Joachim Löw: „Die WM-Qualifikation hat Priorität“

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Deutsche Presse-Agentur

Bundestrainer Joachim Löw bezeichnet in einem Ausblick auf 2009 die Qualifikation der deutschen Fußball- Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika als die wichtigste Aufgabe.

In den jüngsten Querelen um Kapitän Michael Ballack und Torsten Frings sieht er auch Chancen. „Wir gehen gestärkt und voller Optimismus ins neue Jahr. Wir wissen, welche Dinge wir angehen wollen und werden diese mit aller Kraft und Energie vorantreiben“, kündigte Löw zum Jahreswechsel im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa an.

2009 ist für Sie ein Jahr ohne Großereignis? Was sind die Ziele für die kommenden Monate?

„Die WM-Qualifikation hat für uns absolute Priorität und bestimmt das Jahr 2009. Doch es gibt auch andere Themen. Wir wollen uns spielerisch weiter verbessern: Im taktischen Bereich, Verfeinerung der Spielkultur, das Thema Geschwindigkeit, das spielt die wichtigste Rolle. Kombinationsformen in hohem Tempo, um den Gegner unorganisiert zu erwischen, bringen international Erfolg. Wir sind noch nicht am Optimum. Wir müssen weiter an uns arbeiten.“

Und die Querelen um ihre Führungsspieler Michael Ballack und Torsten Frings werden nicht wieder hochkochen?

„Die Lehren sind für alle gezogen. Wir gehen gestärkt und voller Optimismus ins neue Jahr. Wir wissen, welche Dinge wir angehen wollen und werden diese mit aller Kraft und Energie vorantreiben.“

Gleich nach Saisonende geht es für eine Woche auf Asienreise. Ist das für Sie ein günstiger Zeitpunkt?

„Es steht in diesem Sommer kein Turnier an. Das ist eine lange Pause. Durch das Pokalfinale werden auch nicht alle Spieler in Asien zur Verfügung stehen, da muss man improvisieren, das ist gut. Da können sich junge Spieler nochmal in den Vordergrund spielen.“

Die Kontinentalmeister spielen kurz darauf beim Confederations Cup in Südafrika. Bedauern Sie, dass Sie beim WM-Test nur Zuschauer sind?

„Das sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der Confederations Cup ist sicherlich eine Vorbereitung auf die WM, man lernt die Gegebenheiten im Land kennen. Auf der anderen Seite habe ich gespürt, dass einige Spieler nach drei Turnieren seit dem Sommer 2005 wenig Urlaub und wenig Vorbereitung hatten. Sie waren anfälliger für Verletzungen. Es ist mir daher schon recht, dass viele Spieler in diesem Jahr eine lange Vorbereitungszeit vor Saisonbeginn haben. Denn damit können sie eine gute Basis legen.“

Aber Sie werden doch sicher den Confederations Cup beobachten?

: „Der Confederations Cup wird selbstverständlich beobachtet. Das ist schon ein interessantes Turnier, und die Mannschaften, die da spielen, sind interessante Teams. Ich erwarte mir da viele Erkenntnisse, die wir verwerten können. Chef-Scout Urs Siegenthaler ist auf jeden Fall dort. Ich werde schauen, ob Hansi Flick und ich uns abwechseln. Wir haben auf jeden Fall unsere Leute vor Ort.“

Sie werten Turniere grundsätzlich intensiv aus. Was nehmen Sie von der EM 2008 sportlich mit ins nächste Jahr.

„Es ist so, dass durch die EM klargeworden ist, dass die meisten Tore durch Ballgewinne im Mittelfeld fallen. Das ist ein Indiz und eine Bestätigung für uns. Es ist wichtig, eine gute Balleroberung zu haben, statt immer nur das Spiel zu unterbinden. Man muss einfach erwähnen, dass wir viel weniger Fouls machen als noch vor drei Jahren. Das zeigen auch die statistischen Erhebungen. 2005 hatten wir noch 2,7 Sekunden zwischen Ballgewinn und Abspiel und mittlerweile sind wir mit 1,5 Sekunden näher am Spitzenniveau.“

Ist die Tendenz zur Modernisierung des Spiels auch in der Bundesliga zu erkennen?

„Das Niveau war unterschiedlich in der Bundesliga, aber es sind Tendenzen zu erkennen. Mannschaften beschäftigen sich mit Leistungszentren, wo Spieler umfassend betreut werden. Das ist gut, weil da die Konzentration geschärft wird auf den Beruf. Es gibt Vereine wie Hoffenheim, Leverkusen, Dortmund, die arbeiten individueller als vor ein paar Jahren. Heute beschäftigt man sich mit einem umfangreichen Trainerstab. Ich bin sicher, dass sich das auch auszahlt.“

Wie sieht Ihre eigene Zukunftsplanung aus. Machen Sie sich schon Gedanken über die Zeit nach 2010?

„Nein. Das ist für mich keinen Gedanken wert, bevor wir nicht irgendwann im nächsten November die Qualifikation geschafft haben. Vorher bedarf es keiner Gespräche. Die WM ist die nächste Etappe, die wir erreichen müssen. Und dann wird man sich vielleicht einmal unterhalten, wie geht es eigentlich weiter in unserem Team. Aber bis dahin ist das für mich überhaupt kein Thema.“

Interview: Arne Richter, dpa

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