HSV steht sich im Titelkampf selbst im Weg

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Deutsche Presse-Agentur

Als Karlsruhes Last-Minute-Torschütze Sebastian Freis den Wildpark in ein Tollhaus verwandelte, herrschte beim entzauberten Titelkandidaten Hamburger SV blankes Entsetzen.

„Dafür gibt es keine Entschuldigung“, schimpfte HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer nach dem bitteren 2:3 (1:0) beim abstiegsbedrohten KSC. Selbst eine 2:0-Führung hatte dem Dino der Fußball-Bundesliga nicht gereicht - der Meisterschaftsanwärter stand sich selbst im Weg. Die freudetrunkenen Badener hingegen konnten ihr Glück kaum fassen. „Für uns ist das ein brutal wichtiges Ergebnis“, urteilte Coach Edmund Becker nach dem „Happy-End in der 92. Minute“.

Ihren Sündenbock hatten die Hamburger schnell gefunden: Der Däne Michael Gravgaard, als einziger der sechs Winter-Neuzugänge in der Startelf, verschuldete bei seiner Premiere zwei der drei Gegentore. „Das war kein guter Einstand“, monierte Trainer Martin Jol. Dabei war für den mit dem 1:0 gegen Bayern München glänzend in die Rückrunde gestarteten HSV vor 28 368 Zuschauern lange alles nach Plan gelaufen. Paolo Guerreros frühem 1:0 (7. Minute) ließ Collin Benjamin nach der Pause das 2:0 (48.) folgen. Dank des Hoffenheimer Rückstands in Mönchengladbach waren die Gäste zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer. „Vielleicht war es ein bisschen zu leicht“, meinte Jol.

Denn statt des Gipfelsturms folgte der Sturz ins Jammertal. Doppel-Torschütze Freis (48./90.+2) und KSC-Rückkehrer Giovanni Federico (53.) bestraften den halbherzigen Favoriten. „Wir müssen diese Fehler abstellen. Nur dann haben wir eine Chance im Titelrennen“, mahnte HSV-Mittelfeldspieler Piotr Trochowski. Die Gründe für die Pleite waren offensichtlich: Zu wenig Biss, zu wenig Spielwitz, zu viele leichte Ballverluste. Zusätzlichen Ärger bei den Hamburgern verursachte die umstrittene Rote Karte gegen Top-Torjäger Mladen Petric nach einem Stoß gegen Marco Engelhardt (76.), der wenig später selbst Gelb-Rot sah (82.). „Das ist eine Lektion für Mladen. Da muss er cool bleiben“, sagte Jol.

„Wir dürfen jetzt nicht alles wegschmeißen, was wir uns aufgebaut haben“, warnte Abwehrchef Joris Mathijsen. Beiersdorfer indes stellte lapidar fest: „Es hat ja keiner behauptet, dass wir dominant Richtung Meistertitel laufen. Jetzt muss man sich ein paar Mal schütteln und dann geht es weiter.“

Die Gastgeber hingegen genossen das in dieser Saison so seltene Glücksgefühl des Sieges in vollen Zügen. Manager Rolf Dohmen hüpfte mit geballten Fäusten auf dem Rasen umher, die Spieler lagen sich minutenlang in den Armen und sogar der verletzte Kapitän Maik Franz führte an Krücken ein Tänzchen auf. „Es war viel Glück dabei, das uns in den letzten Wochen einfach gefehlt hat“, sagte Verteidiger Andreas Görlitz nach zuvor nur einem Sieg aus elf Spielen.

„Wir sind dafür belohnt worden, dass wir immer an uns geglaubt haben“, erklärte Matchwinner Freis. „Das kann eine Wende sein“, glaubt Federico. Coach Becker hatte nach dem unverhofften Punkte- Dreier längst die nächsten Aufgaben im Visier: „Wir müssen auch schauen, dass wir gegen Mannschaften, die sich mit uns auf Augenhöhe befinden, punkten. Das sind die ganz wichtigen Spiele.“

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