Kein Hertha-Frust nach vergeblichem Gipfelsturm

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Deutsche Presse-Agentur

Die Enttäuschung über den verpassten Gipfelsturm hielt sich bei Hertha BSC in Grenzen. Im Anschluss an das 1:1 (1:1) bei Arminia Bielefeld trauerte weder Trainer Lucien Favre noch das Berliner Team der vergebenen Chance auf die erste Tabellenführung seit 503 Tagen nach.

„Keiner von uns hat an den 1. Platz gedacht. Wir müssen mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben“, sagte Abwehrspieler Steve von Bergen mit Blick auf die nun anstehende Reifeprüfung der Überraschungself am kommenden Spieltag gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München.

Anders als in vielen anderen engen Saisonspielen, die das Favre-Team am Ende mit großer taktischer Disziplin und mentaler Stärke für sich entschied, blieb das Erfolgserlebnis gegen die kampfstarke Arminia aus. Ausgerechnet der ehemalige Hertha-Profi Artur Wichniarek (40.) brachte die Berliner mit seinem 12. Saisontreffer um die Spitzenposition, die nach der frühen Führung durch Andrej Woronin (13.) zum Greifen nahe schien. Das in den vergangenen Wochen gewachsene Selbstvertrauen nahm dabei jedoch keinen Schaden. Die Vorfreude auf den Gipfel am 14. Februar war bei Torhüter Jaroslav Drobny größer als der Respekt: „Für die Bayern ist der Druck größer als für uns. Wir spielen zu Hause und wollen drei Punkte.“

Ohne die Rückkehr diverser Leistungsträger dürfte der Wunsch des Torhüters jedoch nicht in Erfüllung gehen. Denn eine ähnlich hohe Ausfall-Quote wie in Bielefeld, wo neben diversen Langzeitverletzten auch noch Torjäger Marko Pantelic und Nationalspieler Arne Friedrich passen mussten, lässt sich gegen den Meisterschaftsfavoriten kaum kompensieren. Zu allem Überfluss wird auch noch Mittelfeldspieler Cicero fehlen, der die fünfte Gelbe Karte sah. Zumindest bei Friedrich (Rückenbeschwerden) stellte Trainer Favre eine baldige Genesung in Aussicht: „Es ist nicht so schlimm. Ich denke, er ist am Samstag wieder dabei. Das Spiel in Bielefeld kam für ihn zwei, drei Tage zu früh.“

Nur in der Anfangsphase schien es, als könnte die Hertha den personellen Aderlass verschmerzen. Doch nach dem 1:0 gab sie das Spiel aus der Hand und stand bei Chancen des Bielefelders Chris Katongo Mitte der zweiten Halbzeit am Rande einer Niederlage. Klagen über die dünne Personaldecke hielten sich dennoch in Grenzen. Stattdessen monierte Abwehrchef Josip Simunic den fehlenden Biss seiner Mitstreiter: „Wir haben gut angefangen, sind in Führung gegangen. Dann haben wir uns wohl zu sicher gefühlt.“

Ähnlich wie die Berliner konnten auch die Bielefelder mit der Punkteteilung gut leben. Immerhin feierten sie dank des 1:2-Coups am vorigen Spieltag in Bremen einen verheißungsvollen Start in die Rückrunde. Ohne ihre „Lebensversicherung“ Wichniarek stünde die Arminia im Kampf um den Klassenverbleib jedoch deutlich schlechter da. Schließlich erzielte der Angreifer 12 der insgesamt 18 Bielefelder Saisontore. Doch für einen Star-Kult ist in dem von Trainer Michael Frontzeck geschaffenen Kollektiv-System wenig Platz. Nicht zuletzt deshalb ließ sich Geschäftsführer Roland Kentsch nicht zu Lobeshymnen über den treffsicheren Polen hinreißen: „Er ist Teil der Mannschaft und zahlt das Vertrauen, das wir ihm entgegenbringen, 1:1 zurück.“

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