Hertha hakt Rekordpleite und Aus schnell ab

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Deutsche Presse-Agentur

Die nächtliche Aussicht auf die Akropolis ließ Dieter Hoeneß Herthas Europapokal-Rekordpleite schnell verschmerzen. Der Manager zog beim Blick auf das prächtig erleuchtete Wahrzeichen Athens trotz des UEFA-Cup-Aus eine zufriedene Jahresbilanz für Berlins Fußball-Bundesligisten.

„Natürlich ist nach so einem Spiel Enttäuschung da“, sagte Hoeneß im Hotel nach dem 0:4 (0:0) im letzten Gruppenspiel bei Olympiakos Piräus. „Aber wir haben eine klasse Vorrunde gespielt. Ich bedanke mich für ein tolles Jahr 2008“, fügte er weit nach Mitternacht beim Festbankett hinzu.

Über das gesamte Jahr, die Rückrunde der vorigen Saison eingeschlossen, errechnete Hoeneß Platz vier für die Schützlinge von Trainer Lucien Favre. Trotz der besten Hinrunde der Clubgeschichte mit Rang drei bleibt das Saisonziel „nur“ die direkte Qualifikation für den UEFA-Cup, in dem die K.o.-Runde der letzten 32 erneut ohne Hertha BSC stattfindet. „Wenn man aus dem Fenster schaut und die Akropolis sieht, wird erst klar, dass nicht nur die Bundesliga eine große Bedeutung hat. Es lohnt sich, international zu spielen“, sagte Hoeneß schwärmerisch und auch wehmütig. „Das Einzige, was gestört hat, war das Ergebnis. Ansonsten war es ein sehr schöner Europapokal- Abend.“ Verteidiger Marc Stein versprach: „Wir wollen wieder in den UEFA-Cup und es beim nächsten Mal besser machen.“

Von Trübsal war zu fortgeschrittener Stunde in Anbetracht des bevorstehenden Weihnachtsurlaubs auch bei den Profis nichts mehr zu sehen. Zwei Stunden zuvor hatte es nach vergebenen Großchancen in der ersten Hälfte noch eine viel zu hohe Klatsche gegeben, für die Dudu (54.), Luciano Gallettis Foulelfmeter (67.) sowie in der Schlussphase Vassilis Torosidis (86.) und Diogo (89.) sorgten. „Die hatten Angst vor uns“, meinte Coach Favre mit Blick auf die erste Hälfte.

„Ihr sollt stolz auf Euch sein. Ich wette mein Leben, dass wir das Spiel gewonnen hätten, wenn wir das erste Tor gemacht hätten“, sagte Innenverteidiger Josip Simunic, eine von sechs verletzten Hertha- Säulen beim Weihnachtsessen im Mannschaftshotel gegenüber dem Zeus- Tempel zu seinen Kollegen. Nicht nur die internationale Erfahrung des kroatischen WM-Teilnehmers fehlte Hertha BSC, sondern auch die Torgefahr. Nur ein Treffer in vier Gruppenspielen hatte vor drei Jahren kurioserweise zum Weiterkommen gereicht, gegen stärkere Konkurrenz diesmal nicht. Ausgerechnet der vor einer ungewissen Zukunft bei Hertha stehende Torjäger Marko Pantelic traf nicht in das offene Tor. „Schade - ich kann nur sagen: schade“, meinte der Serbe.

Nach der Pause ging den Berlinern im 29. Pflichtspiel seit Mitte Juli die Puste aus. Die Personalmisere sorgte in den Schlussminuten für ein ungewöhnliches Comeback. Der Brasilianer Lucio kehrte 15 Monate nach einem Totalschaden im Knie zurück. Kapitän Arne Friedrich schnitt dem Mittelfeldspieler beim Bankett deshalb die langen Haare ab, die sich der 29-Jährige wachsen ließ, seit er sich am 28. September 2007 im Bundesligaspiel bei Schalke 04 verletzt hatte.

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