Hans Rudhart – einmal Olympionike, immer Olympionike

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Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Wenn die Nordischen Kombinierer am heutigen Mittwoch ihren ersten Wettbewerb in Pyeongchang absolvieren, werden bei Hans Rudhart aus Isny wieder schöne Erinnerungen hochkommen. Ein halbes Jahrhundert wird er dann gedanklich zurückgehen. 1968 in Grenoble nahm der heute 72-Jährige selbst an Olympischen Winterspielen teil. Der Mann vom WSV Isny verpasste in der Kombination eine Spitzenplatzierung nur durch eine umstrittene Juryentscheidung.

Seine Olympiateilnahme kommt Hans Rudhart auch 50 Jahre später noch wie ein Traum vor. Und ein wenig klingt es auch danach, wenn er erzählt, wie er es ins deutsche Team für die Spiele in Frankreich schaffte. Zwar fing er früh mit dem Wintersport in Isny an, bestritt auch diverse Nachwuchskämpfe, so richtig los ging es für Rudhart aber erst zu seiner Bundeswehrzeit im bayerischen Mittenwald. Dort nahm ihn ein Kamerad mit zur Sprungschule des SC Partenkirchen, sah das Talent des Allgäuers und animierte ihn dazu, sich bei Kombinationswettkämpfen anzumelden. Das war 1967. Ein Jahr später war Hans Rudhart schon bei Olympia dabei. Durch die Wettkämpfe wurde der DSV auf ihn aufmerksam, sogleich wurde er in die Nationalmannschaft der Kombinierer aufgenommen. In der nationalen Ausscheidung vor Grenoble setzte der 22-Jährige sich schließlich gegen einen Mannschaftskollegen durch und durfte als einer von vier Deutschen seine Sachen für die Reise nach Frankreich packen.

Herausragender Sprung in Grenoble

In Grenoble hatte er zwei richtig gute Trainingssprünge. Die Form stimmte auf den Punkt. Das bekam aber die Jury offensichtlich nicht mit, dafür der Kommentator im deutschen Fernsehen. Dieser habe getobt, erzählt der damalige Außenseiter Rudhart, als sein Sprung auf damals herausragende 74 Meter zum Anlass genommen wurde, den Anlauf zu verkürzen. „Man hat mich halt kaum gekannt“, erinnert sich Rudhart heute. Im Gegensatz zu heute bedeutete das den kompletten Neustart des Springens. Also musste auch Rudhart nochmal hoch, landete etwas früher und wurde 22. Im Langlauf fiel er auf Platz 29 zurück. Es gewann sein Teamkollege Franz Keller aus Nesselwang, der dafür auch zu Deutschlands Sportler des Jahres gekürt wurde.

Auch ein halbes Jahrhundert später ärgert sich Hans Rudhart etwas über die durchs Regelwerk und die Wettkampfjury verhinderte Spitzenplatzierung bei seinen ersten Olympischen Spielen. Die Zahlen von damals, die Weiten, die Plätze, das hat er alles noch parat, als wäre es gestern gewesen. Klar wird: Wer einmal Olympionike ist, der bleibt es für immer.

Nach der ersten Enttäuschung kam in Grenoble hinzu, dass es zu dieser Zeit nur einen Wettbewerb für die Kombinierer gab. Noch schwerer waren deshalb die Folgen für Rudhart bei seiner zweiten Teilnahme, vier Jahre später im japanischen Sapporo. Wieder war die Form richtig gut, er rechnete sich echte Chancen aus. Dann erwischte ihn kurz nach der Ankunft in Japan ein Magen-Darm-Infekt. Bis zum Wettkampf erholte er sich nicht davon. Somit verstrich sein zweites Olympiaerlebnis ohne Einsatz.

1970/71 bei der Tournee

Schwamm drüber. Die Karriere von Hans Rudhart hielt auch abseits von Olympia noch schöne Momente bereit. 1970/1971 etwa war er bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen in der nationalen Gruppe am Start. In der Kombination ragte der Gewinn des Schwarzwaldpokals 1971 heraus. Nach dem Karriereende 1974 blieb Rudhart dem weißen Sport treu. Er arbeitete als Trainer, unter anderem in Oberstdorf beim Zollteam, dessen Mitglied er auch als Aktiver gewesen war. Noch heute betreibt er den Skilift an der Felderhalde in Isny, sein Sohn Marc die dazu gehörende Skischule.

Nachwuchs macht Freude

Hans Rudhart freut sich am starken Isnyer Nachwuchs, an den jüngsten Erfolgen von Friedrich Moch und Amelie Hofmann (beide Langlauf) bei der Junioren-WM, an der Karriere der bereits im Weltcup startenden Skispringerin Agnes Reisch. Und natürlich freut er sich über die seit Jahren starken Leistungen der deutschen Kombinierer. Erik Frenzel, Johannes Rydzek und Co. drückt er in den nächsten Tagen ganz besonders die Daumen. „Die Sportler haben es heute sehr gut. Die Möglichkeiten sind einfach besser. Sie sind rund um die Uhr betreut. Das war bei uns noch ganz anders. Wir haben zwar ein bisschen Material gekriegt, um vieles mussten wir uns aber selber kümmern“, zieht Rudhart einen Vergleich.

Eines aber ist auch 50 Jahre später gleich geblieben: die Eindrücke der Sportler bei der Eröffnungsfeier. Diesen emotionalen Moment in Grenoble hat Rudhart nie vergessen. „Hinter der deutschen Fahne einzulaufen, das war großartig“, erzählt er. Wäre Hans Rudhart in Pyeongchang als Sportler dabei gewesen, hätte diese Fahne mit Erik Frenzel sogar ein Kombinierer getragen.

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