Karl-Heinz Feldkamps Rat ist in Istanbul gefragt

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Deutsche Presse-Agentur

Deutsches Trainer-Know-how ist am Bosporus Gold wert. Karl-Heinz Feldkamp ist ein Beweis dafür. Zweimal hat der mittlerweile 74 Jahre alte Fußball-Lehrer Galatasaray Istanbul, den UEFA-Cup-Rivalen des Hamburger SV, trainiert und zu zweieinhalb Titeln geführt.

Auch jetzt kann der türkische Meister nicht von dem Trainer-Fuchs lassen. Heute ist Feldkamp Technischer Direktor bei Galatasaray und fühlt sich in dieser Rolle pudelwohl, obwohl er eigentlich in Marbella das Leben genießen wollte. „Mir gefällt Istanbul, mir gefallen die Menschen und mir gefällt der Fußball hier““, sagt Feldkamp, für den längst nicht sicher ist, dass er sich nach dieser Saison aufs Altenteil zurückzieht. „Wahrscheinlich werde ich dann als Berater für Galatasaray tätig sein“, erzählt er.

Am „Goldenen Horn“ wird der Coach heute ebenso glühend wie vor 16 Jahren verehrt. 1993 hatte Feldkamp Galatasaray zu Meistertitel und Pokalsieg geleitet, 2008 brachte er „die Löwen“, wie die Spieler des 17-fachen türkischen Meisters genannt werden, erneut auf Titelkurs, warf aber nach Querelen mit Präsident Adnan Polat sechs Spieltage vor Saisonende das Handtuch. „Er muss wohl viel von mir halten, sonst hätte er mich ja nicht als Sportdirektor geholt“, meint Feldkamp, der 1991 in der Bundesliga mit dem 1. FC Kaiserslautern seinen größten Coup feierte, als die „Roten Teufel“ überraschend die Meisterschaft gewannen.

Vor 25 Jahren hatte Jupp Derwall die deutsche Trainer-Tradition bei Galatasaray begründet; es folgten Siegfried Held, Feldkamp, Reiner Hollmann, Reinhard Saftig, erneut Feldkamp und schließlich Michael Skibbe, der vor wenigen Wochen gegen den Einheimischen Bülent Korkmaz ausgetauscht worden ist. „Die Trennung von Skibbe hat mir leid getan“, berichtet Feldkamp. Er selbst kann sich den Job an der Außenlinie nicht mehr vorstellen. „Diesem Druck muss ich mich nicht mehr aussetzen.“

Der „graue Fuchs“, wie die Galatasaray-Fans ihn gern nennen, ist längst schlohweiß geworden, sein Fußball-Wissen aber ist unverändert gefragt. Beim Tabellenfünften der Süper Lig soll Feldkamp den Aufbau neuer Strukturen vorantreiben. Denn am Bosporus hat das von Erfolg verwöhnte Dreigestirn Galatasaray, Besiktas und Fenerbahce mit Schrecken feststellen müssen, dass die Teams aus Anatolien und vom Schwarzen Meer ebenbürtig oder gar vorbeigezogen sind. In der Zwölf- Millionen-Einwohner-Metropole Istanbul werden aber nur Titel akzeptiert. Ein Vizemeister ist nicht mehr als ein Verlierer.

Feldkamp liebt die Begeisterung und Leidenschaft der türkischen Fans. Aber er kennt auch die anderen Seite der Medaille, wie er dem „Hamburger Abendblatt“ gestand: „Wenn man Erfolg hat, dann wird man in ein Boot gesetzt und über den Bosporus kutschiert. Wenn man aber keinen Erfolg hat, dann sollte man zusehen, dass man schwimmen kann.“

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