Kiriasis peilt vierten WM-Titel an

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Deutsche Presse-Agentur

Nach den Spannungen der letzten Tage setzt Bob-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Sandra Kiriasis auf Harmonie, um auf der aggressiven Eispiste in Lake Placid bestehen zu können.

Die Streitigkeiten mit ihrer nach Hause geschickten Stammanschieberin Romy Logsch sind vorerst auf Eis gelegt, nun will die Winterbergerin mit Berit Wiacker zum vierten WM-Titel nacheinander rasen. Doch nach einer Muskelzerrung ist der Start der Bremserin, die eher eine ruhige Vertreterin ihrer Zunft ist und bislang nur bei Europameisterschaften zum Zuge kam, weiter fraglich. „Wir versuchen alles, sie rechtzeitig fit zu bekommen“, sagte Frauen-Bundestrainer Wolfgang Hoppe, der mit Patricia Polifka noch einen Ersatz dabei hat. Nach einem leichten Training am Mittwoch sollte ein Härtetest Klarheit über Berit Wiackers Einsatzfähigkeit bringen.

Kiriasis, die im Umgang mit ihren Mitmenschen als nicht einfach gilt, will auf der Bahn am Mount van Hoevenberg voll angreifen. „Ich habe in der Vergangenheit immer gute Ergebnisse hier abgeliefert, daher kann ich optimistisch sein“, sagte die gebürtige Sächsin, die seit der Premiere der Frauen 2002/2003 auf dieser Bahn in acht Weltcup-Rennen sechsmal gewann. Nur ihre Teamkolleginnen Susi Erdmann (2003/2004) und Cathleen Martini (2006/2007) schnappten ihr zweimal den Sieg weg. Die inzwischen zurückgetretene Erdmann war es auch, die Kiriasis 2003 auf der Heimbahn in Winterberg und ein Jahr darauf in Königssee zweimal knapp den schon sicher geglaubten WM-Titel entriss.

Unterdessen hofft Romy Logsch, „dass der Verband mich braucht und ich für eine Pilotin eine echte Verstärkung sein kann“, sagte die 27- Jährige der „Leipziger Volkszeitung“. „Ich denke, dass die Chemie zwischen Sandra und mir nicht stimmte, dass aber meine Unpünktlichkeit das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, bekannte sie selbstkritisch. „Ich war für ein Vier-Augen-Gespräch mit Sandra, aber das hat sie abgelehnt“, sagte Logsch, die trotzdem wieder in den Kiriasis-Bob steigen würde: „Wir müssen ja nicht die besten Freunde, könnten aber trotzdem sportlich ein Granaten-Team sein.“

Die ehemalige Rodlerin Kiriasis, die unweit von Altenberg in Geising aufgewachsen ist und auf der schwierigen Bahn im Erzgebirge ihr Kufen-ABC erlernte, liebt die Herausforderung an den Lenkseilen. So raste sie mit dem Zweierbob aus der Forschungs- und Entwicklungs- Stelle für Sportgeräte in Berlin (FES), der erst „Flying Shark“, dann bei Olympia in Turin „Nimbus 2006“ hieß, von Erfolg zu Erfolg. Nun versucht die Soldatin, die Fotografie und Malerei als Hobbys hat, es im Design mit einer sanfteren Variante. „In diesem Winter wollte ich wieder mehr blau und habe den Bob mit einigen Highlights versehen. Auf der Unterseite sieht man mein Sternzeichen und einige Schutzengel“, sagte Kiriasis, die am 4. Januar 34 Jahre alt wurde.

Steinbock-Frauen wie sie nehmen das Leben gewöhnlich sehr ernst und sind von ihrer Fähigkeit überzeugt, hochgesteckte Ziele zu erreichen. Die erfolgreichste Bob-Pilotin in der Eisrinne hat wie ihr männliches Pendant André Lange die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver zum persönlichen Karriere-Ende deklariert. Mit dem nunmehr siebten Weltcup-Gesamtsieg in Serie in diesem Winter und dem WM- Hattrick zuvor hat sie ohnehin schon Bob-Geschichte geschrieben.

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