Kohfeldt verteilt trotz Bremen-Patzer großzügig Komplimente

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Deutsche Presse-Agentur
Ulrike John

Florian Kohfeldt verteilte ein Kompliment nach dem anderen, als hätte seine Mannschaft gerade die TSG 1899 Hoffenheim aus ihrem Stadion in Sinsheim gefegt.

Dem war aber mitnichten so: Werder Bremen hat mit dem 2:3 (0:1) und der zweiten Niederlage seinen Saisonstart in der Fußball-Bundesliga vollends vermasselt. Der DFB-Trainer des Jahres 2018 sagte nach dem Abpfiff aber mit fröhlicher Miene: „Ich muss meiner Mannschaft ein großes Lob machen für die Leidenschaft, für die Qualität, mit der sie gespielt hat. Das war schon sehr gut.“

Wer wird sich denn nach zwei von 34 Spieltagen verrückt machen lassen? Sicherlich nicht der selbstbewusste Senkrechtstarter Kohfeldt. „Großes Kompliment grundsätzlich an meine Jungs, wie sie spielen! Ich bin mir ganz sicher, dass dieser Weg belohnt wird und wir in naher Zukunft Punkte holen“, sagte der 36-Jährige.

Dabei hatte sein Team schon bei der Auftaktniederlage gegen Fortuna Düsseldorf drei Gegentore kassiert und traf nun auf eine Hoffenheimer Mannschaft, die nach den Abgängen von Chefcoach Julian Nagelsmann und zahlreichen Leistungsträgern unter dem neuen Trainer Alfred Schreuder noch tiefer in der Findungsphase steckt als Werder.

Kohfeldt wird sich wohl nach dem Abpfiff in der Kabine ähnlich optimistisch geäußert haben wie bei der Pressekonferenz, zumindest suggerierten dies die fast deckungsgleichen Aussagen seiner Spieler. „Ich weiß, dass wir Probleme haben, aber ich glaube an diesen Weg“, sagte Nuri Sahin und fügte etwas verzagter hinzu: „Ich hoffe, dass wir nach dem Spiel gegen Augsburg mit drei Punkte in die Länderspiel-Pause gehen.“ Auch Kevin Möhwald erklärte: „Wir werden weiter an unseren Fußball glauben. Fußballerisch müssen wir diesen Pfad beibehalten.“

Gegen überaus harmlose Hoffenheimer hatte in der ersten Halbzeit nur Niclas Füllkrug, der Ersatz für den verletzten Milot Rashica, getroffen (42.). Ermin Bicakcic (54.) und Ihlas Bebou (59.) drehten dann überraschend die Partie. Nach der Gelb-Roten-Karte für Werder-Stürmer Johannes Eggestein (77.) erzielte Yuya Osako doch noch den Ausgleich (81.) - ehe Pavel Kaderabek (87.) den Sieg der Hoffenheimer perfekt machte.

Dazwischen hatten die Bremer vor 27.333 Zuschauern durch Füllkrug das 2:2 erzielt (71.), doch Schiedsrichter Sascha Stegemann nahm den Treffer nach Videobeweis korrekterweise zurück: Der Stürmer berührte zuvor mit der Hand den Ball. Das Tor sei „regelkonform“ nicht anerkannt worden, sagte Kohfeldt. „Da kann man dem Schiedsrichter am allerwenigsten einen Vorwurf machen“.

Ömer Toprak war da schon lange nicht mehr dabei. Der Ex-Dortmunder humpelte bereits nach einer guten Viertelstunde mit einer Wadenverletzung vom Platz. Er war bereits gegen Düsseldorf angeschlagen ausgewechselt worden und fällt gegen Augsburg wohl aus. Die Verteidiger Toprak, Veljkovic, Augustinsson und Langkamp allesamt verletzt, dazu Rashica und Johannes Eggestein (gesperrt) nächste Woche auch nicht dabei: Vor dem Schlüsselspiel gegen Augsburg hat sich die Personallage bei Werder noch einmal verschärft.

Trotz seiner verbalen Streicheleinheiten kritisierte Kohfeldt dann aber doch, dass sein Team nach der Pause zehn, 15 Minuten lang zu passiv war - und: „Zwei Gegentore nach Standards zu bekommen, das ist schwierig.“ Zweimal schlug es bei Torhüter Jiri Pavlenka nach Ecken von Dennis Geiger ein, als Bicakcic und Kaderabek frei zum Kopfball kamen.

Dass in der Offensive ein Leader wie der zu Fenerbahce Istanbul gewechselte Kapitän Max Kruse fehlt, will in Bremen aber niemand mehr hören. „Ich lese jeden Tag in der Zeitung: Max hier, Max da. Ich weiß gar nicht, was ihr wollt“, meckerte Füllkrug.

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