HSV eröffnet die Bayern-Jagd ohne Olic

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Deutsche Presse-Agentur

Der heimstarke Hamburger SV eröffnet zum Rückrundenstart die Jagd auf den FC Bayern und verspricht einen packenden Thriller gegen den formstarken Rekordmeister.

„Wir können mit einem Sieg Tabellenführer werden“, frohlockt Bernd Hoffmann, der Vorstandschef des Bundesliga-Vierten, der mit 33 Punkten nur zwei Zähler hinter den Münchnern lauert. Dem Rekordmeister reicht schon ein Punkt, um vorübergehend Erster zu werden. „Aber wir wollen drei Punkte. Die Mannschaft ist höchstmotiviert und will so schnell wir möglich an die Tabellenspitze“, sagte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, „allerdings ist der HSV ein schwerer Brocken.“

„Ich habe keine Angst vor den Bayern, wir spielen daheim“, führt HSV-Coach Martin Jol an, „es könnte ein richtiger Thriller werden, der uns viel Freude machen wird“. Der HSV wartet zwar ohne den gesperrten Torgaranten Ivica Olic auf, dafür aber mit der glänzenden Heimspielbilanz von 22 der möglichen 24 Hinspielpunkte und will nach dem 3:1-Pokalsieg gegen 1860 seine Münchner Woche krönen.

„Ich glaube, dass der HSV eine schwere Konkurrenz für uns um den Titel sein wird“, zollte Bayern-Manager Uli Hoeneß dem Konkurrenten freundlich Respekt. Doch nach dem überragenden 5:1-Pokaltriumph in Stuttgart träumen die Bayern vom Titel-Triple, auch wenn die Arroganz-Debatte zwischen Hoeneß und Franck Ribéry für Zündstoff sorgt. Mit dem verschossenen Elfmeter in Stuttgart verärgerte der Franzose die Bosse. Hoeneß („Das ist Cirque du soleil“) erteilte dem Ball-Artisten Zirkusverbot: „Das muss er abstellen.“

Doch der Star lässt sich von Hoeneß nichts sagen. „Sollte der Manager ein Problem mit mir haben, soll er es mir persönlich sagen“, so Ribéry, „wenn ich Lust habe, einen Elfmeter wieder so zu versuchen, werde ich es auch tun. Und wenn es gegen den HSV wieder einen Elfmeter gibt, werde ich diesen schießen.“ Klinsmann ließ am Donnerstag die Elfmeterfrage offen. „Das werden die Jungs unter sich ausmachen“, sagte er auf der Vereins-Internetseite.

Ungeachtet des Elfmeter-Zoffs um Ribéry, der mit der erneuten Forderung nach Verstärkungen für zusätzlichen Unmut in der Chefetage sorgt, treten die Bayern mit stolzer Brust und dem Gefühl der Unbesiegbarkeit in Hamburg an. „Wir können noch besser spielen“, sagt Bastian Schweinsteiger mit beinahe drohendem Unterton. „Uns stoppt keiner in der Liga“, behauptet Philipp Lahm. Kapitän Mark van Bommel hat noch den Stuttgarter Arroganz-Anfall von Ribéry im Kopf und warnt: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht überheblich werden.“ Der Niederländer hat seine Wadenverhärtung auskuriert und ist ebenso einsatzfähig wie Christian Lell (Kapselverletzung im Daumen), der erneut den gesperrten Massimo Oddo auf der rechten Abwehrseite vertritt. Beim HSV bekommt für Olic der Ex-Bayer Paolo Guerrero seine Chance.

Die aktuelle Bilanz gegen den HSV ist seit der Saison 2005/06 schlechter als gegen jeden anderen Erstligisten: In den letzten sieben Partien gelang den Bayern nur ein Sieg, daneben gab es je drei Unentschieden und Niederlagen. „Wir sind hungrig nach Titeln und wollen die Bayern jagen“, sagte Hoffmann, auch wenn er zugibt, dass der Konkurrent wirtschaftlich weit voraus ist: „Auf Augenhöhe zu kommen, das kann für den HSV zehn bis 15 Jahre dauern.“

Man könne sich beim Gehaltsgefüge für den Profi-Kader nicht mit den Bayern messen, auch wenn der HSV in den vergangenen sechs Jahren den Umsatz um beinahe 100 auf 160 Million Euro erhöht habe. „Damit wird der HSV in diesem Jahr mit weitem Abstand die Nummer zwei der Liga“, betonte der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

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