Kovac-Zukunft nach Debakel in Frankfurt offen

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Eintracht Frankfurt - FC Bayern München
David Abraham (l) sorgte mit seinem Tor zum 3:1 für die Vorentscheidung beim Sieg über die Bayern. (Foto: Hasan Bratic/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Patrick Reichardt und Andreas Schirmer

In seiner wohl schwersten Stunde als Trainer des FC Bayern bekam Niko Kovac keinerlei Rückendeckung.

Die mächtigen und wortgewaltigen Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge verließen das Frankfurter Stadion nach dem 1:5 (1:2) genauso wortlos wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Für den ohnehin schon schwer in der Kritik stehenden Coach verschärfte sich die Lage mit einer Blamage an alter Erfolgsstätte noch einmal dramatisch. „Ich bin nicht blauäugig. Ich habe im letzten Jahr nicht aufgegeben und werde auch jetzt nicht aufgeben“, sagte Kovac zu seiner Zukunft, die vor der kommenden Englischen Woche ungewisser denn je wirkt.

Das Gastspiel bei der dynamischen Eintracht wurde für die Münchner zu einem einzigen Fiasko. Nach der frühen Roten Karte für Jérôme Boateng (10. Minute) fehlten Biss, Kampf und Entschlossenheit. Tatsächlich waren die Bayern mit der höchsten Bundesliga-Niederlage seit über zehn Jahren noch gut bedient, Kapitän Manuel Neuer hatte in der zweiten Halbzeit mit seinen Paraden noch Schlimmeres verhindert. „Die nächsten Tage werden sehr unruhig“, sagte der Torhüter voraus.

Vor dem Champions-League-Spiel gegen Piräus und der wegweisenden Liga-Partie gegen Rivale Borussia Dortmund, bei der Boateng nach Platzverweis gesperrt fehlen wird, fiel der Rekordmeister nicht nur vier Punkte hinter Tabellenführer Gladbach zurück, sondern wurde von den Rivalen aus Leipzig und Dortmund auch in der Tabelle überholt. Vor 51.500 Zuschauern hatten Filip Kostic (25.), Djibril Sow (33.), David Abraham (49.), Martin Hinteregger (61.) und Goncalo Paciencia (85.) den Bayern ein selten gesehenes Debakel beschert, das auch Kovac nicht schönredete. „Ich gehe enttäuscht und traurig in den Bus“, sagte der von der Pleite schwer gezeichnete Trainer.

Ob Kovac die bevorstehende Woche bestreiten darf, blieb an einem denkwürdigen Bundesliga-Samstag offen. „Das weiß ich nicht, das wissen Sie wahrscheinlich besser“, sagte der Kroate in einem ZDF-Interview. Sein Gefühl sei dafür nicht wichtig, fügte er bei Sky an: „Die, die das entscheiden, sind die, die gefragt werden müssen.“ Doch die sagten diesmal lieber gar nichts. Schon vor dem 1:5 war der Coach wegen einer unsouveränen Spielweise immer stärker in die Kritik geraten, in Frankfurt half auch das standesgemäße Tor von Robert Lewandowski (37.) nicht weiter.

Die Gefühlswelten hätten in der ausverkauften Eintracht-Arena nicht weiter auseinanderliegen können. Auf der einen Seite feierten die Frankfurter einen Fußball-Feiertag. „5:1 gewinnt man nicht jeden Tag, das ist nicht alltäglich“, sagte Trainer Adi Hütter, der vergangenen Sommer am Main auf Kovac folgte. Über seinen Kollegen, der sich im Gegensatz zu seinen Bossen und den bedienten Profis allen Mikrofonen stellte, sagte der Österreicher: „Ich habe Mitgefühl mit Niko Kovac. Er ist ein hervorragender Trainer.“

Die Gäste um die Jubilare Thomas Müller (500. Pflichtspiel für den FC Bayern) und 14-Saisontore-Lewandowski (300. Bundesliga-Spiel) wurden in Frankfurt hergespielt wie nur selten im nationalen Wettbewerb. „Einer geht noch, einer geht noch rein“, höhnten die Eintracht-Fans nach dem dritten Treffer lautstark. Den Lohn bekamen sie, als Hinteregger und Paciencia für den 5:1-Endstand sorgten. Einzig Nationaltorwart Neuer konnte verhindern, dass das Debakel der Bayern noch verheerender ausfiel.

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