Kritik an Feier trübt Inters erfüllten Meisterschaftstraum

Deutsche Presse-Agentur
Johannes Neudecker

Vor dem Dom der italienischen Metropole Mailand brennen bengalische Lichter. Ein Meer aus dunkelblau gekleideten Fußball-Fans brüllt: „Wir sind Meister Italiens!“

Am Sonntag hatte Inter Mailand Gewissheit: Nach elf Jahren holte der Club vorzeitig die ersehnte Meisterschaft in der Serie A. Dauersieger Juventus Turin um Superstar Cristiano Ronaldo ist damit abgelöst.

Entscheidend war, dass Verfolger Atalanta Bergamo seine Auswärtspartie gegen Sassuolo Calcio (1:1) nicht gewann und Inter um Trainer Antonio Conte vier Spieltage vor Saisonende also nicht mehr überholen kann. Für die Inter-Anhänger gab es deshalb kein Halten mehr. Corona und die Verhaltensregeln schienen an diesem Tag egal gewesen zu sein. Ungefähr 30.000 Fans tummelten sich dicht gedrängt und teils ohne Mund-Nasen-Bedeckung im Zentrum der lombardischen Hauptstadt. Inter hatte über seine Social-Media-Kanäle noch zu „verantwortungsvollem“ Feiern aufgerufen.

Autokorsos mit Fahnen schwenkenden Nerazzurri-Fans schoben sich durch verstopfte Straßen. Mittendrin war auch ein jubelnder Romelu Lukaku, Inters Top-Torjäger. „Eure Unterstützung bedeutet uns alles“, richtete der 27-Jährige via Instagram den Fans aus. Die ausgelassene Feier sorgte jedoch schnell für scharfe Kritik - die traf unter anderen den Bürgermeister Mailands, Giuseppe Sala. Auf dessen Facebookseite beschwerten sich viele Bürger, dass die Inter-Anhänger trotz Corona feiern durften, andere Leute jedoch nicht.

Man könne die Freude zwar verstehen, doch in Anbetracht von landesweit mehr als 121.000 Corona-Toten sollten solche Ansammlungen vermieden werden, sagte ein Experte des Gesundheitsministeriums am Montag im italienischen Fernsehen. Die Lombardei wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Nordöstlich von Mailand liegt die Stadt Bergamo, die wegen ihrer vielen Corona-Opfer traurige Bekanntheit erlangte. Regionalpräsident Attilio Fontana hoffte, dass durch die Massen-Fanfeier die Ansteckungszahlen nicht in die Höhe gehen, wie er am Sonntagabend sagte.

Der Meister gleich in der Kritik - so hatten sich die Inter-Fans das vermutlich nicht vorgestellt. Ihr Titelgewinn markiert ein Ende der Dominanz von Juventus Turin. La Vecchia Signora („Die alte Dame“), wie der Club in Italien auch genannt wird, holte in den neun vorangegangenen Spielzeiten den Scudetto. Inters bis dato letzter Titel datiert auf die legendäre Saison 2009/10. Damals gewannen sie unter Coach José Mourinho das Triple: die Meisterschaft, den Pokal und die Champions League.

Wenn es nach dem Argentinier Diego Milito, einem Spieler des damaligen Triple-Erfolgsteams, ginge, ist Inter mit dem Titel auf dem richtigen Weg. Mit zwei, drei Neuzugängen könnte der Club wieder in Europa mithalten, wie er dem „Corriere della Sera“ sagte. Inter-Legende Giuseppe Bergomi hob im „Kicker“ die Rolle von Trainer Conte hervor. „Antonio hat ein stets kompliziertes Umfeld kompakt zusammengehalten. Immer wenn Inter Erfolge feierte, gab es eine starke Hand in der Kommando-Zentrale.“

© dpa-infocom, dpa:210501-99-431760/11

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