IHF-Präsident startet Untersuchungskommission

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Deutsche Presse-Agentur

Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa hat sich erstmals zu den Manipulations-Vorwürfen im Handball geäußert und die Einberufung einer Untersuchungskommission angekündigt.

„Die Anschuldigungen sind neu für unseren Sport, allerdings sind sie bislang auch noch nicht bewiesen worden. Die IHF befasst sich nicht mit Anschuldigungen, sondern nur mit Fakten“, sagte Moustafa der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Angelegenheit wurde an den Präsidenten der IHF-Schiedsrichter- Kommission, Christer Ahl, weitergeleitet. „Er wird eine neutrale Kommission einberufen, die selbst ermitteln wird und sich betreffende Spiele anschaut, um zu bewerten, ob absichtlich Fehler gemacht wurden oder nicht“, erklärte Moustafa. Sollten sich die Anschuldigungen jedoch erhärten, will der umstrittene Präsident hart durchgreifen: „Die Ergebnisse werden von der Schiedsrichter- Kommission dem IHF-Rat präsentiert, der dann eine abschließende Entscheidung trifft, die bis zu einem Ausschluss der Schiedsrichter aus dem IHF-Pool gehen kann.“

Am selben Tag äußerte der Geschäftsführer der Vereinigung der 16 mächtigsten europäischen Handball-Clubs, Gerd Butzeck, scharfe Kritik an Moustafa. „Unser Präsident ist untragbar“, sagte der GCH-Chef in einem Interview mit „stern.de“. Butzeck machte den IHF- Präsidenten als „Kern des Problems“ aus. Man habe im Weltverband einen Präsidenten, „der eigenmächtig Schiedsrichteransetzungen geändert hat, was dann wegen Schiebung des Spiels zur Neuansetzung des Olympia-Qualifikationsturniers führte; der über 500 000 Schweizer Franken aus der Verbandskasse genommen hat, ohne jeweils Belege abzuliefern“, sagte Butzeck. „Mit so einem Menschen an der Spitze dürfen wir uns nicht wundern, wenn im Handball jetzt ständig die Rede von Korruption und Bestechung ist.“

Butzeck ist vor allem die Nähe der Schiedsrichter zu den Vereinen ein Dorn im Auge. Den Ist-Zustand im Handball beschreibt er so: „Man holt sie vom Flughafen ab, dann gibt es meist eine Stadtrundfahrt, sie werden zum Abendessen eingeladen, ins Hotel gebracht und am nächsten Tag wartet das Shuttle zum Flughafen.“ Gleichzeitig zeigt er Beispiele auf, dass es auch anders geht: „Im Fußball haben Schiedsrichter seit Jahren keinen Kontakt mehr zu den Vereinen. Im Basketball gehen sie noch einen Schritt weiter: Da ist im Vorfeld gar nicht bekannt, wer das Match pfeift.“ Und Butzeck fragt sich, warum Handball-Schiedsrichter immer im „Doppelpack“ antreten müssen: „Warum kann nicht, wie im Basketball, mal ein Pole zusammen mit einem Dänen pfeifen?“

Die Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Sylvia Schenk, schlug in einem Interview der „Stuttgarter Nachrichten“ vor: „Bei den Handball-Schiedsrichtern würde ich die Ansetzungen für die Spiele erst ganz kurzfristig bekanntgeben und schnell ein Rotationsverfahren einführen, um die Paare durchzumischen.“ Zudem sprach sie sich für strenge Ethik-Codes aus. Der Sport sei „nicht besser als der Rest der Gesellschaft. Je mehr Geld im Spiel ist, desto größer ist die Versuchung zu betrügen“.

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