Issinbajewas Weltrekord-Double aus Aberglauben

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Deutsche Presse-Agentur

Aberglaube und Gänsehaut gaben der russischen Stabhochsprung-Koryphäe Jelena Issinbajewa Auftrieb für ihren phänomenalen Weltrekord-Doppelschlag.

„Nachdem ich wie im vergangenen Jahr zweimal 4,96 Meter verfehlt habe, ließ ich einen Zentimeter höher legen“, erzählte die 26 Jahre alte Wahl-Monegassin nach ihrem Glücksspiel beim Hallen-Meeting in Donezk. „Es war Aberglaube.“ Mit der Steigerung der 2008 an gleicher Stelle aufgestellten Top-Marke um zwei Zentimeter gab sie sich aber nicht zufrieden, sondern überwand auch noch die 5,00 Meter.

„Ich wollte eine starke Botschaft an diejenigen senden, die den Hallen-Weltrekord brechen möchten“, sagte Issinbajewa, die vom Song „New Wave“ mit über die Latte getragen wurde. „Ich habe mir ein Lied gewünscht, das bei mir eine Gänsehaut verursacht“, so die Sport- Millionärin nach den Weltrekorden 25 und 26. Dass sie die Rekordmarke gleich um fünf Zentimeter verbesserte und von der lukrativeren „Salami-Taktik“ ihres Vorbilds Sergej Bubka abwich, ist auch Beleg ihrer finanziellen Unabhängigkeit. Allein der Anfang 2009 vollzogene Wechsel von der deutschen Firma adidas zum chinesischen Sportartikel- Hersteller Li Ning, der ihr für fünf Jahre ein Salär von mehr als sieben Millionen Dollar einbringen soll, macht die charismatische Überfliegerin zur bestbezahlten Leichtathletin der Geschichte.

Ungeachtet dessen will sie ihre Rekordhatz unter dem Dach am kommenden Wochenende in Birmingham und in Prag (26. Februar) fortsetzen. „Ich habe noch zwei Wettkämpfe und versuche, zwei weitere Weltrekorde aufzustellen“, kündigte Issinbajewa an, die nur noch neun Bestmarken von Bubkas „Rekord für die Ewigkeit“ (35 Weltrekorde) entfernt ist. Außerdem fehlen ihr nur fünf Zentimeter bis zu ihrer Freiluft-Top-Höhe von 5,05 Meter, die sie beim Olympiasieg in Peking meisterte.

Völlig losgelöst von der Erde zeigte sich auch Hochspringerin Ariane Friedrich. Die Frankfurterin besiegte beim Meeting in Karlsruhe mit glänzenden 2,05 Metern Weltmeisterin Blanka Vlasic und setzte sich mit der Kroatin an die Spitze der Weltjahresbestenliste. „Gegen Blanka zu springen ist eine Ober-Herausforderung. Jetzt bin ich unheimlich froh“, meinte die Olympia-Siebte.

Eine der ersten Gratulantinnen Friedrichs war Heike Henkel. „Sie hat eine super Sprungkraft und ein unheimlich großes Potenzial“, lobte die Olympiasiegerin von 1992. In jenem Jahr war Henkel - ebenfalls in der Karlsruher Europahalle - mit 2,07 Meter Weltrekord gesprungen, die noch heute gültige deutsche Rekordmarke. An dieser Höhe versuchte sich am Sonntagabend auch Friedrich - vergeblich. Die Frage, wann ihr das gelinge, wollte die deutsche Meisterin nicht hören. „Das macht mich ein bisschen böse. Ich habe heute meine Bestleistung um drei Zentimeter gesteigert, ich bin die viertbeste Höhe forever gesprungen - das ist so hoch. Jetzt muss man echt mal auf dem Teppich bleiben“, forderte die 25-Jährige.

Dennoch ist in Friedrich nun eine Athletin in Sicht, die in die riesigen Fußstapfen Henkels treten könnte. Vlasic, die sich in Peking nach zuvor 34 Siegen in Serie überraschend der Belgierin Tia Hellebaut hatte geschlagen geben müssen, riss die 2,03 im ersten Versuch, überwand dann aber ebenfalls die 2,05, was aber nur zu Platz zwei reichte. „Die springt über Häuser“, sagte Friedrich, die ihre Rivalin schon einmal mächtig geärgert hatte: Beim Golden-League- Finale im September in Brüssel verhinderte sie mit ihrem Sieg, dass Vlasic ihren Anteil am Millionen-Jackpot bekam.

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