Kritik an BDR-Spitze auch von Bartko

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die Front der Nein-Sager wird breiter. Jetzt stellte sich auch Doppel-Olympiasieger Robert Bartko gegen Verbands-Chef Rudolf Scharping und dessen Team, das sich am 21. März in Leipzig zur Wiederwahl stellt.

Ginge es nach den Aktiven und Sportpolitikern, hätte die Führungsriege des Verteidigungs-Ministers a. D. bei der Präsidiumswahl des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) sicher nur geringe Chancen. Der heftigen Kritik am Status Quo durch die Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz, Ex-Weltmeister und Trainer Mike Kluge und der vierfachen Cross-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel schloss sich auch Bartko an, der besonders den Sportdirektor Burkhard Bremer attackierte. Der Berliner Funktionär („Ich habe meine Stellungnahme dem Präsidium zugeleitet“) sprach von einer „Schlammschlacht“.

„Die Außendarstellung des Radsports hat erheblich gelitten, durch die bekannten Doping-Probleme und wie mit ihnen durch den BDR umgegangen wird“, sagte Bartko und „schoss“ sich dabei besonders auf Bremer, bis zum Renteneintritt beim BDR in Amt und Würden, ein. „Es geht gar nicht so sehr um die Personalie Scharping. Es ist vielmehr Bremer, von dem sich Scharping ein bisschen abhängig gemacht hat, nachdem er dessen Vertrag vor Beginn der Spiele in Peking verlängerte. Dafür ist Scharping 100 Prozent verantwortlich. Bei Bremer zählt nicht das Leistungs-Prinzip sondern er führt persönliche Feldzüge. Kommunikation findet nicht statt. Die meisten Topathleten des BDR haben mit ihm Schwierigkeiten“, sagte Bartko der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Niedergang des Bahnradsports - zum ersten Mal seit 1952 fehlte in Peking ein Bahnvierer - geht laut Bartko auf die Kappe Bremers. Auf diese Vorwürfe reagierte Bremer am Sonntag in einer BDR- Mitteilung: „Es ist sehr erstaunlich, dass ausgerechnet Robert Bartko, der dafür mitverantwortlich ist, dass der BDR die Olympia-Qualifikation in der Einzelverfolgung verpasste, sich in dieser Form äußert.“

Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, hatte im Dezember 2008 Feststellungsklage gegen Bremer erhoben. Der Tübinger Abgeordnete will feststellen lassen, dass er „die Maßnahmen des BDR im Kampf gegen Doping“ auch weiterhin als „unzureichend“ anprangern darf. Zuvor hatte Hermann von Bremer eine Unterlassungserklärung erhalten, die sich der Politiker weigerte, zu unterschreiben. Am 15. November hatte Hermann in der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, Scharping habe vor dem Bundestags- Sportausschuss verschwiegen, „dass im BDR in vielen Bereichen noch mit dem alten Personal gearbeitet wird: mit dem Sportdirektor Bremer, der schon in den heißen Zeiten des Dopings in dieser Position war“.

Scharping stellte sich vor Bremer. „Er hat Ecken und Kanten, er hat Verdienste“, sagte der BDR-Präsident in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“. Scharping könnte sich bei seiner Wiederwahl eine Art „Aufpasser“ für den umstrittenen Bremer vorstellen: „Ich habe vorgeschlagen, dass ein stimmberechtigter Vizepräsident Leistungssport dem Präsidium angehört, der gemeinsam mit dem Sportdirektor den Leistungssport koordiniert, unterstützt von den Cheftrainern.“

Sabine Spitz hatte sich gegen eine Wiederwahl Scharpings gestellt. „Ich würde ihn nicht wählen, und ich kenne wenig Scharping-Fans, hatte die 37-Jährige auf der Homepage der Illustrierten „Bunte“ erklärt. Scharping habe zu wenig Kontakt zu den Sportlern und sei inkonsequent im Anti-Doping-Kampf. Eine Einladung des Verbandes für den zwei Jahre gesperrten Stefan Schumacher zur 125-Jahr-Feier war erst in der vergangenen Woche zurückgezogen worden. „Scharping hat zu verantworten, dass Dopingsünder Erik Zabel für die WM nominiert wurde, damit hat er sich unglaubwürdig gemacht“, sagte Spitz. „Und als wir kritisierten, dass seine Anti-Doping-Politik zu unklar ist, hat er nicht mit uns sauberen Athleten geredet, sondern war beleidigt.“

Beim Berliner Rad-Profi Jens Voigt genießt Scharping, der sich in Leipzig dem Gegenkandidaten Dieter Berkmann stellen muss, hingegen Vertrauen: „Er führt sein Amt gut aus. Ich kenne niemanden, der eine so klare Meinung gegen Doping vertritt wie Rudolf Scharping“. Voigts Kollegen Fabian Wegmann lässt der Wahlkampf eher kalt. „Mit dem BDR haben wir ja direkt eher wenig zu tun, meistens nur bei einer WM oder Olympischen Spielen. Unterwegs in Italien habe ich mitgekriegt, wie es im 'Wahlkampf' zugeht. Ich glaube, der Radsport in Deutschland hat andere Probleme, als Funktionäre, die gegenseitig versuchen, sich abzuschießen“, sagte der deutsche Straßenmeister der dpa.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen