Klinsmann unter Druck - Festtag für Daum

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Deutsche Presse-Agentur

Während Triumphator Christoph Daum seine Mannschaft nach seinem historischen ersten Sieg in München für zwei Tage ins Kölner Karneval-Getümmel entließ, ist beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern München nach der dritten Pleite im vierten Rückrundenspiel Schluss mit lustig.

„Es gibt nichts mehr zu beschönigen“, erklärte Bayern-Manager Uli Hoeneß nach dem 1:2-Desaster im eigenen Stadion. Der Druck auf Jürgen Klinsmann wächst, es brodelt in München. „Ich weiß, ich werde an Ergebnissen gemessen“, sagte der Coach im Deutschen Sportfernsehen (DSF). Verantwortlich für die Niederlage machte er aber die Spieler, mit denen er am Morgen danach in einer Sitzung hart ins Gericht ging. Nach dem 0:1-Rückstand hätten sie „nicht mit dem richtigen Kampf, Fight und Aggressivität“ reagiert. „Wir haben immer noch gemeint, wir spielen die Kölner locker her. Das funktioniert nie im Fußball“, schimpfte Klinsmann: „Diesen Fehler muss die Mannschaft sich eingestehen. Wir müssen die Zeichen erkennen und Reaktion zeigen. Wir müssen nachlegen, aber richtig nachlegen.“

Die Bosse vermieden jede Kritik am Trainer und mahnten zu Besonnenheit. „Es macht keinen Sinn, jetzt Schuldzuweisungen zu machen“, bemerkte Hoeneß. „Wir werden nicht hektisch werden und nicht irgendwelche wilden Vorwürfe von uns geben“, betonte auch Vorstands- Chef Karl-Heinz Rummenigge: „Jetzt ist Ruhe gefragt.“

Nur keine Panik - das soll zumindest bis zum Champions-League- Spiel bei Sporting Lissabon gelten, dem Auftakt zur Woche der Wahrheit mit weiteren Auswärtsspielen in Bremen und im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen. „Wir müssen schnell die Kurve kriegen. Das wird in Lissabon beginnen müssen“, forderte Rummenigge.

„Wir müssen uns sputen, wieder in die Spur zukommen“, erklärte Klinsmann, der seit Wochen vom Sprung an die Tabellenspitze redet, aber mit seinem Star-Ensemble in die Krise gestolpert ist. „Jetzt müssen wir zeigen, dass wir als Gemeinschaft zusammenhalten und durch einen so schwierigen Moment hindurchgehen.“ Auch Nationalstürmer Miroslav Klose warnte vor Selbstzerfleischung: „Jeder muss bei sich anfangen und fragen, was mache ich richtig, was mache ich falsch.“

Gegen die mit „unglaublichem Herz“ (Daum) kämpfenden Kölner lief fast alles verkehrt. Bei den Gegentoren von Fabrice Ehret (22.) und Bundesliga-Debütant Daniel Brosinski (34.) patzte einmal mehr die Abwehr - offensiv fehlte ein Konzept. Das Kopfballtor von Daniel van Buyten war zu wenig (84.). „Wir müssen uns bei den Zuschauern entschuldigen“, sagte Torwart Michael Rensing. Ähnlich äußerte sich Klinsmann: „So etwas können wir uns nicht wieder erlauben.“

Der Bayern-Ärger entlud sich auch am Schiedsrichter-Gespann um Babak Rafati (Hannover), das Klose bei dessen Kopfballtor (13.) im Abseits wähnte. „Wir kriegen zum zweiten Mal ein klares Tor nicht“, schimpfte Hoeneß in Bezug auf des 0:1 beim HSV, als Luca Toni ein Tor aberkannt worden war. „Das waren zwei fatale Fehlentscheidungen, die uns fast sechs Punkte kosten“, klagte Klinsmann.

Trösten konnten sich die Bayern nur mit den Patzern der Titel-Konkurrenten. „Wir haben Glück im Unglück gehabt. In der Tabelle liegt alles im Schlagbereich eines Spiels“, meinte Rummenigge. Zum Hoffnungsträger für Lissabon wurde Toni ernannt, der wegen einer Achillessehnenreizung geschont worden war. Zumal Podolski beim Comeback nach 108 Tagen enttäuschte und nach nur einem gefährlichen Torschuss (6.) zur Halbzeit ausgewechselt wurde. „Ich habe nicht gut gespielt“, gestand Podolski: „Es war kein schöner Nachmittag.“

Für Daum war es ein Festtag. „In München zu gewinnen - das war das einzige, was in meiner Vita noch gefehlt hat“, frohlockte der Coach. In seinem 150. Bundesliga-Spiel auf der FC-Bank war ihm zudem mit der Nominierung des 20-jährigen Brosinski ein Coup gelungen. „Das war ein Traum-Debüt“, lobte Daum den Youngster. „Bundesliga-Debüt gegen Bayern und gleich ein Tor, das ist unglaublich“, schwärmte Brosinski. Daum will den Kölner Karneval zumindest bis Freitag verlängern: „Nachlegen gegen Bielefeld ist jetzt für uns das Wichtigste.“

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