Länderspiel Brasilien gegen Italien mit Zündstoff

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Deutsche Presse-Agentur

So viel Zündstoff birgt ein Fußball-Freundschaftsspiel selten: Beim 13. Duell zwischen Brasilien und Italien geht es im Emirates Stadium in London um viel mehr als um sportliche Ehre.

Die Begegnung wird nämlich von einer Affäre zwischen den Regierungen beider Länder überschattet. Brasiliens Coach Dunga muss derweil weiter um seinen Posten zittern. Seine Zukunft hängt wohl auch stark vom Ausgang des direkten „Bruder- Duells“ zwischen den Bayern-München-Profis Luca Toni und Lúcio ab.

Dass es in London um sehr viel geht, verrät Lúcio unumwunden: „Es wird nicht leicht, Luca zu decken. Ich will ihm nichts Böses antun, aber ich werde ihn auch nicht mit Samthandschuhen anfassen“, sagte der eisenharte Verteidiger zum pikanten Duell am Montag gegenüber italienischen Medien. Lúcio will Toni „knebeln“ und sich auch empfehlen, denn vor allem in Brasilien macht er nie einen Hehl daraus, dass er gern noch nach Italien oder Spanien wechseln würde.

Ein kampfbetontes Spiel erwartet auch Dunga. „Zu meiner Zeit war die Rivalität unter den Spielern auch außerhalb des Spielfeldes zu spüren. Die Globalisierung hat das beendet, aber auf dem Rasen geht es weiter zur Sache“, so der Ex-Stuttgarter. Der Druck ist immens für ihn. Ex-Weltmeister Tostao, Arzt und einflussreicher Kommentator, fordert sogar: „Einfach gewinnen ist nicht genug. Wir Brasilianer haben das Recht und die Pflicht, von einem großen Team zu träumen“.

Dungas Amtskollege Marcello Lippi, der in seiner Karriere nie auf Brasilianer traf, offenbart, er werde beim Spiel „große Emotionen“ erleben. Emotionen hat der Knüller bereits auf höchster politischer Ebene geweckt. Weil Brasilien den in Italien verurteilten früheren Terroristen Cesare Battisti nicht ausliefern will, forderten Politiker in Italien sogar die Absage der Partie. Der Streitereien hinter den Kulissen damit nicht genug: Brasilien und Italien liefern sich zur Zeit ein heftiges Tauziehen um Amauri, den in Brasilien geborene Goalgetter von Juventus, der bald beide Pässe haben wird.

Die mentalitätsbedingten Spielunterschiede von Rekord-Weltmeister Brasilien und dem viermaligen Champion Italien haben sich in den vergangenen Jahren verwässert. Im Brasil-Kader für das London-Spiel sind nicht weniger als zehn Italien-„Legionäre“. Von den in Europa spielenden Weltstars fehlt bei Brasilien nur der verletzte Kaká, sogar der in England der Vergewaltigung bezichtigte Robinho von Manchester City ist mit von der Partie. Aus der Bundesliga ist neben Lucio nur der wolfsburger Josué dabei.

Medien in Rio und Sao Paulo klagen, dass die „Seleção“ immer europäischer agiere und drängen darauf, dass seit Jahren formschwache Weltstars wie Ronaldinho oder Adriano nicht mehr berücksichtigt werden. Sowohl Dunga als auch Lippi wollen aber keine Experimente wagen. Geht es bei Dunga nahezu um „Alles oder Nichts“, strebt Lippi eine Bestmarke an: Seit 31 Spielen ist er als Coach der „squadra azzurra“ unbesiegt.

In den zwölf Begegnungen der beiden Fußball-Supermächte gab es bisher jeweils fünf Siege für jede Mannschaft und zwei Unentschieden. Das erste Duell war bei der WM 1938 in Frankreich, Italien setzte sich im Halbfinale mit 2:1 durch. Beim letzten Aufeinandertreffen, vor knapp zwölf Jahren endete 3:3. „Wir müssen gewinnen, weil wir uns sonst in Italien viel werden anhören müssen“, fürchtet der brasilianische Inter-Mailand-Tormann Julio César.

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