Jelena Dokic mit Knalleffekt zurück

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Deutsche Presse-Agentur

Als Jelena Dokic zum ersten Mal in ihrer Karriere die Rod Laver Arena als Siegerin verließ, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

„Danke, dass ihr mich unterstützt habt, es war unglaublich“, sagte sie mit stockender Stimme nach dem Einzug in die dritte Runde der Australian Open. „Es ist lange her, aber damals war die Geschichte ein bisschen anders.“ Das war sie - und die Lebensgeschichte der 25-jährigen Jelena Dokic zählt zu den dramatischsten und bewegendsten, die das Tennis zu erzählen hat.

„Back with a bang“, titelte die australische Zeitung „The Age“ nach ihrem Sieg gegen die Russin Anna Tschakwetadse. Mit einem Knall kehrte Jelena Dokic zurück und darf nun wieder auf den Center Court. Gegen Caroline Wozniacki aus Dänemark kämpft sie um den Einzug in das Achtelfinale bei dem Grand-Slam-Turnier von Melbourne. Einen größeren Kampf allerdings hat sie schon hinter sich. „Ich bin durch die Hölle gegangen“, sagt sie. „Ich habe zwei Jahre lang gegen schwere Depressionen gekämpft, monatelang nicht gespielt und daran gedacht, es überhaupt nicht mehr zu tun.“

1994 war Jelena Dokic mit ihren Eltern aus Serbien nach Australien ausgewandert und hatte fünf Jahre später erstmals für ihr neues Land bei den Australian Open gespielt. Im Jahr 2000 stand sie im Halbfinale von Wimbledon, 2002 auf Platz vier der Weltrangliste. Doch für Schlagzeilen sorgten mehr und mehr die Eskapaden ihres gewalttätigen Vaters Damir. Der einstige Boxer und Lastwagenfahrer hat bei zahlreichen Turnieren Hausverbot. 2001 ließ er wüste Beschimpfungen in Richtung der Australian-Open-Organisatoren los, sprach von Manipulation, als seine Tochter gleich gegen Titelverteidigerin Lindsay Davenport aus den USA antreten musste. Anschließend zwang er seine Familie zur Rückkehr nach Jugoslawien.

2003 drohte er seiner Tochter nach dem Erstrunden-Aus in Melbourne sogar körperliche Gewalt an. Bei den US Open in New York soll er einst einem jungen Imbiss-Verkäufer ein Fisch-Menü an den Kopf geworfen haben, weil es ihm überteuert erschien. „Ich musste so viel aushalten, als mein Vater noch auf der Tour dabei war, all seine Ausbrüche. Ich war so jung und hatte keine Ahnung, was los war“, sagt Jelena Dokic heute. „Ich habe mit einem riesigen Gewicht auf den Schultern gespielt und bin daran mit 19 irgendwie zerbrochen.“

Vor vier Jahren verließ Jelena Dokic ihre Familie in Serbien und kehrte nach Australien zurück. Ende 2006 stand sie auf Platz 621 der Rangliste. Sie nahm eine Auszeit, kämpfte mit Depressionen, gegen ihr Gewicht - und gegen die Vergangenheit. Erst vor einem Jahr kehrte sie auf die Tour zurück - und bekam eine Wildcard für ihr Heimturnier. Ihrem Vater haben die australischen Zuschauer nicht verziehen, wohl aber Tochter Jelena. „Tennis macht mir wieder Spaß“, sagt sie. Mit ihrem Vater hat sie bis heute kein Wort mehr geredet.

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