Kölner Haie trotzen der Finanzkrise

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Deutsche Presse-Agentur

Die Finanzkrise weitet sich aus, doch die Kölner Haie zeigen sich davon weitgehend unbeeindruckt und sogar angriffslustig.

„Die Rahmenbedingungen für die kommende Saison sind nicht neu. Wir müssen uns jedes Jahr den Etat neu erkämpfen“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zuvor hatte Alleingesellschafter Heinz Hermann Göttsch in mehreren Zeitungsinterviews angekündigt, sein Engagement beim Tabellen-Vorletzten einzuschränken: „Keiner kann von mir erwarten, dass ich das jetzt entstehende Finanzloch aus eigener Tasche begleiche.“

Die sportliche Talfahrt mit dem zu erwartenden Playoff-Aus schlägt sich bereits diese Saison im Budget nieder. Pro Heimspiel kommen im Schnitt 2000 Besucher weniger als im Vorjahr. Insgesamt werden allein die Zuschauereinnahmen schätzungsweise um rund eine Million Euro zurückgehen. „Wenn wir die Playoffs verpassen, hat das natürlich harte Umsatzeinbußen zur Folge, die wir nicht ohne Blut, Schweiß und Tränen ausgleichen können“, sagte Göttsch.

Der Diplom-Kaufmann übernahm 1994 als Hauptgesellschafter die Kölner Eishockeygesellschaft „Die Haie“ und ist seit mehr als sechs Jahren Alleingesellschafter. Nach eigenen Angaben unterstützte er den Verein mit „nicht unerheblichen Beträgen“ aus privat versteuertem Geld. Spekulationen zufolge sollen dies insgesamt zwischen 20 und 25 Millionen Euro gewesen sein. „Ich kann es vor mir selbst, meiner Familie und meinen Mitarbeitern nicht mehr verantworten, privates Geld in andere als meine wirtschaftlichen Aktivitäten zu stecken“, erklärte der Unternehmer die Reduzierung seiner Unterstützung.

Die Aussagen von Göttsch seien laut Eichin für die Verantwortlichen keine Neuigkeit. Seit fünf Jahren verfolge der Verein das Ziel unabhängiger von seinem Gesellschafter zu werden. „Da wir eine gute Entwicklung gemacht haben, sind wir ein Stück weit geschützt. Vor fünf Jahren hätte uns das viel härter getroffen“, sagte Eichin. Göttsch kündigte Hilfe an, für die Zukunft ein „wirtschaftlich tragfähiges Maßnahmenpaket“ auf die Beine zu stellen. „Ich werde den KEC weiter begleiten, allerdings nicht alleine. Wir brauchen neue Investoren, weitere Geldgeber.“

Der aktuellen sportlichen Führung um Sportdirektor Rodion Pauels und Eichin gab Göttsch Rückendeckung. „Es kann nicht alles schlecht sein, was jahrelang zu positiven Ergebnissen geführt hat. So eine Saison muss man überstehen.“ Hinter den Planungen für die kommende Spielzeit stehen allerdings noch große Fragezeichen. Wegen der sportlichen Misere verhandelt der Verein derzeit nicht mit Spielern über mögliche Vertragsverlängerungen. Auch die finanzielle Zurücknahme von Göttsch werde Auswirkungen haben, sagte Eichin: „Aber wir werden wieder einen Etat haben, der es uns möglich macht, eine schlagkräftige Mannschaft aufs Eis zu bringen.“

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