DOSB-Hauskrach: Hörmann erzwingt schnellen Vertrauenstest

DOSB-Präsident
Will nach den Olympischen Spielen in Tokio die Vertrauensfrage stellen: Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. (Foto: Ina Fassbender / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Christian Hollmann und Andreas Schirmer

Alfons Hörmann kämpft um seine Zukunft. Mit der Vertrauensfrage auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Spätsommer will sich der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes Rückendeckung für seinen Verbleib im Spitzenamt holen und geforderte Neuwahlen abwenden.

Die Krise um die schweren Vorwürfe aus dem Mitarbeiterkreis gegen Hörmann und die DOSB-Spitze soll mit dem Vertrauenstest kurz nach den Sommerspielen und den Paralympics gelöst werden, entschieden Präsidium und Vorstand nach dreitägigen Beratungen.

Damit kommt die Verbandsführung vorerst nur in Teilen der dringenden Empfehlung der Ethikkommission nach, die zuvor die schweren Anschuldigungen untersucht hatte. Neben einer Vertrauensabstimmung hatten die Ethiker um den Bundesinnenminister Thomas de Maizière für die nächste Mitgliederversammlung im Dezember „vorgezogene Neuwahlen für das gesamte Präsidium“ angemahnt.

Drängen von Hörmann

Auch auf Drängen von Hörmann soll die Vertrauensfrage nun früher gestellt werden. Die Paralympics enden am 5. September. Fraglich ist, ob sich eine mögliche Opposition im Verband so schnell organisieren und eine Ablösung des umstrittenen DOSB-Chefs erzwingen kann.

Basketball-Verbandschef Ingo Weiss begrüßte den Schritt als Sprecher der Spitzenverbände. Man werde bei der Mitgliederversammlung „Tacheles reden und dort deutlich machen, wie wir den Sport vom Abstellgleis holen, wo er gerade steht, und wieder auf die Schienen bringen“, sagte Weiss. Es werde „Zeit, dass wir da hinkommen“.

„Zum Wohl des deutschen Sports“ sei die Entscheidung der DOSB-Spitze gefallen, hieß es in einer Mitteilung. Ausgelöst worden war der Hauskrach beim DOSB Anfang Mai durch ein anonym versendetes Schreiben aus dem Mitarbeiterkreis. Der Brief enthielt schwere Anschuldigungen gegen Hörmann und die Spitze des Verbandes. Die Rede war von einem „Klima der Angst“ in der DOSB-Zentrale in Frankfurt am Main. Hörmann wurde psychischer Druck auf Mitarbeiter und ein laxer Umgang mit Corona-Vorschriften vorgeworfen.

Gibt es doch Neuwahlen?

Sollten Hörmann und sein Präsidium nicht eine klare Mehrheit bei der Vertrauensfrage erhalten, könnte es doch noch Neuwahlen geben. Dann wäre der Verbandschef zu schwer beschädigt, um noch länger den DOSB führen zu können. Turnusgemäß stünden erst auf der Mitgliederversammlung 2022 Wahlen auf der Tagesordnung. Der aus Bayern stammende Wirtschaftsmanager Hörmann ist seit Dezember 2013 Chef des DOSB. In den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Kritik an seiner Amtsführung gegeben.

Man sei sich „der besonderen Verantwortung für den deutschen Sport, den DOSB und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst“, sagte Hörmann zur der Entscheidung für die Vertrauensabstimmung. Diese fiel nicht einstimmig aus. Athletenvertreter Jonathan Koch trug den Beschluss nicht mit, wie ein DOSB-Sprecher mitteilte.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten sich Präsidium und Vorstand eilig hinter Hörmann gestellt und ihm das Vertrauen ausgesprochen. Athletenvertreter Koch hatte sich indes schon damals von dieser Erklärung distanziert. Hörmann selbst versprach, die Vorwürfe „offen und transparent“ aufklären zu wollen und zeigte sich betroffen. Der 60-Jährige kündigte an, „ein anderes Klima im DOSB schaffen“ zu wollen.

Rücktrittsforderungen

Kritik an der DOSB-Spitze und an Hörmann kam auch aus einigen Landessportbünden, dies ging sogar bis hin zu Rücktrittsforderungen. Angesichts des großen Drucks schaltete die Verbandsführung die Ethikkommission um den früheren Bundesinnenminister Thomas de Maizière ein.

Das Gremium ging nach Anhörungen und Prüfung zahlreicher eingesendeter Stellungnahmen hart mit den Spitzenfunktionären ins Gericht. „Es gibt zu viel Selbstbespiegelung, Demotivation und Gerüchte, Unzufriedenheit und Unklarheit“, wird im Report festgestellt. Angesichts des fehlenden Vertrauens könne es im deutschen Sport „in dieser Art nicht weitergehen“. Vorstandschefin Veronika Rücker versprach: „Wir werden in den nächsten Wochen auf das gesamte DOSB-Team aktiv zugehen, zuhören und gemeinsam Verbesserungen umsetzen.“

© dpa-infocom, dpa:210610-99-936862/4

Mitteilung des DOSB zur Vertrauensfrage

Stellungnahme der DOSB-Spitze

DOSB-Mitteilung zur Einschaltung der Ethikkommission

DOSB-Ethik-Kommission

Infos zu den DOSB-Spitzenverbänden

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Vermisstenfahndung: Die Polizei sucht diesen Mann

Seit Donnerstagabend wird der 44-jährige Heiko Rebenstorf vermisst. Polizei und Angehörige befürchten, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte oder er sich in einer hilflosen Lage befindet.

Heiko Rebenstorf befand sich aktuell auf einem Krankenhausaufenthalt in Bad Saulgau. Dort wurde er am Donnerstag zuletzt gegen 11 Uhr gesehen, als er mit seinem grauen Audi A4 Avant (Baujahr 1996) wegfuhr.

Vermutlich dürfte er zwischenzeitlich seine Wohnanschrift in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) aufgesucht haben.

 Dunkle Rauchwolken sind am Samstagabend über Fischbach zu sehen. Ein Wohnhaus in der Spaltensteiner Straße steht in Flammen. 90

Brand in Fischbacher Wohnhaus

Zu einem Vollbrand ist es am Samstagabend in einem eineinhalbgeschossigen Wohnhaus in der Spaltensteiner Straße in Fischbach gekommen. Laut Louis Laurösch, Kommandant der Häfler Feuerwehr, schlugen bei Ankunft der Einsatzkräfte bereits zehn Meter hohe Flammen aus dem Dachstuhl.

Ich gehe davon aus, dass das ein Totalschaden ist. Louis Laurösch, Feuerwehrkommandant

„Ich gehe davon aus, dass das ein Totalschaden ist“, sagt der Kommandant und weist am Samstagabend auf den Dachstuhl, von dem in großen Teilen nur noch ein ...

 Der Verein „Bürger helfen Bürgern“ ist sauer: 30 von 100 Impfwilligen nehmen ihren Termin im Impfzentrum Hohentengen nicht wahr

Impfwillige lassen ihre Termine sausen

Die Ehrenamtlichen des Bad Saulgauer Vereins „Bürger helfen Bürgern“ opfern seit Wochen ihre Freizeit, um Impftermine für Bad Saulgauerinnen und Bad Saulgauer für das Kreisimpfzentrum in Hohentengen zu vereinbaren. Doch kürzlich hat die Vorsitzende Elisabeth Gruber aus dem Impfzentrum eine Rückmeldung erhalten, die sie zornig macht: Ein Drittel der Impflinge erschien nicht zum Termin.

Der Verein „Bürger helfen Bürgern“ registriert die Impfwilligen aus Bad Saulgau, teilt ihnen per E-Mail die Termine und den Impfstoff mit und schickt ...

Mehr Themen