Klassiker im Abseits: Rallye-WM ohne Monte Carlo

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Deutsche Presse-Agentur

Ein Klassiker im WM-Abseits: Jahrelang bildete das berühmte Casino in Monaco die malerische Kulisse für den Auftakt zur Rallye-Weltmeisterschaft. Doch in diesem Jahr wird die Saison nicht mit der Rallye Monte Carlo eröffnet.

Die Startflagge fällt in der kommenden Woche stattdessen vor dem eher unbekannten Verwaltungssitz des County Fermanagh im nordirischen Enniskillen mit der Rallye Irland. Die „Königin der Rallyes“ an der Côte d'Azur macht nach 31 Jahren in der Eliteklasse eine WM-Pause. Dennoch spielt das PS- Spektakel dennoch weiter in der internationalen Liga mit, wenn auch eine Klasse tiefer. Im kleinen und noblen Fürstentum geht die Intercontinental Rally Challenge (IRC) bis zum 25. Januar in die erste von zwölf Runden in elf Ländern und vier Kontinenten.

Grund für den temporären Zwangsabstieg der Rallye Monte Carlo ist einerseits die vom internationalen Automobilverband FIA verordnete Kostenreduzierung, die zu einer Verringerung der WM-Läufe von 15 auf 12 führte. Andererseits führte die FIA das umstrittene Rotationsprinzip ein, um auch anderen Ländern als den bisherigen eine WM-Chance zu geben. Insgesamt lagen dem Verband 24 Bewerbungen vor.

Das Rotationsprinzip führt dazu, dass außer der „Monte“ auch Rennen wie die Rallye Deutschland oder die Rallye Korsika in die WM- Pause geschickt wurden und 2009 Kandidaten weichen mussten, die entweder neu oder zurück in den WM-Kalender kamen. 2010 sollen die diesjährigen Rallyes durch zwölf andere ersetzt werden. Neben denen, die in diesem Jahr ohne das WM-Siegel auskommen müssen und im kommenden Jahr wieder aufsteigen, geben 2010 Russland und Bulgarien ihren WM-Einstand. In diesem Jahr ist Polen erstmals Schauplatz einer Rallye-WM.

Die Reduzierung auf zwölf WM-Läufe ist zwar gut für die Kasse der Teams, die Auswahl der Schauplätze hingegen schlecht fürs Image. Aus Marketing-Sicht der Hersteller fehlen in diesem Jahr wichtige Märkte wie Deutschland, Frankreich oder Japan. Dafür sind nun Länder dabei, die für den Markt weniger interessant sind.

Die Monegassen schalteten nach dem zwischenzeitlichen Rauswurf schnell und schrieben sich schon im Januar 2008 für die diesjährige IRC ein. Befreit vom engen Korsett der WM-Regeln lässt die „Grande Dame des Rallye-Sports“ alte Traditionen wieder aufleben. Die berühmte „Nacht der langer Messer“ mit dem Col de Turini, der bekanntesten Rallye-Prüfung, ist in der Freitagnacht wieder dabei. In der Rallye-WM sind Nachtprüfungen nicht erlaubt. Während für Irland nur 43 Teams gemeldet haben, sind es in Monaco 60, damit 17 mehr als bei der WM 2008.

Für die französischen Fans des fünffachen Rekord-Champions Sébastien Loeb ist der neue WM-Kalender schlecht: Nach der Pause für Monte Carlo und Korsika können sie ihren Landsmann bei dessen Titelverteidigung nicht in dessen Heimat anfeuern.

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