Investor, Trainerwechsel, Abstieg: VfB-Präsident Dietrich macht klare Ansage

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Löst Felix Magath Markus Weinzierl als Trainer beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart ab? Steigen Franzosen als Investoren ein? Präsident Wolfgang Dietrich verrät Explosives im Interview am Rande des Fan-Talks in Ummendorf.

Herr Dietrich, Sie sind seit fast zweieinhalb Jahren VfB-Chef. Worauf blicken Sie mit Stolz zurück?

Wir haben den Aufstieg geschafft, die Ausgliederung und einen Ankerinvestor gefunden, um den uns die ganze Liga beneidet. Wir haben im Vorjahr Platz 15 geplant, Platz 7 erreicht. Wir haben in den Gremien klare Strukturen und Verantwortlichkeiten, Aufsichtsrat und Vorstand haben nach Jahren wieder die Entlastung der Mitglieder bekommen. Am meisten aber freut mich die Entwicklung im Jugendbereich, wo wir nach einem jahrelangen Aderlass auch im Trainerbereich wieder aufgeholt haben: Unsere U19, die 2017 noch fast abgestiegen wäre, ist Erster, die B-Junioren sind Vierter, kürzlich sagte mir ein Nationaltrainer, er halte sie für das stärkste deutsche Team. Wir haben in beiden Jahrgängen drei große Talente, die wir mittelfristig in den Kader integrieren wollen. Wir haben in NLZ-Chef Thomas Hitzlsperger einen Topmann als Nachwuchs-Verantwortlichen akquiriert, und auch neue Sponsoren gefunden, die das NLZ und die VfB-Akademie unterstützen, wo sich Talente auch schulisch und beruflich fortbilden können.

Guido Buchwald
Verlässt den VfB-Aufsichtsrat: Guido Buchwald (Foto: Patrick Seeger / DPA)

In der Causa Guido Buchwald, der beleidigt aus dem Aufsichtsrat zurücktrat, gab der VfB in der Öffentlichkeit allerdings keine gute Figur ab. Was ist da passiert?

Ich habe Guido Buchwald vor zwei Jahren – gegen die Bedenken anderer – in den Aufsichtsrat integriert, als Sport-Vertreter der mittleren Generation neben Hermann Ohlicher und Thomas Hitzlsperger im Präsidium. Der Fall war auch ein Beispiel für Ursache und Wirkung. Guidos öffentlicher Kommentar im Herbst – dass Tayfun Korkuts und Holger Badstubers Vertragsverlängerungen ohne Wissen des Aufsichtsrats vorgenommen wurden –, war unglücklich. Es war auch schlicht falsch. Guido hat sich danach öffentlich entschuldigt. Trotzdem war das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und ein, zwei anderen Aufsichtsratsmitgliedern beschädigt und offenbar nicht mehr zu kitten. Guido hätte noch eine Nacht drüber schlafen können, das wollte er aber nicht, er hat seine Entscheidung getroffen. Eins ist aber sicher: Kein Mensch hat Guido ernsthaft die Schuld gegeben, dass wir 16. sind. Klar wirft das kein gutes Bild auf den Club, aber da kannst du als Chef des Aufsichtsrats nichts machen. Das war nicht zu ändern.

Manche Fans und Experten wünschen sich mehr sportliche Kompetenz beim VfB, auch in Form von Ex-Spielern – sind Jürgen Klinsmann und Karl Allgöwer Optionen?

Es ist ein Riesen-Unterschied, ob ich Fußballkompetenz habe und mich zu aktuellen Entwicklungen äußere oder ob ich Verantwortung trage, handeln muss und bei Fehlern auch hinstehen kann und will. Was wir brauchen und auch suchen, ist ein technischer Direktor, der nahe am Trainer und den Spielern ist und den Sportvorstand in der Kaderplanung unterstützt.

Melden sich diese verdienten Ex-Spieler eigentlich auch bei Ihnen, um direkt zu kritisieren, oder tun sie das nur übers Fernsehen?

Wissen Sie, jetzt zeig ich Ihnen was (Dietrich zückt sein Handy). „Lieber Herr Dietrich, ich hätte meine Kritik nicht öffentlich äußern sollen, ich wollte nicht draufhauen und negativ sein und dem VfB damit nicht schaden.“ Diese Entschuldigung habe ich heute Morgen bekommen.

Kein gutes Bild gab der VfB in der Causa Pablo Maffeo ab. Sie haben ihn als Flop bezeichnet, nun plant Stuttgart doch weiter mit ihm ...

Diese Aussage wurde verkürzt und falsch wiedergegeben, manchmal würde ich mir von Journalisten mehr Genauigkeit wünschen. Ich habe Folgendes gesagt: „Er steht gerade quer im Stall, aber ich bin überzeugt, wir kriegen das mit ihm hin. Wenn wir es nicht hinbekommen, dann war er ein Flop.“ Maffeo ist ein Riesen-Fußballer, umso schwerer ist es zu verstehen, dass er in seiner persönlichen Entwicklung noch Defizite hat. Der Trainer hat Pablo suspendiert, inzwischen trainiert er wieder mit dem Team und präsentiert sich gut. Ich habe in 45 Jahren noch nie einen Mitarbeiter öffentlich in den Senkel gestellt. Aber Fußballer haben eine öffentliche Rolle, von der sie auch profitieren und da darf man als Präsident auch mal äußern, wenn das Fass überläuft.

Wenig gesagt haben Sie über Manager Jan Schindelmeiser, viele Fans verstehen seine Entlassung 2017 noch immer nicht – zumal Nachfolger Michael Reschke nicht von Glück beseelt ist bei den Transfers.

