Neues Konzept soll Fan-Rückkehr ermöglichen

Berliner Olympiastadion
Ein modulares Konzept soll die schrittweise und kontrollierte Rückkehr von Zuschauern auch im Sport ermöglichen. (Foto: Soeren Stache / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Eric Dobias

Ein branchenübergreifendes Konzept zur kontrollierten Rückkehr von Zuschauern weckt auch im Sport neue Hoffnungen auf baldige Lockerungen und ein Stück Normalität in der Corona-Krise.

„Einen Mutmacher können momentan alle gut gebrauchen. Keiner hat mehr Lust auf den Lockdown“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, der Deutschen Presse-Agentur nach der Vorstellung der Studie. „Wir wissen um die Brisanz einer Öffnung, halten sie aber für verantwortbar.“ Aus Sicht von Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, ist das Konzept „ein wichtiger Schritt“.

Der von 20 Experten und Wissenschaftlern in den vergangenen zwei Monaten erarbeitete Leitfaden unterteilt sich in drei Bereiche: Ein Basiskonzept mit einer Auslastung der Zuschauerkapazität bis zu 40 Prozent, ein Spezialkonzept mit einer Auslastung bis zu 80 Prozent und ein Testkonzept für eine hundertprozentige Vollauslastung. Dabei wird zwischen Indoor- und Outdoorveranstaltungen unterschieden.

„Irgendwann muss die Frage beantwortet werden, wie gehen wir die Schritte zurück. Wir wollen der Politik einen Weg zeigen, wie geht es zurück. Das steht für uns im Vordergrund“, sagte Hygiene-Experte und Mitautor Florian Kainzinger. „Das Wann ist eine Frage, die die Politik gerne mit uns diskutieren kann. Wir denken, dass der Einstieg bald möglich ist. Aber wichtiger ist das Wie.“ Kainzinger appellierte zugleich, über eine Lockerung nicht nur auf Grundlage der aktuellen Inzidenzzahlen zu entscheiden: „Die zentrale Frage dabei ist die Belastung des Gesundheitssystems.“

Die Initiative wird unter anderen von den großen Verbänden und Profiligen aus dem Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey unterstützt. „Das Virus wird uns noch auf Monate, Jahre, vielleicht sogar für immer begleiten. Umso wichtiger ist es, dass wir zukunftsgerichtete Konzepte zur Lösung entwerfen“, sagte Gernot Tripcke, Chef der Deutschen Eishockey-Liga. Für die DEL sei es „von essenzieller Bedeutung, dass wir bei der Zuschauerthematik zeitnah mit einer verantwortungsvollen Perspektive arbeiten können“.

Ähnlich ist es im Handball, wo die Einnahmen aus dem Ticketverkauf bis zu 30 Prozent des Saisonetats der Bundesligavereine ausmachen. „Für uns ist es wichtig, dass wir kommende Saison wieder mit Zuschauern planen können“, sagte Bohmann. „Wir sollten das aber schon in dieser Saison angehen.“ Er sähe eine Öffnung „lieber heute als morgen. Es geht nicht, uns noch über Monate hinweg einzuschließen.“ Auch die Basketball-Bundesliga will eine Rückkehr der Fans vor dem Sommer nicht ausschließen. „Wir haben die Hoffnung auf Zuschauer auch noch in dieser Saison nicht aufgeben“, sagte Holz. „Wir hoffen, dass dies ein Einstieg in eine differenziertere Diskussion ist.“

Der Profisport kann dabei für sich in Anspruch nehmen, viele Voraussetzungen bereits zu erfüllen. Die Eckpunkte des modularen Plans umfassen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht und ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken. „Die meisten dieser Maßnahmen sind bei uns bereits vorhanden bzw. weit entwickelt“, betonte Tripcke.

Nach Ansicht von Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, könne man bei einer konsequenten Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen auch den neueren Virus-Varianten Stand halten. „Mit guten Konzepten können diese Varianten zurückgedrängt werden. Das bereitet uns keine großen Bauchschmerzen“, sagte Zinn. HBL-Geschäftsführer Bohmann glaubt daher: „Das kann ein Aufbruchsignal für die Gesellschaft insgesamt sein.“

© dpa-infocom, dpa:210222-99-543240/4

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Am Montag geöffnet, am Freitag schon wieder zu: Die Kinder der Grundschule Achberg müssen nun wieder von Zuhause aus lernen – un

Südafrikanische Mutation: Ein Kind positiv getestet, 150 Achberger in Quarantäne

In Achberg droht sich die Infektionslage zuzuspitzen: Seit Samstag sind 150 Menschen in Quarantäne. Nachdem ein Schulkind an Corona erkrankt ist und zahlreiche Lehrkräfte als Kontaktpersonen gelten, musste die Schule am Freitag geschlossen werden (die LZ berichtete). Jetzt steht fest: Das Kind hat sich mit der südafrikanischen Mutation infiziert. Auch eine Lehrerin ist infiziert, ob auch hier eine Mutation vorliegt, steht noch nicht fest.

Der Fall ist relativ komplex.

Impftermin-Ampel: Jetzt freie Corona-Impftermine in Ihrer Region finden

Mehr holprig als reibungslos läuft seit einigen Wochen die Corona-Impfkampagne in ganz Deutschland. Vornehmlich alte oder pflegebedürftige Menschen werden in den meisten Bundesländern zuerst geimpft.

Doch selbst wer zur aktuellen Zielgruppe gehört, hat es gerade schwer, einen Termin zu bekommen. Regionale Impfzentren haben - wenn überhaupt - nur wenige freie Termine, die schnell vergeben sind. Daneben fällt es schwer zu verstehen, welche Alternativen zum Impfzentrum vor Ort es noch gibt.

Die Deutsch-Französische Grenze an der Goldenen Bremm in Saarbrücken verbindet Frankreich mit Deutschland vor allem auc

Corona-Newsblog: Einreiseregeln für französische Grenzregion Moselle werden verschärft

Die wichtigsten Nachrichten und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog mit Fokus auf Deutschland und Schwerpunkt auf den Südwesten.

Aktuelle Zahlen des RKI¹: Aktuell nachgewiesene Infizierte Baden-Württemberg: ca. 12.500 (316.560 Gesamt - ca. 296.000 Genesene - 8.068 Verstorbene) Todesfälle Baden-Württemberg: 8.068 Sieben-Tage-Inzidenz Baden-Württemberg: 50,0 Aktuell nachgewiesene Infizierte Deutschland: ca. 123.900 (2.4442.

Mehr Themen