Jol will Sieg - HSV mit Luxus-Problem

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

24 Jahre nach seinem letzten UEFA-Cup-Sieg in den Niederlanden will der Hamburger SV mit seinem holländischen Trainer Martin Jol gegen den NEC Nijmegen seinen ersten Erfolg über ein Team aus dem Nachbarland feiern.

Der letzte Sieg war den Hanseaten im Oktober 1985 gegen Sparta Rotterdam (2:0) gelungen. Danach folgten drei Niederlagen gegen Ajax Amsterdam, die letzte im vorigen Jahr. An dieses Negativ-Erlebnis erinnerte HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. „Wir sind also gewarnt, müssen aufpassen und unsere Antennen ausfahren, wie Otto Rehhagel immer gesagt hat“, meint Beiersdorfer vor dem Hinspiel in dem mit 12 500 Zuschauern ausverkauften Goffertstadion.

Beim Gastspiel in der ältesten Stadt der Niederlande plagt den HSV ein Luxus-Problem. Bei ihrem 99. Europapokal-Auftritt kann Jol sowohl auf seine kroatischen Tor-Garanten Ivica Olic (4 Treffer im UEFA-Cup) und den in der Bundesliga gesperrten Mladen Petric (5) als auch auf Paolo Guerrero zurückgreifen. Alle drei Angreifer will der Trainer aber nicht aufbieten. Olic oder Guerrero wird er vor dem Bundesliga- Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen vier Tage später eine Pause gönnen.

„Die tun so, als ob wir eine Mannschaft wären wie Real Madrid. Aber für uns wird es eine schwierige Aufgabe“, meint Jol und wundert sich über den großen Respekt, den seine Landsleute aus Nijmegen dem HSV entgegenbringen. Stattdessen lobt er den Rivalen: „Nijmegen ist die einzige Mannschaft in Holland, die sieben Monate ungeschlagen war“. Dem HSV-Trainer wäre deshalb schon ein Remis recht. „Das wäre ein tolles Ergebnis.“

Den Nimbus der Unbesiegbarkeit hat der Tabellenneunte der Ehrendivision, bei dem einst Jols älterer Bruder Dick spielte, inzwischen allerdings eingebüßt. Und bei der Generalprobe für die Runde der letzten 32 Mannschaften (1:1 gegen SC Heerenveen) blieb der Club in der ältesten niederländischen Stadt äußerst blass. Mit dem neuen Vereinslied „Ja, ja, wir gehen feiern auf der Reeperbahn“ machten sich die Fans des Außenseiters jedoch Mut.

„Man weiß nicht viel von der Mannschaft. Aber wir dürfen sie nicht unterschätzen. Sie hatten Spartak Moskau und Udinese Calcio in der Gruppe und haben sich trotzdem durchgekämpft“, sagt Piotr Trochowski über den 110. der UEFA-Rangliste. Der HSV rangiert an Position 31. Der letzte Sieg gegen ein Team aus der Ehrendivision datiert vom 2. Oktober 1985 im UEFA-Pokal gegen Sparta Rotterdam. Die drei folgenden Spiele gegen niederländische Vereine wurden verloren. „Wenn wir zwei überragende Tage erwischen, ist selbst gegen Hamburg ein Weiterkommen möglich“, meint Nijmegens Trainer Mario Been, der auf die beiden Offensivspieler Tim Janssen und Dennis Rommedahl verzichten muss.

Zudem strich Been Angreifer Rachid Bouaouzan wegen Disziplinlosigkeit aus dem Kader. „Rachid stellt sein Ego über das Team. Das kann nicht sein. Für mich zählt allein die Mannschaft“, sagte Been der niederländischen Tageszeitung „De Gelderlander“. Für den als eigensinnig geltenden Stürmer ist es schon die zweite Ausbootung im diesjährigen UEFA-Cup-Wettbewerb. Bereits im September 2008 strich Been Bouaouzan vor dem Spiel bei Dinamo Bukarest aus dem Aufgebot.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen