Kimmichs Tritt befeuert Debatte um Videobeweis

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KIMMICH Joshua Team FC Bayern Muenchen Foul an DortmunCATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxLUXxONLY
KIMMICH Joshua Team FC Bayern Muenchen Foul an DortmunCATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxLUXxONLY (Foto: imago images)
Patrick Strasser

Na, das hätte den Bayern gerade noch gefehlt. Eine Sperre für Joshua Kimmich, womöglich für mehrere Wochen. Man hätte Neuzugang Benjamin Pavard, aktuell noch mitten im Akklimatisierungsprozess nach seinem Wechsel vom VfB nach München, ins kalte Wasser werfen müssen auf der Rechtsverteidigerposition. Alles andere als ideal für den Ligastart.

Nach seinem Tritt auf das Sprunggelenk des am Boden liegenden Dortmunders Jadon Sancho in der 76. Minute hätte Kimmich, der Stammrechtsverteidiger und geborene Führungsspieler aus Bösingen bei Rottweil, eigentlich Rot wegen Tätlichkeit bekommen müssen. Gar als „dunkelrot“ stufte der frühere Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer als Experte der „Bild am Sonntag“ den Tritt ein: „Der Ball war aus, man sieht, dass Kimmich mit Absicht draufgeht.“

Schiedsrichter Daniel Siebert zeigte Kimmich aber nur die Gelbe Karte – und selbst die fand Kimmich im ersten Moment überzogen. Seine Verteidigungsrede: „Es war so, dass ich den Ball mit der Sohle herholen wollte und in dem Moment hat der Sancho sozusagen sein Bein davorgestellt, dass ich nicht den Ball holen kann. Ich treffe ihn dann mit der Sohle. Es sieht vielleicht schlimm aus. Aber ich hatte überhaupt nicht die Intention, ihm wehzutun oder ihn gar zu verletzen.“ Mehrmals betonte Kimmich, dass es „gar keine Absicht“ war. Sancho verließ das Stadion zwar mit dick bandagiertem Knöchel, war aber nicht ernsthaft verletzt.

Kimmich ist für derlei Aktionen nicht bekannt, seine letzte Rote Karte sah er in der A-Jugend. Doch so mancher Autofahrer fährt auch unabsichtlich bei Rot über eine Ampel. Wenn er erwischt wird, gibt’s dennoch eine Strafe. Das Kuriose: Kimmich wurde ja erwischt. Und sanktioniert.

Für Salihamidzic war’s nicht mal Gelb

Verwunderlich, dass der Schiedsrichter nach Check mit dem Videoschiedsrichter Gnade walten ließ – und nur Gelb zeigte. Für Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic war sogar das zu viel, er hätte gar keine Karte gegeben.

Doch damit stand er recht alleine da. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte zu „Sport Bild“: „Wenn Joshua Kimmich – den ich sonst von seiner Mentalität und allem her sehr schätze – sich die Szene noch mal anguckt, ist er sehr zufrieden mit der Entscheidung des Schiedsrichters, glaube ich.“ Könnte sein. Heimlich, still und dankbar.

Sportdirektor Michael Zorc kritisierte am Sonntag vor allem den Videoassistenten. „Nach Ansicht der Bilder fehlt mir jegliches Verständnis, aber wirklich jegliches Verständnis dafür, wie man da in Köln im Keller sitzen kann und sagen kann: ,Das ist eine Gelbe Karte’“, sagte er zu „Funke Sport“.

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