Keine Trainingstest im Boxen

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Im deutschen Profi-Boxsport gibt es im Kampf gegen Doping keine unabhängigen und unangekündigten Trainingskontrollen.

Verhandlungen zwischen dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) und der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), die im November 2008 und im Januar 2009 zwischen den Organisationen über die Einführung von unabhängigen Trainingstests geführt wurden, sind nach Recherchen der ZDF-Sportreportage gescheitert. „Sie sind gescheitert, weil die wichtigsten Prinzipien nicht hätten eingehalten werden können“, sagte der NADA-Vorsitzende Armin Baumert, „nämlich die überraschenden Kontrollen.“ Außerdem hält der BDB das seit 1. Januar 2009 für Athleten geltende Abmeldesystem der NADA für Doping- Kontrollen für nicht akzeptabel.

„Wir sind der Überzeugung, dass unser System, das wir nun im Training versuchen einzuführen, zunächst einmal von uns selbst organisiert werden muss“, erklärte BDB-Präsident Bodo Eckmann, „aber mit den unabhängigen Instituten, die wir bisher bei Wettkämpfen seit Jahren immer wieder eingesetzt haben.“ Zwar gibt es seit 1980 Wettkampfkontrollen im Boxen, aber nur bei Titelkämpfen. Tests in der Trainingsphase gelten hingegen im Anti-Doping-Kampf als viel wirksamer.

Der BDB will dagegen nun Trainingskontrollen als sogenannte periodische Vorwettkampftests mit einer eigenen Planung und in einem festgelegten Zeitfenster - von der Unterzeichnung des Kampfvertrages bis zum jeweiligen Wettkampf - einführen. In den meisten Fällen würde dies nur einen Zeitraum von zehn bis zwölf Wochen vor einem Profikampf umfassen.

Das seit dem 1. Januar geltende neue Abmeldesystem der NADA für Athleten sei von Juristen des BDB überprüft und als nicht akzeptabel betrachtet worden. Außerdem würden etwa 70 Prozent der Athleten ihren Lebensmittelpunkt gar nicht in Deutschland haben, sagte Eckmann, unter dessen BDB-Dach die meisten der deutschen Profiboxställe organisiert sind. Für die eigenen Kontrollen sieht der BDB einen Testpool von 20 Männern und fünf Frauen vor. Die Kosten würde der BDB übernehmen.

„Das, was der BDB will, widerspricht klar den Anti-Doping-Regeln“, entgegnete Baumert. „Jeder der Boxer, der Trainer und der Boxstall könnten, wenn man ihnen unterstellt, sie wollten manipulieren, eine Manipulation zu einer leichten Sache machen.“

Daher drängt der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender darauf, dass der BDB mit der NADA schnellstens zu einer Vereinbarung kommt, um transparente, unabhängige und unangekündigte Kontrollen zu ermöglichen. Wenn die Organisationen sich nicht einigen würden, dann „machen wir einen Runden Tisch“. Und wenn es nicht zu einer Einigung käme, dann „wird es Konsequenzen haben“, so Brender, dessen TV-Sender regelmäßig Profi-Boxkämpfe überträgt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen