HSV-Chef Hoffmann: „Mit einem Sieg Tabellenführer“

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Deutsche Presse-Agentur

Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, sieht den FC Bayern München auf Jahre in einer nicht aufzuholenden wirtschaftlichen Spitzenposition.

„Die Entwicklung braucht seine Zeit. Auf Augenhöhe zu kommen, das kann für den HSV zehn bis 15 Jahre dauern“, sagte Hoffmann in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Man könne sich beim Gehaltsgefüge für den Profi-Kader nicht mit den Bayern messen, auch wenn der HSV in den vergangenen sechs Jahren den Umsatz um beinahe 100 auf 160 Million Euro erhöht habe. „Damit wird der HSV in diesem Jahr mit weitem Abstand die Nummer zwei der Liga“, betonte der 46- Jährige.

Als der HSV zum Auftakt der Hinrunde mit seinem neuen Trainer Martin Jol ein 2:2 bei Bayern München erreichte, wurde eine Fußball-Euphorie in Hamburg entfacht. Nun sind Sie nur zwei Punkte hinter den Bayern und bisher zu Hause ungeschlagen. Wie wichtig ist die Partie am Freitag?

„Wir können mit einem Sieg Tabellenführer werden. Das dürfte Motivation genug für unsere Mannschaft sein. Das 2:2 im Hinspiel war ein gutes Vorzeichen für die gesamte Hinrunde, eine Initialzündung. Das wollen wir am Freitag wiederholen.“

Im vergangenen Jahr hatten Sie zur Rückrunde unter Huub Stevens eine ähnlich positive Ausgangsposition. Doch der HSV hat seit 1987 keinen Titel geholt und oft in entscheidenden Situation gute Platzierungen verspielt. Wie sehr wurmt Sie das?

„Natürlich wurmt mich das sehr. Was sich durch die HSV- Geschichte seit dem letzten Pokal-Sieg zieht ist die fehlende Galligkeit in den entscheidenden Momenten, dieser absolute Wille, das Maximum zu erreichen. Martin Jol ist ein ganz wichtiger Baustein auf unserem Weg dahin, er strahlt diesen Wunsch nach Titeln, die Leidenschaft und Besessenheit aus.“

Wann wird es dem HSV möglich sein, Spieler wie Ivica Olic zu halten und Gehälter wie Bayern zu zahlen?

„Die Entwicklung braucht Zeit. Auf Augenhöhe mit den Bayern zu kommen, das kann für uns noch zehn bis 15 Jahre dauern. Unser Gehaltsgefüge für den Profi-Kader kann sich nicht mit dem der Bayern messen lassen, auch wenn wir in den vergangenen sechs Jahren den Umsatz um beinahe 100 Millionen auf 160 Millionen Euro erhöht haben. Damit werden wir in diesem Jahr mit weitem Abstand die Nummer zwei der Liga.“

Fehlt dem HSV nicht ein weiterer deutscher Nationalspieler? Hätten Sie sich stärker um Lukas Podolski bemühen müssen?

„Wir haben einiges unternommen, um den Spieler zum HSV zu holen, da können Sie versichert sein. Nun müssen wir uns unseren eigenen Lukas bauen.“

Ihr Trainer macht kein Geheimnis daraus, dass er Münchens Kapitän Mark van Bommel gern im Team hätte.

„Mark van Bommel möchte gern in München bleiben.“

Wie beurteilen Sie die Millionen-Angebote von Manchester City und den 20-Millionen-Verkauf von Nigel de Jong in Zeiten wirtschaftlicher Zwänge?

„Profifußball ist die wohl kapitalistischste Veranstaltung, die die Wirtschaft zu bieten hat. Da regeln Angebot und Nachfrage fast alles. Ich will das moralisch nicht bewerten.“

Interview: Britta Körber und Franko Koitzsch, dpa

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