IAAF-Präsident Diack erbost über Digel

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Deutsche Presse-Agentur

IAAF-Präsident Lamine Diack hat das deutsche Councilmitglied Helmut Digel nach dessen Generalabrechnung mit der Leichtathletik hart attackiert.

„Das war verantwortungslos. Denn Helmut Digel ist immerhin Vorsitzender der Marketing-Kommission unseres Weltverbandes“, sagte der 75-jährige Senegalese in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. „Wenn das seine Meinung ist, braucht er nur seinen Rücktritt einzureichen. Dann soll sich ein anderes Councilmitglied, das weniger kompetent ist, um diese Dinge kümmern.“ Eine Absage erteilte Diack einer Verkürzung der Weltmeisterschaft von bisher neun auf sechs Tage.

Der Tübinger Sportsoziologe Digel hatte den Niedergang der Leichtathletik („Prozess der Selbstauflösung“) angeprangert, der IAAF Reformunfähigkeit vorgeworfen und die Diskussionen in den Entscheidungsgremien des Weltverbandes als „sportpolitisches Palaver“ abgetan. „Zum Glück haben sie einen außergewöhnlichen Mann, der Helmut Digel heißt und der der Retter ist“, sagte Diack verärgert, „er wird uns vielleicht zeigen, wo es lang gehen muss.“ In einem Gespräch am 16. März habe er den Deutschen allerdings zur Rede gestellt. „Ich habe ihm den Kopf zurecht gerückt. Ich glaube, dass er seine Haltung ändern wird“, meinte Diack, der die IAAF-Councilsitzung in der WM-Stadt Berlin leiten wird.

Die auch von Digel angemahnte Reform des WM-Programms wird zwar ein Thema sein, für das IAAF-Oberhaupt ist aber die Komprimierung des Sportgeschehens von neun auf sechs Tage kein Thema. „Ich bin dagegen, dass die WM auf sechs Tage verringert wird“, erklärte Diack. „Man kann doch bei der WM 2011 im südkoreanischen Daegu nicht sechs Veranstaltungstage und 2012 bei den Olympischen Spielen in London dann neun haben.“ Das Fernsehen erwarte so eine Verkürzung und fordere für die Final-Nachmittage ein zweistündiges Programm.

„Wir machen unsere WM nicht für das Fernsehen, sondern für unsere Sportler“, konterte Diack. „Bei den Olympischen Spielen in Peking hat man gesehen, dass die Zuschauer begeistert sind und die Leidenschaft neun Tage anhält.“ Festhalten will er auch an den 47 Disziplinen der Leichtathletik: „Wir werden nichts aus dem Programm rausnehmen.“ Es gebe aber gute Vorschläge für eine inhaltliche Neugestaltung der WM. So müssten die besten Athleten vielleicht nicht alle Vorkämpfe mitmachen, die Finals könnten von zwölf auf acht Teilnehmer beschränkt werden. „Wichtig ist, dass wir die Universalität unseres Sports erhalten“, forderte Diack. Die IAAF hat 213 Mitgliedsländer.

Bei der WM vom 15. bis 23. August in Berlin wird noch alles nach dem herkömmlichen Programmschema ablaufen. Dessen ungeachtet hat Diack große Erwartungen an die zweiten Welttitelkämpfe in Deutschland nach 1993 in Stuttgart: „Ich erwarte eine Bestätigung dessen, was wir bei den Olympischen Spielen in Peking gesehen haben. Es wird ein großes Fest werden.“

Für die IAAF ist die WM vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise auch die Bühne, um das Fernsehen und die Sponsoren weiter für die Leichtathletik zu gewinnen. „Wir stehen wieder vor einer Wende wie bei der WM 1999 in Sevilla. Viele unserer Marketing- und Fernsehverträge laufen aus“, sagte Diack. „In Berlin können wir unseren Sponsoren und dem Fernsehen zeigen, was wir wert sind.“

Sicher ist er sich, dass sich die deutschen Athleten bei der Heim- WM gut verkaufen werden. „Ich bin davon überzeugt, dass die Deutschen eine gute Rolle spielen werden“, sagte er. „Seit der Wahl von Berlin warten sie auf die WM, das wird sich in guten Ergebnissen niederschlagen - auch mit der Gunst der Stunde und der Gunst des Ortes.“

Zuversichtlich ist der IAAF-Präsident, dass Berlin nach der WM mit dem ISTAF zur neuen internationalen Meeting-Serie „Diamond League“ gehören wird. „Es wäre unverständlich, wenn das ISTAF verschwinden würde, weil es kein Geld dafür gibt“, betonte Diack. Bisher haben 13 Meetings für die neue Weltliga zugesagt. „Aber wir warten auf Berlin und Rom. Es werden schon 15 werden.“

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