IAAF lässt Chambers laufen

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Deutsche Presse-Agentur

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF lässt Doping- Sünder Dwain Chambers laufen. „Nach derzeitigem Stand können wir nichts unternehmen“, sagte IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss.

Seine Rechtsexperten hatten das Buch „Race Against Me“ des umstrittenen Sprinters, in dem er seinen umfänglichen Drogen- Konsum bis zum positiven Test 2003 enthüllt hat, geprüft. Danach musste der Plan verworfen werden, den Briten wegen Rufschädigung an der Leichtathletik aus dem Verkehr zu ziehen. Damit ist nun der Weg für einen fragwürdigen Höhepunkt der Weltmeisterschaft im August in Berlin frei: Dem Duell zwischen Chambers und Weltrekordler Usain Bolt (Jamaika) steht nichts mehr im Weg.

„Ich möchte bei der WM lieber einen Athleten als Sieger sehen, der nicht schmutzig gelaufen ist“, sagte Weiss. Obwohl der 30-jährige Chambers in seiner Autobiografie zugibt, über 300 verbotene Substanzen in verschiedenen Kombinationen eingenommen zu haben und ein „wandelnder Junkie“ gewesen zu sein, können ihm die IAAF-Juristen nicht nachweisen, damit den Sport in Misskredit gebracht zu haben. „Wenn es spezifische Attacken gegen die IAAF enthalten hätte, könnte man dagegen klagen, doch die gibt es nicht“, so Weiss.

Möglich wäre, dass die anberaumte Befragung von Chambers durch den britischen Leichtathletik-Verband U.K. Athletics der IAAF neue Erkenntnisse liefert. „Es wird eine strenge Anhörung sein. Wir haben gebeten, dass wir einen Bericht darüber bekommen“, sagte IAAF-Sprecher Nick Davies.

Nicht zufrieden ist auch der britische IAAF-Vizepräsident Sebastian Coe mit dem bisherigen Ausgang der Buch-Prüfung. „Überführt ist jemand des Dopings, wenn er positiv getestet wurde“, sagte der frühere Mittelstrecken-Olympiasieger und -Weltrekordler, „wenn ich aber weiß, was jemand getan hat und er weiterläuft, bin ich nicht glücklich.“

Auch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) blickt dem WM- Auftritt von Chambers in Berlin mit reduzierter Vorfreude entgegen. „Wenn man so exzessiv Doping-Mittel genommen hat wie Chambers, kann man ihn nicht zu den Idolen rechnen“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Mit Blick auf den möglichen WM-Zweikampf Bolt gegen Chambers ergänzte er ironisch: „Es wird ein spannendes Rennen werden.“

Die IAAF verzichtet auch darauf, Chambers mit Hilfe des Geldes „Fußfesseln“ anzulegen. Der Weltverband hat insgesamt 240 000 Dollar an Prämien von ihm zurückverlangt und rund die Hälfte erhalten. Erwägungen, Chambers bis zur Zahlung des Restgeldes zu suspendieren, wurden jedoch verworfen. „Chambers zahlt seit 2006 einen gewissen Prozentanteil seiner nun gewonnenen Preisgelder an uns“, so Weiss. „Und wenn er nichts verdient, zahlt er nichts.“

Die europäischen Meeting-Organisatoren haben Chambers, der vor zwei Wochen bei der Hallen-Europameisterschaft in Turin den Titel über 60 Meter in Europarekordzeit von 6,42 Sekunden gewonnen hat, seit Ablauf der Sperre nicht mehr eingeladen. Ausgerechnet beim Golden-League-Meeting ISTAF Berlin am 14. Juni könnte der Bann aufgehoben werden. ISTAF-Chef Gerhard Janetzky hat signalisiert, ihn starten zu lassen. „Der Fall Chambers zeigt die Zwiespältigkeit der Diskussion. Einerseits werden Athleten ermuntert, sich vom Doping zu trennen, andererseits hat man Bedenken, sie zu integrieren“, sagte Prokop.

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