er höchste Professionalität. „Nach einer langen, kräftezehrenden Saison müssen sich die Spieler wieder konzentrieren.“ Neben der Arbeit auf dem Trainingsplatz standen Gruppen- und Teamsitzungen an. Hinzu kamen Werbeaktivitäten. Auch Trikots wurden signiert.

Mit dem Training vor großem Publikum in Aachen soll am späten Mittwochnachmittag wieder mehr Fan-Nähe demonstriert werden. „Ein Training vor 30.000 ist schon etwas Besonderes“, sagte Kapitän Neuer.

An Taktik und Spielkonzept feilt das Trainerteam um Sorg aber vor allem in den geheimen Übungseinheiten in Venlo. Löws Assistent muss herausfiltern, welche Akteure sich noch einmal körperlich und mental in eine Topverfassung bringen können. Denn das erklärte Ziel ist es, vor dem Sommerurlaub den Schwung des guten Quali-Starts mit dem 3:2 gegen den Hauptkonkurrenten Niederlande in die Spiele in Weißrussland und am kommenden Dienstag gegen Estland in Mainz mitzunehmen. „Wir versuchen, die Mannschaft weiter voranzutreiben“, sagte Sorg.

Er muss bis zur Abreise nach Minsk am Freitag wichtige Informationen sammeln. Die Erkenntnisse übermittelt Sorg an Löw, der auch in Abwesenheit „das letzte Wort“ gerade bei der Aufstellung habe. Wer ersetzt gegen die Weißrussen den verletzten Antonio Rüdiger im Abwehrzentrum? Matthias Ginter scheint die erste Option für den Platz neben dem gesetzten Niklas Süle zu sein. Wer verteidigt außen? Und wer stürmt vorne gemeinsam mit den Turboangreifern Leroy Sané und Serge Gnabry? Hier geht die Tendenz zum Dortmunder Marco Reus.

Die zentrale Frage aber lautet: Wer übernimmt die Schlüsselrolle von Toni Kroos im zentralen Mittelfeld? Der 92-malige Nationalspieler von Real Madrid fehlt wegen muskulärer Probleme zum Saisonabschluss. Die Erfahrung spricht für den 28-jährigen Ilkay Gündogan. Beim Gewinn des Confed Cups 2017 in Russland konnte sich aber auch Julian Draxler als Kapitän und Mittelfeldchef des damaligen jungen DFB-Teams empfehlen.

In der Zentrale vor der Abwehr gesetzt ist seit dem WM-Desaster vor einem Jahr der Münchner Joshua Kimmich. Gündogan und Bayern-Profi Leon Goretzka könnten mit ihm das Mittelfeld-Trio bilden. Der junge Leverkusener Kai Havertz, der am Tag des Estland-Spiels 20 Jahre alt wird, verkörpert die verheißungsvollste Zukunftsvariante.

Womöglich beginnt die Zukunft schon in der Gegenwart. Denn es geht darum, in der Qualifikation die Weichen für die EM-Endrunde 2020 zu stellen, bei der die deutsche Elf mindestens zwei Gruppenspiele in München bestreiten würde. „Das Ziel ist, Konkurrenzfähigkeit bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr herzustellen“, betonte Sorg.

Den Entwicklungsprozess einer neuen, nach dem WM-Desaster 2018 wieder titelfähigen Spielergeneration hat Löw mit der radikalen Ausmusterung der 2014-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller, Jérôme Boateng und auch Sami Khedira aktiv vorangetrieben. Das Risiko, voll auf die junge Generation um Kimmich, Süle, Goretzka, Gnabry, Sané, Werner oder Brandt zu setzen, soll sich für Löw und Sorg auszahlen.

„Wir haben einen guten, neuen Zuwachs. Wir haben viele Talente, die schon auf erstklassigem Niveau gespielt haben, auch international“, sagte Neuer. Der Kapitän treibt die Jungen an, um schon bei der EM 2020 mit der DFB-Auswahl wieder oben „angreifen“ zu können: „Wir hoffen, dass wir eine schnelle Entwicklung nehmen als Mannschaft.“

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