Hoeneß: Hertha für Nachfolge gewappnet

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Deutsche Presse-Agentur

Die Tabellen-Spitze seines Clubs in der Fußball-Bundesliga wäre für Hertha-Manager Dieter Hoeneß nur eine „Momentaufnahme ohne Bedeutung“ - viel wichtiger ist dem 56-Jährigen die langfristige Ausrichtung.

Und in dieser Beziehung sieht Hoeneß den Hauptstadtclub rund 17 Monate vor seinem angekündigten Abschied von Hertha BSC gerüstet. „Mittlerweile erkennt man deutliche Fortschritte. Auf Sicht gesehen, wollen wir wieder ganz vorn angreifen“, erklärte Hoeneß in einem Interview der Zeitung „Die Welt“ vor dem Auswärts-Spiel bei Arminia Bielefeld. Der 2007 eingeleitete Umbruch-Prozess, mit dem vor allem der Charakter der Mannschaft verändert werden sollte, sei „konsequent umgesetzt“ worden. Jetzt ernte Hertha die ersten Früchte.

Der Umbruch bei Hertha ist eng mit Trainer Lucien Favre verbunden, der wie selten zuvor ein Berliner Chefcoach seine Linie durchzog und dabei auch vor Debatten mit Hoeneß nicht zurückschreckte. Favre benannte in den zurückliegenden Monaten auch unangenehme Dinge: Er machte öffentlich, dass der Club kein Geld habe für größere Einkäufe oder Spieler noch nicht so gern zu Hertha kämen. Doch der Manager weiß, warum er den Schweizer unbedingt wollte: „Favres große Stärke ist es, auf dem Trainingsplatz der Mannschaft eine Struktur zu geben und ein gutes Klima zu erzeugen.“ Selbst die aktuelle Verletzungs- Misere kann den Berliner Cheftrainer nicht von seiner Linie abbringen. „Wir müssen es so nehmen, wie es ist“, betonte Favre.

Von seinem Traum, in seiner Zeit als Hertha-Manager einmal mit der Meisterschale durch das Brandenburger Tor zu fahren, hat sich Hoeneß inzwischen verabschiedet. „Diese Aussage habe ich vor der Kirch-Krise und vor dem Stadion-Umbau getätigt. Danach hat sich die wirtschaftliche Situation gravierend geändert. Das hat uns 45 Millionen Euro gekostet in einer Phase, in der wir Dinge aufbauen mussten, die andere Clubs längst hatten“, bemerkte Hoeneß. Hertha habe eine Phase der wirtschaftliche Konsolidierung gebraucht, in der sich auch der Manager „mit Mittelmaß zufriedengeben“ musste. Dieser Gesundungsprozess sei aber auch die Grundlage für kommende Erfolge.

Für den ganz großen Schritt sehen Hoeneß und Favre die Zeit noch nicht reif. Und eine Meisterschaft sei auch nicht komplett planbar. „Ich betone, dass die Zukunft von Hertha nicht rosarot ist, wir wissen nicht, wie sich die Finanzkrise auswirken wird“, sagte der Manager. Auf seinen persönlichen Abschied im Sommer 2010 sieht Hoeneß seinen Club allerdings gut vorbereitet - sogar besser als den FC Bayern auf den Abschied seines Bruders Uli. „Denn wir ziehen seit langem Leute heran, die meine Nachfolge antreten werden.“ Er habe Michael Sauer und Michael Preetz in die Rolle hineinwachsen lassen, betonte Hoeneß und bekräftigte in dem „Welt“-Interview: „Wir sind gut aufgestellt, deshalb ist für mich im Sommer 2010 definitiv Schluss.“

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