HSV auf Höllen-Trip nach Istanbul

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Deutsche Presse-Agentur

Ohne seinen Tor-Garanten Mladen Petric macht sich der Hamburger SV auf den Weg in die Fußball-Hölle. Im Stadion von Galatasaray Istanbul, genannt „Hölle der Löwen“, will der Bundesligist trotz des 1:1 im Hinspiel den Einzug in das Viertelfinale des UEFA-Pokals schaffen.

„Das ist schwierig, aber machbar“, lautet die Vorgabe von Trainer Martin Jol vor der Begegnung am 19. März. Unmittelbar nach dem Hinspiel hatte der Coach die Ausgangslage noch als schlecht bezeichnet. Doch der Optimismus wächst von Tag zu Tag. Jetzt glaubt Jol: „Die Chancen stehen 50:50.“ Mut macht die Auswärtsbilanz: Vier Siege aus vier Partien gab es für den HSV in der Fremde, kein anderes Team war im UEFA-Cup so erfolgreich.

Das Gastspiel am Bosporus bereitet den Hamburgern jedoch Unbehagen. Das Ali-Sami-Yen-Stadion des türkischen Rekordmeisters ist mit 23 785 Plätzen zwar klein, aber den Rivalen kann bei der geradezu fanatischen Stimmung im Rund schon angst und bange werden. „Die werden beeindruckt sein und ziemlich gucken“, verspricht der deutsche U-21-Nationalspieler Baris Özbek mit diebischer Freude. „Wir werden draufgehen und zeigen, was unsere wirkliche Stärke ist.“ HSV-Trainer Jol wehrt den Angriff auf die Psyche seiner Akteure ab. „Wir sind doch keine Amateure. Die meisten Spieler haben damit Erfahrung. Aber natürlich werden wir vorher darüber sprechen.“

Fußball-Urgestein Karlheinz Feldkamp, bei Galatasaray einst als Trainer, nun als Technischer Direktor tätig, macht seinen Landsleuten wenig Hoffnung. „Galatasarays Stärke ist, dass sie offensiv unheimlich gut drauf sind“, sagt der 74-Jährige. Auf die HSV-Abwehr, die aufgrund von Verletzungen nahezu in jeder Partie umformiert wird, kommt Schwerstarbeit zu. Galatasaray ist mit 48 Treffern in 24 Spielen die torhungrigste Mannschaft in der türkischen Eliteliga. Zudem kann der Tabellenfünfte auf Stürmer Milan Baros zurückgreifen, der im Hinspiel gesperrt war. Der Tscheche führt die Torjägerliste in der Süper Lig mit 17 Treffern an.

Dagegen beklagt der HSV den Verlust seines effektivsten Schützen. Wegen eines Muskelfaserrisses fehlt Petric, der es in Bundesliga und im UEFA-Cup auf 15 Tore gebracht hat. „Olic und Guerrero sind nicht schlechter“, meint Jol, den weitere Personalprobleme plagen. Unklar ist, ob Piotr Trochowski spielen kann. Der Nationalspieler hat sich eine Bänderdehnung im Knie zugezogen. Weiterhin fehlen Guy Demel (Muskelfaserriss) sowie die international für den HSV nicht spielberechtigten Mickael Tavares und Albert Streit. Der Einsatz von Michael Gravgaard (Adduktorenprobleme) ist fraglich.

„Wir fahren mit vollem Selbstvertrauen nach Istanbul“, sagt Marcell Jansen trotzig. „Das macht doch Spaß, das ist doch geil. Da können wir uns zeigen. Das müssen wir als Profis nur positiv sehen.“ Eine positive Sichtweise braucht der HSV auch. Denn nur drei Tage nach dem UEFA-Pokal-Spiel müssen die Norddeutschen in der Bundesliga beim FC Schalke 04 antreten. Noch haben die Hamburger Chancen auf Trophäen in drei Wettbewerben.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Galatasaray Istanbul: de Sanctis - Sabri, Kewell, Hakan, Volkan Yaman - Baris Özbek, Ayhan - Arda Turan, Lincoln - Baros, Ümit

Hamburger SV: Rost - Boateng, Alex Silva, Mathijsen, Aogo - Benjamin, Jarolim - Trochowski (Pitroipa), Jansen - Guerrero, Olic

Schiedsrichter: Pedro Proença (Portugal)

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