Hoeneß lässt den Hoeneß raus

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Da war der Vulkan noch nicht ausgebrochen: Uli Hoeneß am Rande der Partie des FC Bayern gegen Mönchengladbach.
Da war der Vulkan noch nicht ausgebrochen: Uli Hoeneß am Rande der Partie des FC Bayern gegen Mönchengladbach. (Foto: Langer/Eibner-Presse)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Vielleicht hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß tatsächlich gedacht, einfach nur in aller Ruhe ein Fußballspiel anschauen und den Abend danach gemütlich ausklingen lassen zu können. Vielleicht war er deshalb sogar über sich selbst überrascht, als Hoeneß den Hoeneß rausließ, weil ihm dieser schöne Fußballabend in München nur während des Spiels vergönnt war. Denn in Ruhe gelassen wurde Hoeneß nach dem hoch verdienten 5:1 (2:1) der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach keine Sekunde lang. Fragen über Fragen prasselten auf ihn ein – und sie hatten fast alle nur ein Thema: Wie ist das mit der Verpflichtung des neuen Bayern-Trainers Niko Kovac gelaufen?

Schon das erstbeste Interview lief so unvermeidlich in eine Richtung, die dem Bayern-Präsident gar nicht schmeckte, dass er einen Sky-Reporter prompt anpflaumte: „Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft.“ Diese Art von Befragung kennt Hoeneß freilich. Ähnlich bedrängt fühlte er sich offenbar von der Frage, wann der erste Kontakt der Bayern mit Kovac zustande gekommen sei, dass er sich zu einem Wutausbruch hinreißen ließ, wie ihn die Fußballwelt seit Jahrzehnten von ihm kennt. „Das geht Sie einen Mist an“, herrschte er den Sky-Reporter an – und ließ ihn stehen.

Gemeinsam mit Rummenigge in der Mixedzone vor Journalisten

Wenige Minuten später tauchte der Bayern-Präsident in der Mixedzone auf, wo sich der Großteil der Journalisten nach dem Spiel tummelt und Reaktionen einfängt. Bemerkenswert: Hoeneß hatte sich Verstärkung mitgebracht. Gemeinsam mit dem Bayern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge stellte er sich der wartenden Meute. Dass sich diese beiden Schwergewichte zusammen an dieser Stelle aufbauen, hat Seltenheitswert.

Hoeneß wiederholte zwar nicht, dass er es für eine „ziemliche Unverschämtheit“ (das hatte er am Sky-Mikrofon gesagt) halte, dass Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic behauptet hatte, die Information zur Kovac-Verpflichtung sei keinesfalls aus Frankfurt gekommen – was nichts anderes hieß, als dass es die Münchner gewesen sein sollen. Sehr wohl aber wies Hoeneß erneut nachdrücklich alle Schuld von sich: „Wir haben nichts dazu beigetragen, dass diese Sache an die Öffentlichkeit kam.“ „Aus unserer Sicht gibt es keine Irritation“, ergänzte Rummenigge, der zu beschwichtigen versuchte. „Es kamen vonseiten der Bayern keine Informationen nach außen. Absolut nicht. Wir hatten überhaupt kein Interesse daran, die Information nach außen zu bringen", pflichtete Sportdirektor Hasan Salihamidzic an anderer Stelle bei.

Den Bayern sei es nur darum gegangen, nach der Vertragseinigung den Frankfurtern so schnell wie möglich Bescheid zu sagen, damit sie mehr Zeit haben, einen neuen Trainer zu suchen. Man habe die Eintracht „schützen“ wollen, sagte Hoeneß – ohne damit hoffen zu dürfen, dass ihm das jemand abnimmt. Schon gar nicht Fredi Bobic oder irgendjemand anderes bei Eintracht Frankfurt.

Nicht der richtige Ort für Vertragsverhandlungen

Blieb immer noch die Frage, wann der Kontakt zu Kovac aufgenommen wurde. War das tatsächlich erst am vergangenen Donnerstag? So richtig antworten wollte Hoeneß nicht, immer wieder wich er aus. Zwar habe er die Kovac-Brüder – mit Niko wird Co-Trainer Robert von Frankfurt nach München wechseln – kürzlich zufällig bei einem Geburtstag getroffen. „Das ist aber nicht der richtige Ort, um Vertragsverhandlungen zu führen“, sagte der Präsident des Vereins, der Treffen in dieser Sache auch schon mal an einer Autobahnraststätte organisiert hat.

Nach minutenlangem Dauerbeschuss in Sachen Kovac/Bobic/Frankfurt tat ein Reporter Hoeneß dann doch den Gefallen und stellte ihm eine Frage zum aktuellen sportlichen Zustand des FC Bayern. Sofort strahlte Hoeneß mit Rummenigge um die Wette. „Endlich kommen wir zu den wichtigen Dingen des Lebens“, freute sich der Präsident. Bis auf die ersten zehn Minuten sei es ein großartiger Auftritt gegen Gladbach gewesen, kommentierte er die fünf Tore nach frühem Rückstand. Er habe das Spiel weitestgehend genießen können, ohne Nervenbelastung.

Hoeneß hätte ergänzen können: „Da wusste ich aber noch nicht, was mich nach dem Spiel erwartet.“ Gepasst hätte es jedenfalls – an einem Abend, an dem im Nachgang nur wenig über ein über weite Strecken unterhaltsames Fußballspiel gesprochen wurde.

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