Hendrik Pfeiffer: Aus dem Corona-Tief zum Olympia-Hoch?

Deutsche Presse-Agentur
Ulrike John

Als Hendrik Pfeiffer plötzlich selbst nicht mal mehr was schmeckte, als er in eine Zitrone biss, schrillten bei ihm „alle Alarmglocken“.

Ende März war das. Nach einem eisigen Rennen in Dresden dachte der Marathonläufer vom TV Wattenscheid erst, er habe sich einen Infekt eingehandelt. Aber: Corona! Wenige Monate vor den Sommerspielen in Japan genau das, was jeder Leistungssportler fürchtet. Jetzt kämpft Pfeiffer, der die Olympia-Norm bereits gelaufen ist, um seinen „Lebenstraum“.

Die Nachwirkungen von Covid-19 bei Spitzenathleten „kann man aktuell noch nicht richtig erklären, weil wir noch nicht so viele Erfahrungen haben“, sagt Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Was man aber weiß, ist natürlich: Wenn die Erkrankung richtig zuschlägt, kann es sogar zu einem Karriereende führen“, so der 64-Jährige. Die größte Gefahr: zu früh und zu intensiv wieder mit dem Training anzufangen.

Pfeiffer schlief während seiner Erkrankung 16 Stunden am Tag. „Wenn ich eine Kiste Wasser hochhob, musste ich mich danach erst mal hinlegen.“ Vier Wochen habe es gedauert, bis er wieder mit ganz lockerem Laufen anfangen konnte. In Hochzeiten absolviert der 28-Jährige, der 2017 und 2019 den Köln-Marathon gewann, 160 bis 170 Kilometer die Woche. Im Februar 2020 lief Pfeiffer in Sevilla den 42,195-Kilometer-Klassiker in 2:10:18 Stunden - bis heute die drittbeste Zeit eines Deutschen auf dem Weg nach Tokio.

Nur sein Clubkollege Amanal Petros (2:07:18) und Richard Ringer (Rehlingen/2:08:49) waren bisher schneller. Das enge Rennen um die drei Olympia-Tickets ist offiziell bis Ende Mai offen, aber kein Experte traut es einem Läufer mehr zu, Pfeiffers Leistung zu unterbieten. Er selbst hatte keine Chance, bei einem Wettkampf nachzulegen. „Zu Corona kam der psychische Druck dazu“, sagt Pfeiffer. „Ich stehe jetzt seit einem Jahr unter Anspannung.“

Nach EKG, Lungenfunktionstest und Kardio-MRT hat Pfeiffer seine Ausdauerarbeit wieder aufgenommen. Inzwischen befindet er sich im Höhentrainingslager in Kenia. Ein Härtetest. „Ich hatte einen recht mühsamen Start mit deutlich erhöhtem Puls, der über die normale Höhenanpassung hinausging. Aber nach vier Tagen war der Hebel dann umgelegt“, sagt der Profisportler der Bundeswehr. „Ich habe durch Corona zwar schon spürbar an Form eingebüßt, aber jetzt kann ich wieder normal trainieren und habe alles in meiner Hand.“

Er sei offenbar ohne Folgeschäden oder Long Covid aus der Sache herausgekommen. Wie gut - das wird sich in Sapporo zeigen, wo am 8. August der olympische Marathon startet. „Es ist die Arbeit von mehr als einem Jahrzehnt“, sagt Pfeiffer, der schon einmal ausgebremst wurde: Wegen einer Fersenverletzung fehlte er kurzfristig in Rio de Janeiro 2016, dabei hatte er schon die offiziellen Klamotten eingepackt. Es sei einer der dunkelsten Stunden seines Lebens gewesen.

© dpa-infocom, dpa:210504-99-461503/4

Hendrik Pfeiffer auf Instagram

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