Klingenthal zurück auf großer Ski-Bühne

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Deutsche Presse-Agentur

Mit zwei Großveranstaltungen innerhalb von fünf Tagen meldet sich Klingenthal nachdrücklich auf der großen Ski-Bühne zurück.

Am 11. Februar gastieren Martin Schmitt & Co. auf der zweiten Station der Team-Tour im Skispringen in der Vogtland-Arena, wo am 14. und 15. Februar die Nordischen Kombinierer beim Weltcup ihre WM-Generalprobe bestreiten.

Auf das Comeback im nordischen Ski-Zirkus hat der sächsische Ort lange warten müssen, denn Klingenthal war nach der Sprengung der legendären Aschbergschanze im Jahr 1991 sprichwörtlich weg vom Fenster. „Natürlich gab es Pläne und Ideen für eine neue Großschanze“, erinnert sich der Landrat des Vogtlandkreises, Tassilo Lenk. „Aber nach und nach ist das Fundament der einstigen nordischen Ski-Hochburg Klingenthal weggebrochen. Das Sportinternat wurde geschlossen, die Talente kehrten dem Vogtland den Rücken.“

Die Stadt, die in den 80er Jahren noch als Medaillenschmiede galt, die Weltmeister wie Matthias Buse und Klaus Ostwald ebenso hervorbrachte wie die olympischen Medaillengewinner Henry Glass und Manfred Deckert - sie war verschwunden von der Landkarte des großen Wintersports. Die verbliebene Vogtlandschanze war nur für die 2. Liga gut genug: 22 B-Weltcups fanden in Klingenthal statt - Weltrekord.

„In der Stadt Klingenthal ist nach der politischen Wende nicht nur der Wintersport weggebrochen. 70 Prozent der Arbeitsplätze gingen verloren. Heute können wir auf eine Wertschöpfung von fünf Millionen Euro jährlich in der Stadt verweisen ­ durch die Vogtland-Arena“, berichtet Lenk. „Als um das Jahr 2001 die Pläne für den Schanzen- Neubau konkreter wurden, wussten wir: Jetzt oder nie. Es hat viel Überzeugungsarbeit auf politischer Ebene gebraucht, viele Skeptiker mussten überzeugt werden. Die Nachwendezeit hatte die Menschen frustriert. Es gab nicht viele, die wirklich an einen Neustart mit neuer Schanze geglaubt haben“, erzählt der Landrat.

Dass ausgerechnet zwei gebürtige Klingenthaler verantwortlich zeichnen für die spektakuläre Architektur der 14 Millionen Euro teuren Anlage, passt ins Bild. Lenk: „Unser Ziel war es, für Deutschland ein Standort der Spitzenklasse für Skispringen und Nordische Kombination zu werden. Dass dazu eine weltweit einzigartige Architektur entstanden ist, welche die Arena zum Anziehungspunkt für jährlich bis zu 100 000 Tagesbesucher werden lässt, macht die Anlage wirtschaftlich unabhängig und ist ein Grundstock der Betreibung.“

Im Vogtland lebt man also wieder Wintersport. „Es braucht 600 Leute, die an einem Weltcup-Tag Hand in Hand arbeiten. Dazu einen Verein, der Willens und in der Lage ist, eine solche Veranstaltung durchzuführen“, berichtet Lenk. All das war für den Weltverband FIS Grund genug, wieder nach Klingenthal zu gehen. „Wir wissen, welches Potenzial in der Region steckt. Dort hat man nicht halbherzig investiert, sondern eine Anlage hingestellt, in der mehr als nur Skispringen stattfinden kann“, lobt FIS-Renndirektor Walter Hofer.

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