Heldt kämpft für Köln-Coach Gisdol und gegen Taktik-Kritik

FC-Verantwortliche
Kölns Sportchef Horst Heldt (l) stellt Trainer Markus Gisdol nicht infrage. (Foto: Rolf Vennenbernd / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Holger Schmidt

Horst Heldt wirkte ungewohnt gereizt. Der Sportchef des 1. FC Köln kämpfte am Morgen nach der ernüchternden 0:1-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart mit Vehemenz gegen Untergangs-Stimmung im Umfeld.

Vor allem aber gegen Kritik an der taktischen Ausrichtung von Trainer Markus Gisdol und gegen die Deutung, es gebe in dieser Hinsicht einen möglichen Dissens zwischen der Mannschaft und dem Fußball-Lehrer.

Dass Trainer und Spieler nach der Partie unterschiedliche Aussagen tätigten, sei „vollkommen wurscht“, sagte Heldt: „Es ist kein Problem, wenn man unterschiedliche Ansätze hat. Aber es gibt keine Diskrepanz innerhalb der Kabine.“ Kritik sei „legitim und nachvollziehbar“, erklärte Heldt im Mediengespräch: „Aber Sie müssen auch akzeptieren, dass ich damit nix anfangen kann. Und sie mich nicht interessiert, weil ich glaube, dass ich mehr Ahnung habe.“

Zwei Wochen nach dem umjubelten Derbysieg in Mönchengladbach steckt der FC wieder tief im Abstiegskampf. Nach der siebten Niederlage im elften Heimspiel ist der lange abgeschlagene Vorletzte Mainz nur noch vier Punkte entfernt. Und dass der Vorsprung nächste Woche auf einen Punkt schrumpft, ist nicht utopisch. Denn Mainz empfängt Augsburg, die Kölner müssen beim FC Bayern antreten. Heldt verwies gebetsmühlenartig darauf, dass der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag gehen wird. „Das ist für alle Beteiligten anstrengend, aber es gibt keinen anderen Weg“, sagte er.

Für Gisdol scheint der genaue Weg zudem klar: Er wählt mit Blick auf das zur Verfügung stehende Personal nahezu in jedem Spiel einen auf Kompaktheit ausgerichteten Ansatz. Selbst in Heimspielen gegen Teams auf Augenhöhe mahnt er vor allem, diesen keine Räume zu geben. Nach dem Stuttgart-Spiel klang es aber schon danach, als hätten sich einige Spieler einen aktiveren Ansatz gewünscht.

„Wir müssen zwingender werden. Nur, wenn man Tore schießt, kann man gewinnen“, mahnte Torhüter Timo Horn. „Wir wollten kompakt stehen. Aber vielleicht haben wir zu tief gestanden“, sagte Offensivspieler Marius Wolf. Und Innenverteidiger Rafael Czichos erklärte: „Wenn man ohne Zwang nach vorne spielt, ist es schwierig zu punkten. Das reicht einfach nicht.“ Allerdings ließ Czichos durchblicken, dass es seiner Meinung nach eher an der Umsetzung denn der Ausrichtung liegt: „Wir haben eine gute Idee, aber wir spielen es zu ungenau.“

Gisdol begründete die Vorsicht mit mangelndem Offensiv-Personal. „Wir haben im Sturmbereich in dieser Saison nicht die wahnsinnigen Spieler, die ein Tor nach dem anderen schießen“, sagte er: „Das ist unser Los. Und das wird sich nicht ändern bis zum Saisonende.“

Gisdol bewegt sich damit auf einem schmalen Grat. Denn zum einen ist sein Hinweis berechtigt: Nach den Abgängen von Jhon Cordoba und Mark Uth im Sommer sowie von Anthony Modeste im Winter, der langen Verletzung von Sebastian Andersson und der fraglichen Bundesliga-Reife von Tolu Arokodare steht ihm im sportlich noch nicht integrierten Winter-Zugang Emmanuel Dennis nur ein echter Stürmer zur Verfügung. Andererseits redet Gisdol mindestens nach außen eher die Gegner stark als sein eigenes Team.

Heldt steht aber weiter hinter ihm. „Es ist okay, wenn um uns herum die Menschen keine Geduld haben“, sagte der Kölner Sportchef. Und versicherte: „Wir haben sie.“

© dpa-infocom, dpa:210221-99-530581/2

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