Kraushaar-Pielach kehrt an Siegstätte zurück

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Deutsche Presse-Agentur

Erstmals seit weit mehr als einem Jahrzehnt ist Silke Kraushaar-Pielach nur noch Zaungast im Rodel- Zirkus, an der Stätte ihres letzten Sieges will die 38-Jährige aber noch einmal WM-Luft schnuppern.

„In Lake Placid bin ich immer gerne gefahren, weil es eine sehr anspruchsvolle Bahn ist“, sagte die Olympiasiegerin vor ihrer Abreise zu den Weltmeisterschaften an diesem Wochenende in den USA. Knapp ein Jahr nach ihrem tränenreichen Abschied von der Szene kommt bei der Sonnebergerin aber keine Wehmut auf. „Ich vermisse nichts. Auch an der Bahn habe ich null Kribbeln. Es ist einfach schön, ohne dieses ständige Adrenalin zu leben.“

„Ich habe alles erreicht, was man in diesem Sport erreichen kann“, meinte die Thüringerin rundum zufrieden beim Rückblick auf ihre Karriere. Anders als ihre jungen Nachfolgerinnen Tatjana Hüfner und Natalie Geisenberger war Kraushaar-Pielach eine Spätstarterin: erst mit 26 Jahren gab sie 1997 ihr WM-Debüt. Es folgte eine Bilderbuch- Karriere. 1998 gewann die Oberhoferin im japanischen Nagano Olympia- Gold - dank des Vorsprungs von zwei Tausendstelsekunden oder umgerechnet 4,6874 Zentimetern vor Barbara Niedernhuber. 2004 wurde Kraushaar-Pielach Weltmeisterin - und in Lake Placid schaffte sie im November 2007 ihren 36. Weltcup-Sieg, durch den sie bis auf einen einzigen Erfolg an Rekordhalterin Sylke Otto heranfuhr.

„Am Ende habe ich es auch körperlich gemerkt, es hat immer häufiger hier und da gezwickt“, sagte Kraushaar-Pielach. Nach ihrem Rücktritt im vergangenen Winter hat sie Abstand gewonnen. „Ich habe gar keinen Sport gemacht.“ Selbst der Rennschlitten blieb unberührt. „Es ist ja zu gefährlich, einfach aus Gaudi herunterzufahren.“

Ein ruhiges Leben nach dem Abschied vom Rodel-Stress konnte die 38-Jährige bisher aber nicht führen. „Ich bin noch gar nicht zur Ruhe gekommen. Ich hatte ein turbulenteres Jahr als in all den Jahren zuvor“, erzählt die Thüringerin. Ihre Ausbildung zur Fachwirtin für Sport und Fitness schloss sie im Dezember mit Bravour ab, zur Belohnung ging es mit Ehemann Michael nach New York. „Christmas- Shopping in New York habe ich mir schon immer gewünscht.“

Seit einigen Monaten ist Kraushaar-Pielach auch als Sportwartin Rennrodeln im deutschen Verband aktiv. „Ich bin jetzt Funktionärin“, sagte sie lachend. „Silke soll das Bindeglied zwischen Trainern und Athleten bilden“, erklärte Thomas Schwab, Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). „Da unser Trainerstab ohnehin überwiegend aus Männern besteht, übernimmt sie speziell für die Frauen in unserem Team einen besonderen Vertrauenspart.“

Kraushaar-Pielachs berufliche Zukunft liegt in den Sternen, noch ist der Selbstfindungsprozess im neuen Leben nicht beendet. Nur eines ist klar: Mutter will sie bald werden. „Ich kann die Frage nach dem Baby zwar schon nicht mehr hören, aber das ist schon einer meiner größten Wünsche.“

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