Irres 4:4 in Hannover - Klopp: Gefühlte Niederlage

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Deutsche Presse-Agentur

Wahnsinn, spektakulär, völlig verrückt - die allgemeine Begeisterung über das 4:4-Torfestival zwischen Hannover 96 und Borussia Dortmund ließ die unmittelbar Beteiligten ziemlich kalt.

„Das ist eine gefühlte Niederlage. Wir alle sind sehr unzufrieden“, schimpfte BVB-Trainer Jürgen Klopp, stinksauer, weil auch im siebten Anlauf der erste Rückrundensieg misslang. „Das ist keine tolle Situation, nicht für die Abwehr und nicht für mich. Daran müssen wir arbeiten“, kommentierte 96-Keeper Robert Enke die Gegentore 47 bis 50 für die abstiegsbedrohten Niedersachsen.

„Er tut mir schon manchmal leid, wie er hinten hilflos im Tor steht“, sagte Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff im TV-Sender Premiere über Enke. Der Nationaltorwart arbeitet in der „Schießbude der Bundesliga“. Rechnet man zu den kassierten die erzielten Treffer hinzu, fallen bei 96-Spielen im Schnitt 3,45 Tore. Auf einen ähnlich hohen „Unterhaltungswert“ kommt nur Bayern München. „Es gibt keinen Grund für Party-Stimmung“, warnte Hannovers Clubchef Martin Kind. Die 96-Fans unter den 49 000 Zuschauern feierten dennoch, weil ihr Team niemals aufsteckte und zweimal einen Zwei-Tore-Rückstand aufholte. „Die Mannschaft hat Moral gezeigt. Bis zum Saisonende bleibt es aber eine schwierige Kiste“, sagte Kind angesichts des mickrigen Drei- Punkte-Abstandes zu den Abstiegsrängen.

„Vier Gegentore nach Standardsituation, das geht überhaupt nicht“, klagte BVB-Profi Nuri Sahin. Er musste nach einem rüden Foul des völlig neben der Spur spielenden 96-Routiniers Michael Tarnat mit einer Sprunggelenkverletzung früh vom Platz. Der fällige Foulelfmeter von Alexander Frei (17. Minute) leitete die ungewöhnliche Torflut ein. Frei (65.) mit seinem zweiten Tor und der zweimal erfolgreiche Sahin-Vertreter Florian Kringe (27./62.) trafen für Dortmund. Jiri Stajner (42.), Arnold Bruggink (48.) mit einem direkt verwandelten Eckball, Mike Hanke (80.) und Mikael Forssell (83.) ließen die BVB-Abwehr inklusive Torwart Roman Weidenfeller alt aussehen.

Weil Stürmer Nelson Valdez („Ich hätte zwei Tore machen müssen“) mehrere gute Chancen ausließ, stecken die Remiskönige aus dem Ruhrgebiet im Tabellen-Mittelfeld regelrecht fest. Platz neun, 34 Punkte, 13 Unentschieden - das Mittelmaß machte weder Klopp noch seinen Spielern Spaß. „Wir brauchten drei Punkte und deshalb kann ich mich auch über meine beiden Tore nicht richtig freuen“, sagte Kringe.

96-Trainer Dieter Hecking zeigte Herz für die Zuschauer. „Solche Spiele will jeder sehen. Zu Tempofußball gehören auch Fehler. Nun sind wir auch auswärts gefordert„, sagte der Coach, der unter dem Strich von einem gewonnenen Punkt sprach. Der könnte bei der chronischen Auswärtsschwäche seiner Mannschaft und der anstehenden Partien in Hoffenheim und Bremen zu wenig sein. „Für die Fans ist das vielleicht attraktiv. Aber wenn man unten raus will, geht das so nicht“, kommentierte der Niederländer Bruggink das Torspektakel.

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