Harting überdreht völlig - und fliegt raus

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Christoph Harting
Christoph Harting hat bei den deutschen Meisterschaften mit drei ungültigen Versuchen den Endkampf verpasst. (Foto: M. Kappeler / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Andreas Schirmer und Ulrike John

Diskus-Olympiasieger Christoph Harting hat wieder völlig überdreht. Mit despektierlichen Äußerungen über den Deutschen Leichtathletik-Verband und seine Konkurrenten sorgt der streitbare Berliner einmal mehr für Ärger und Unverständnis.

„Auf dem Weg zum Erwachsensein muss man manchmal den einen oder anderen Baustein hinter sich bringen“, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing, der sich über die Provokationen des 29-Jährigen schon öfter ärgern musste.

DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska wollte erneut das Gespräch mit Harting suchen, „um einordnen zu können, was er gesagt“ habe, räumte aber ein: „Wenn man Olympiasieger ist, ist der Maßstab ein sehr, sehr hoher.“

Harting, der mit seinen Rundumschlägen und Polemiken nicht das erste Mal aneckte, hatte sich respektlos über die Titelkämpfe in Berlin geäußert. „Deutsche Meisterschaften sind immer der große letzte Nominierungswettkampf, wo der DLV sagt, ihr müsst hinfahren. Es ist die letzte Erpressungsmöglichkeit der deutschen Leichtathletik“, ätzte er in einem Interview der „Berliner Zeitung“.

Zudem verunglimpfte Harting Konkurrenten und die Bedeutung eines Titelgewinns. „Seit gefühlt 35 Jahren trägt kein anderer als ein Harting den Titel im Diskuswerfen“, sagte er mit Bezug auf seinen Bruder Robert, der achtmal deutscher Meister geworden war. Solle den Titel jetzt ein Martin Wierig oder ein David Wrobel kriegen, fragte er rhetorisch und fügte an: „Ach, nehmt ihn euch doch, wenn es euch so wichtig ist. Es gibt wenig Unbedeutenderes als einen deutschen Meistertitel.“

Mit dieser Einstellung war der Medaillenkampf für ihn schnell vorbei. Nach drei ungültigen Würfen verpasste der Überraschungssieger von Rio 2016 am Samstag den Endkampf und legte nach dem Aus im gleichen Stil nach. „Es könnte mir nicht egaler sein“, sagte Harting und bekräftigte auch seine Kritik an den nationalen Titelkämpfen: Jedes Stadionfest oder jeder Werfertag in Halle habe „ein deutlich höheres Niveau als diese Meisterschaft“.

Keinen besonderen Reiz haben für Harting die Weltmeisterschaften vom 27. September bis 6. Oktober in Doha/Katar. Abgesehen von einem möglichen Preisgeld und angenehmen klimatischen Bedingungen sieht er „auf der Kontra-Seite“ unter anderem den späten Austragungszeitpunkt. „In Bezug auf die Olympischen Spiele in Tokio ist das katastrophal“, befand Harting, der mit 66,01 Metern die WM-Norm erfüllt hat. „Wenn ich nicht verletzt bin, sage ich klar: Einen Tag vorher anreisen, zwei Tage Wettkampf und am nächsten Tag auf Wiedersehen!“

Gefragt, ob er als einer mit Steuergeldern geförderter Sportler nicht auch eine Verpflichtung zur Teilnahme an Titelkämpfen habe, antwortete Harting auf seine Weise. „Natürlich ist es eine Verantwortung gegenüber den öffentlichen Geldgebern, zum Saisonhöhepunkt zu fahren“, erklärte der Bundespolizist. Wenn er aber nicht im Stande sei, konkurrenzfähig zu sein und seine Aufgabe zu erfüllen, wäre es auch nicht richtig, an den Start zu gehen. „Warum soll dann Geld verschwendet werden, das wäre fehl am Platze.“

Der zweimalige deutsche Meister ist aber fest überzeugt, dass ihm wieder weite Würfe gelingen werden, dass er vielleicht sogar den Weltrekord von Jürgen Schult von 74,08 Metern oder die 80-Meter-Marke übertreffen kann. Dabei feierte er seit seinem Olympiasieg keinen zählbaren Erfolg mehr. Für die WM 2017 in London konnte sich Harting nicht qualifizieren, bei der Heim-EM 2018 in Berlin kam er nicht in den Endkampf.

Deshalb wolle er sich voll auf die Spiele in Tokio 2020 fokussieren, die „alles“ für ihn bedeuten. Um sich von diesem großen Ziel nicht ablenken zu lassen, kündigte er an: Keine Interviews mehr bis Olympia. „Ich will mich auf wesentliche Dinge konzentrieren“, erklärte er und beantwortete vor dem großen Schweigen noch die Frage, wo er die Goldmedaille von Rio aufbewahrt: „Auf dem Dachboden.“

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Zeitplan deutsche Meisterschaften

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Bericht in der "Berliner Zeitung"

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