Jan Schindelmeiser war schon da, als ich kam, aber wenn die, die ihn verpflichteten, wenn also unabhängig von mir fünf Menschen ein Jahr später einstimmig zum Ergebnis kommen: „Es geht nicht mehr“, dann sollte man ihnen vertrauen. Ich bin keiner, der Entscheidungen willkürlich fällt.

Benjamin Pavard
Soll schon im Winter zum FC Bayern wechseln: Benjamin Pavard. (Foto: Patrick Seeger / DPA)

Immerhin hat er Mané, Zieler und Weltmeister Benjamin Pavard geholt, der dank der Bayern-Ablöse quasi ein weiterer Investor wird ...

An der Verpflichtung von Pavard waren viele beteiligt. Aber es stimmt: Pavard wurde in seiner Ära verpflichtet. Die hohe Ablöse kommt dadurch zustande, dass sein Nachfolger (Michael Reschke, die Red.) den Vertrag frühzeitig mit einer entsprechenden Änderung verlängert hat. Inzwischen haben wir einen Kader, der noch jünger ist als im Aufstiegsjahr und dessen Wert immens gestiegen ist.

Der aber leider zuweilen den Anschein macht, als ob er das Fußballspielen verlernt hat.

Das kann sein, nur: Alle Experten sagten im August, unser Kader sei stärker. Wir haben aus einer Mannschaft, die Rückrundenzweiter war, nur Daniel Ginczek verloren. Wir wollten ihn halten, doch als Wolfsburg ihm einen hoch dotierten Vierjahresvertrag vorlegte inklusive 14 Millionen Euro Ablöse, wollten wir nicht nachziehen, das hätte unser Gehaltsgefüge gesprengt. Wir haben dann für die Offensive Gonzalez und Didavi verpflichtet. Zudem holten wir Castro, Kempf und drei Talente für die Zukunft.

Aber kein Neuer schlug ein.

Der Saisonstart war für viele ein Schock – und hat uns peu à peu Selbstvertrauen gekostet. Letztes Jahr unter Tayfun Korkut haben wir Spiele gewonnen, die man quasi nie gewinnt – Höhepunkt der 4:1-Sieg in Bayern, der fast kontraproduktiv war. Heute verlierst du Spiele, die du nie verlieren darfst, und zu viele Spieler kommen noch nicht an ihr Potenzial heran. Der junge Nicolás González zum Beispiel hat fast alle Spiele gemacht, das war nie geplant, er sollte in Ruhe aufgebaut werden. Aber wir waren Rückrundenzweiter, mit dem gleichen Team und Vorstand. Jetzt behaupten einige, wir hätten alles verlernt, aber ich kann nur davor warnen, vorschnell Schuldige zu suchen. Wir müssen Ruhe bewahren – das Beispiel Gladbach, das im Vorjahr lange im Abstiegskampf war, sollte unser Vorbild sein.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Die Mannschaft kämpft, sie gibt alles, charakterlich stimmt es. Sie kam nach dem 0:3 gegen Mainz zurück und hätte fast noch den Ausgleich geschafft. Die Leistung in München hat mir über weite Strecken imponiert, gegen Freiburg hat die Mannschaft das Spiel gedreht und sogar mit den überragenden Laufwerten des Gegners mitgehalten. In punkto Fitness haben wir unsere Rückstände aufgeholt – nur der Befreiungsschlag lässt noch auf sich warten.

 Grün ist die Hoffnung: Maskottchen Fritzle tröstet VfB-Sorgenkind Pablo Maffeo.
Grün ist die Hoffnung: Maskottchen Fritzle tröstet VfB-Sorgenkind Pablo Maffeo. (Foto: dpa)

Sie müssen ja zweigleisig planen. Wie schlimm wäre der Abstieg – würde er den Club genauso in den Grundfesten erschüttern wie 2016?

Es gibt zehn, zwölf Vereine, die die Lizenz für die 2. Liga beantragen müssen – wir sind einer davon, und würden sie ohne Auflagen bekommen. 2016 war die Situation prekärer, heute stehen wir finanziell wesentlich besser da, auch mit dem Kader. Ein Abstieg wäre nicht das Ende, aber sportlich wäre es ein Riesen-Rückschlag, würde unsere Entwicklung massiv beeinträchtigen.

Kommt im Sommer ein zweiter Investor, auch wenn der VfB absteigt?

Wir befinden uns mit zwei Partnern in aussichtsreichen Gesprächen, die bis 30. Juni positiv abgeschlossen sein sollten – auch bei einem Abstieg. Ein Partner, der so einen Fall nicht akzeptiert, wäre auch der falsche. Wir hätten dann knapp 20 Prozent der AG-Anteile veräußert und zusätzlich 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Ein regionaler Partner – wie angedeutet – wäre der französische Vermarkter Lagardère eher nicht.

Auch wenn es manche behaupten: Das haben wir nie versprochen. Ich sagte: Ein Investor aus der Region wäre wunderbar, Priorität aber hat, dass uns der Partner strategisch nach vorne bringt. Ich werde keine Namen kommentieren, Fakt ist: Einfach einen Geldgeber zu finden, ist zurzeit leichter möglich. Wenn wir aber einen Investor finden, der auch Knowhow bringt in einem Bereich, in dem wir als Fußballverein Defizite haben, dann wäre das eine großartige Lösung.

Würden Sie unterschreiben, würde man Ihnen Platz drei und zwei Endspiele in der Relegation garantieren?

Nein, Platz 15, das würde ich unterschreiben. Ich fordere alle auf: Lasst uns die Saison gemeinsam zu Ende bringen und nicht gegeneinander kämpfen. Die Gegner sind andere.

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