Haug kritisiert Zwei-Klassen-Gesellschaft

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Deutsche Presse-Agentur

Nach der Dominanz von BrawnGP beim Saison-Auftakt hat Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Formel 1 moniert und die Unklarheiten im Regelwerk kritisiert.

Der Schwabe forderte angesichts des umstrittenen Diffusors an den Rennwagen des in Australien beeindruckend starken Teams von Ross Brawn: „Man muss ein eindeutiges Reglement haben. Das muss die Zielsetzung sein.“

In einer Telefonkonferenz betonte Haug allerdings auch, dass sich McLaren-Mercedes derzeit entsprechend vorbereite, sollte das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbands FIA am 14. April die Regelinterpretation in Sachen Unterboden von Brawn als endgültig legal absegnen. Die Brawn-Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello hatten in Melbourne in den kritisierten Boliden einen Doppelerfolg gefeiert.

Man könne sicher sein, dass alle Rennställe den doppelten Diffusor, wie ihn neben BrawnGP auch die zum Auftakt ebenfalls starken Teams von Williams und Toyota benutzten, prüfen würden. Erst nach dem FIA-Urteil zu reagieren, wäre zu spät. Zumal am 19. April bereits der Große Preis von China und eine weitere Woche später in Bahrain der vierte von 17 WM-Läufen auf dem Programm stehen. Am 10. Mai folgt der Europa-Auftakt in Barcelona, bis dahin wollen die Silberpfeile ihren Rückstand deutlich aufgeholt haben.

Stand jetzt aber: Für Malaysia rechnet sich der englisch-schwäbische Rennstall keine Chancen auf einen erneuten Podestplatz nach Rang 3 von Weltmeister Lewis Hamilton in Australien aus. Vielmehr geht Haug von einer erneuten Macht-Demonstration der „Brawnies“ mit dem Mercedes-Motor aus. „Ich glaube nicht, dass er so schnell gefahren ist wie er konnte“, meinte Haug rückblickend auf Buttons Siegfahrt in „down under“. Grund für die Überlegenheit ist aus Konkurrentensicht vor allem der Diffusor, der hintere Teil des Unterbodens, bei dem die drei Teams die Regeln auf ihre Weise interpretierten.

„Die Zwei-Klassigkeit ist nicht gut - die ist in keinem Sport gut“, betonte Haug. Fragen der Regelauslegung wie im Fall des Diffusors, der die Aerodynamik des Autos und damit auch den Abtrieb stark beeinflusst, müssten eindeutig geklärt sein. „Und zwar vor der Saison“, so Haug weiter. Nun aber könnte es passieren, dass ausgerechnet in dem WM-Jahr, an dessen Beginn das größte Sparpaket in der Geschichte der Königsklasse verabschiedet worden war, sieben Teams ihre Autos noch einmal für viel Geld überarbeiten müssen, um Brawn & Co wieder ernsthaft Paroli bieten zu können.

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