Kombinierer Tino Edelmann holt WM-Silber

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Deutsche Presse-Agentur

Wie ein Irrwisch tanzte Tino Edelmann im Schanzenauslauf und schrie seine Freude heraus. Mit Platz zwei im Massenstart der Nordischen Kombination machte er in Liberec seinem Namen alle Ehre und veredelte gleichzeitig seine bisherige Laufbahn.

Noch nie hatte der 23-Jährige zuvor in einem Einzelwettbewerb auf dem Podest gestanden. Als erster und letzter Weltmeister im Massenstart geht der Amerikaner Todd Lodwick in die Geschichte ein. Das kommt umso überraschender, da er erst in diesem Winter in den Weltcup zurückgekehrt war. Doch als Lauf- und Sprungsieger gewann er verdient. „Heute wollte irgendjemand da oben, dass ich gewinne“, meinte der Champion und blickte durch das Schneegestöber in den Himmel.

Edelmann konnte sein Glück kaum fassen. „Wahnsinn“, brüllte er immer wieder in die Kameras und schien fast kopflos. Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt passte bei dem Zella-Mehliser alles. Platz zwei im 10-Kilometer-Lauf am Vortag war bereits ein Riesenerfolg für ihn. Dass es dann auch im Springen klappte, vollendete das Glück. „Mir sind zwei Supersprünge gelungen. Dass der erste vom Wind begünstigt wurde, ist völlig egal“, erzählte der Hobby-Musiker, der in einer Indie-Punk-Band mächtig einheizt. Das gelang ihm nun endlich auch in seiner Hauptbeschäftigung, obwohl er vor dem Finaldurchgang aufgeregter war als sonst. „Diesmal war ich schon nervös“, gestand er. Sprung-Trainer Andreas Bauer bezeichnete das Finale auch wegen der wechselnden Winde als „Nervenkrieg“.

Im Training sah es im Verlauf der Woche für Edelmann noch gar nicht so gut aus. „Ich hatte Probleme, auf Geschwindigkeit zu kommen. Da das Springen am Donnerstag ausgefallen war, hat sich mein Techniker Ralph Schmidt extra auf den Weg nach Bayern gemacht und dort meine Sprungski neu geschliffen. Silber ist ein Wahnsinns- Lohn für diesen Arbeitsaufwand“, bedankte sich Edelmann. Überhaupt schien er ein besonderes Verhältnis zur Schanzenanlage aufgebaut zu haben. Schon im Vorfeld der Entscheidung bezeichnete er den kleinen Bakken in Jested als „schönes Schänzchen“.

Für die deutschen Kombinierer war Edelmanns Medaille ein Einstand nach Maß in die vier WM-Wettbewerbe. Bundestrainer Hermann Weinbuch war begeistert. „Es ist toll für die Mannschaft, dass ein Außenseiter ganz vorn dabei war“, sagte der Coach und blickte bereits auf die Einzel-Entscheidung: „Jetzt traue ich meinen Jungs alles zu“, sagte er im Überschwang des Glücks.

Dann sollte auch Ronny Ackermann wieder eine wichtige Rolle spielen. Beim Springen wurde der Weltmeister aus Dermbach wie schon so oft nicht vom Wind begünstigt und am Ende 19. „Da hatte ich besonders im ersten Versuch Pech, drei Meter pro Sekunde Rückenwind sind nicht toll“, sagte der Thüringer und analysierte seine Sprünge: „Ich bin ganz zufrieden. Die Versuche waren auf dem Niveau, das ich gegenwärtig drauf habe. Hier braucht man sehr viel Glück. Die Schanze ist sehr schwer zu springen.“

Das musste auch Eric Frenzel (Oberwiesenthal) einsehen. Nach Platz drei nach dem ersten Durchgang fiel er noch auf Rang acht zurück. Noch schlimmer erwischte es im Finale Björn Kircheisen. Er wurde von einer Böe erfasst und landete bei lediglich 79,5 Meter. Das reichte nur zu Rang 26.

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